Vor DFB-Pokal-Duell Noch denkt Leverkusen mehr an Champions League als an Lotte

Von Olaf Kupfer

Bayer 04 Leverkusen mit Jonathan Tah (l.) im Testspiel bei Red Bull Salzburg mit Dimitri Oberlin. Foto: imago/GEPA picturesBayer 04 Leverkusen mit Jonathan Tah (l.) im Testspiel bei Red Bull Salzburg mit Dimitri Oberlin. Foto: imago/GEPA pictures

Leverkusen. Morgen Nyon, übermorgen Lotte – die Welten könnten kaum weiter auseinander liegen. Während Regionalligist Lotte auf das Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den Erstligisten Bayer 04 Leverkusen hinfiebert (morgen, 15.30 Uhr), hat man beim Erstligisten vorerst noch Besseres zu tun.

Unser Liveticker zum DFB-Pokalspiel zwischen SF Lotte und Bayer Leverkusen

In der Schweiz wird am heutigen Freitag (12 Uhr) der Gegner für die Play-off-Runde in der Champions League ausgelost. Und da warten richtig schwere Brocken: Lazio Rom, AS Monaco, FC Brügge, Rapid Wien oder ZSKA Moskau – einer dieser Clubs wird am Ende in zwei Spielen (17./18. und 25./26. August) mit Bayer 04 um den Einzug in die CL-Gruppenphase ringen.

Die Champions-League-Gruppenphase nur nicht verpassen

Ein Ausscheiden, hat Bayer 04-Geschäftsführer Michael Schade gesagt, wäre eine „herbe Enttäuschung. Aber daran denke ich gar nicht. Dafür ist die Harmonie und die Stimmung in der Mannschaft derzeit zu gut“. Hehre Worte, die zu messen sein werden.

SF Lotte will die Sensation gegen Bayer Leverkusen

Was auch die Sportfreunde Lotte zu spüren bekommen könnten. In der Tat hat Leverkusen nach verhaltenem Beginn in der Vorbereitung und zunächst schlechten Testspielen (unter anderem ein 0:1 gegen Drittligist Großaspach) zuletzt die Kurve bekommen. Was sich durchaus begründen lässt:

Trainer Roger Schmidt steht für Offensivfreude

Für den offensiven und laufaufwendigen Jagdfußball, den Roger Schmidt, gebürtiger Sauerländer und vor der vergangenen Saison von Red Bull Salzburg nach Leverkusen gekommen, in der vergangenen Saison erfolgreich ins Team gebracht hat, braucht es Kraft und Kondition – und ganz viel Abstimmung. „Von allein geht halt relativ wenig“, sagt Schmidt. Weil in Leverkusen tatsächlich jeder weiß, was der andere wann macht. Oder besser: wissen sollte. Wenn das nicht der Fall ist, entstehen Lücken, für die die Abwehrreihe dann allerdings viel zu hoch steht. „Wenn wir nur zwei Wochen etwas anderes trainieren würden, würde das nicht mehr funktionieren“, sagte Schmidt unlängst. Und wer Leverkusens Spiel beobachtet hat, kommt zu dem gleichen Schluss.

Gerrit Naubers Zeit in Leverkusen vor Wechsel zu SF Lotte

Dass es aber meist gelingt, dafür sorgen fast ausnahmslos technisch beschlagene Spieler, die auf engem Raum schnell antizipieren können. Die erste Elf, die Schmidt vermutlich in den Sportpark am Lotter Kreuz schicken wird, hat es in sich: Einzige Überraschung dürfte dabei der erst 19 Jahre alte Innenverteidiger Jonathan Tah vor Stammtorwart Bernd Leno sein.

Tah überraschend schnell in die Bayer-Startelf

Tah kam erst vor zwei Wochen vom Hamburger SV für etwa acht Millionen Euro und war für einen langsamen Aufbau eingeplant. Weil Ömer Toprak nun aber länger ausfällt, dürfte Tah neben dem Griechen Kosta Papadopoulos in der Innenverteidigung gesetzt sein. Gerüchteweise verhandeln Völler und Manager Jonas Boldt derzeit auch noch mit Heiko Westermann. Das ist Qualität, Abstimmung sieht aber wohl anders aus. Eine Chance für Lotte?

„Jonathan haben wir praktisch ein Jahr lang hier vor der Haustür beobachten können, weil er an Düsseldorf ausgeliehen war. Er hat unsere Erwartungen bis jetzt eher übererfüllt“, sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.

Minutengenaue Vorgaben an SF Lotte

Gerahmt werden Tah und „Papa“ von den Außenverteidigern Roberto Hilbert und Wendell. Vor allem den Brasilianer ist eine herausragende Saison zuzutrauen, schon in der abgelaufenen Spielzeit hat das 22 Jahre alte Leichtgewicht Können und Verlässlichkeit nachgewiesen.

Coach verlangt von Weltmeister Kramer viel

Vor der Kette sichern der neue Kapitän Lars Bender und der von Borussia Mönchengladbach zurückgekehrte Weltmeister Christoph Kramer ab. Bender hat Schmidt zum Teamführer bestimmt, von Kramer verlangt er ohnehin, viel Verantwortung zu übernehmen. Davor steht das offensive Quartett Karim Bellarabi, Hakan Calhanoglu, Heung Min-Son und die Spitze Stefan Kießling. Letzterer wird dann morgen versuchen, seinen ehemaligen Teamkollegen Benedikt Fernandez im Lotter Tor zu überwinden. Und schon heute weniger an die Champions League denn an Pokalfußball gegen die Sporfreunde zu denken.