Interview vor dem DFB-Pokal Rudi Völler über SF Lotte und Leverkusens Ziele

Von Michael Jonas


Osnabrück. Klar, dass Rudi Völler an diesem Samstag im Lotter Stadion ist. Bayer Leverkusens Sportdirektor äußert sich in unserem Interview zum Pokalgegner Sportfreunde Lotte, zur Regionalliga und zu Bayers Zielen.

Rudi Völler, was haben Sie gedacht, als Sie vom Pokallos Sportfreunde Lotte gehört haben?

Das ist ein Verein, der uns das Leben schwer machen kann. Wir kennen die Regionalliga West ziemlich gut. Wir haben uns zwar entschlossen, die zweite Mannschaft aus der Regionalliga abzumelden, weil wir uns auf die A-Jugend konzentrieren wollen, dennoch wissen wir Bescheid, was in der Regionalliga läuft.

Wissen Sie, wo Lotte liegt?

Natürlich. Wir beschäftigen uns ja mit dem Gegner.

Welche Informationen haben Sie über die Mannschaft?

Alles, was bis zur 4. Liga geht, ist immer gefährlich. Deswegen sind wir vor Lotte gewarnt. Ich kenne noch Torhüter Benedikt Fernandez, der bei uns gespielt hat. Ein toller Junge, sympathisch und angenehm. Er wird natürlich versuchen, gegen seinen ehemaligen Verein ein super Spiel zu machen. Aber er ist ja nicht der Einzige, der bei Bayer war. Gerrit Nauber kenne ich ebenfalls noch.

Lotte will die Sensation schaffen

Lottes Trainer Ismail Atalan glaubt, eine Chance gegen Bayer zu haben. Ist das zu verwegen für einen Regionalligisten?

Nein. Das ist doch klar, dass die gegen uns glänzen wollen. Wir sind zwar Favorit, müssen aber trotzdem aufpassen. Lotte hat in den letzten Jahren in der Regionalliga immer eine gute Rolle gespielt. In der vergangenen Saison hat es zwar nur zu Platz sechs gereicht. Aber für die neue Spielzeit haben sie sich einiges vorgenommen. Wir haben in einem Testspiel gegen Viktoria Köln 1:1 gespielt. Das war schon eine prima Vorstellung eines Regionalligisten.

Wird ein Regionalligist genauso intensiv beobachtet wie ein Bundesliga- oder Europapokalgegner?

Wir überlassen nichts dem Zufall. Dazu gehört auch die Anreise am Freitag. Seitdem wir wissen, dass Lotte unser Pokalgegner ist, beschäftigen wir uns mit diesem Verein. Wir haben ihn beobachtet, auch zum Punktspielauftakt beim 2:0 gegen die U23 von Schalke 04. Für unseren Trainer Roger Schmidt ist Lotte kein Unbekannter. Mit Preußen Münster musste er mehrfach gegen die Sportfreunde spielen.

Wird Bayer in Lotte in Bestbesetzung antreten?

Rudi Völler: Wie schon gesagt, wir nehmen das Spiel sehr ernst und werden unsere stärkste Mannschaft aufbieten. Ich gehe davon aus, dass der Trainer Weltmeister Christoph Kramer bringt. Und auch den jungen Jonathan Tah, der wir vom HSV verpflichtet haben. Sie wissen ja, dass Ömer Toprak länger ausfällt und auch Tin Jedvaj nicht zur Verfügung steht.

Leverkusen vor dem Spiel in Lotte

Generell: Welches Ziel verfolgt Bayer nach der guten vergangenen Saison in der kommenden Spielzeit? Sie haben gesagt, es wird immer schwieriger, an den Bayern vorbeizukommen.

Nicht schwieriger, das ist unmöglich. Schon allein wegen ihrer finanziellen Möglichkeiten werden die Bayern nicht zu stoppen sein. Unser Minimalziel ist die Teilnahme an der Europa League. Besser wäre das Erreichen der Champions League.

Apropos Champions League: Sie müssen in der aktuellen Qualifikation gegen Lazio Rom antreten.

Das wird ein sehr interessantes Duell. Vor allem, weil es ein Wiedersehen mit Miro Klose gibt. Einen Favoriten sehe ich in diesem Vergleich nicht. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe, ein 50:50-Spiel.

In der Champions League gegen Lazio

Aktuell noch: Es soll angeblich zwischen Ihnen und Matthias Sammer einen Streit gegeben haben, weil die Bayern den Saisonstart 2016 um eine Woche nach hinten verschieben wollen. Was ist da dran?

Das ist kein Streit, sondern eine ganz normale Diskussion. Jeder hat seinen Standpunkt. Und wir wollen nicht, dass es durch eine Terminverschiebung mehr englische Wochen geben wird. Die Anforderungen an die Spieler sind ohnehin schon hoch genug. Aber da sind wir mit unserer Ansicht nicht alleine.