Torschützenkönig Weißenfels geht SF Lotte rückt mit 6:1-Abschluss noch auf Rang sechs


Hennef. Fußball-Regionalligist Sportfreunde Lotte hat sich mit einem 6:1 (1:0)-Sieg beim Tabellenschlusslicht FC Hennef 05 nach einer mauen ersten Halbzeit noch mit dem höchsten Saisonsieg schwungvoll in die Sommerpause verabschiedet.

Die Mannschaft von Trainer Ismail Atalan rückte mit dem elften Pflichtspiel in Serie ohne Niederlage noch am SC Verl vorbei auf Platz sechs. In den 18 Pflichtspielen unter Atalan hat der Westfalenpokalsieger, der sich schon riesig auf die DFB-Pokal-Teilnahme freut, somit bei zehn Siegen nur eine Niederlage kassiert. „Und auch bei unseren sieben Unentschieden waren wir mit gutem Fußball oft überlegen“, sagt der Coach.

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Mit dem ersten gefährlichen Torschuss gingen die Sportfreunde gleich in Führung. Hennef konnte die zweite Lotter Ecke nicht klären, Linksaußen Jesse Weißenfels erzielte auf Vorlage von Nico Granatowski aus 18 Metern seinen 20. Saisontreffer und gewann somit die Torschützenkrone in der Regionalliga West. „Ich freue mich riesig über diesen Extratitel. Der Sieg ist ein schöner Abschluss für das Team und mit dem Team. Die Erfolgsserie zuletzt samt unserem Halbfinalsieg in Münster und Finalsieg in Verl war natürlich die Krönung.“

Der von mehreren Vereinen heiß umworbene Weißenfels teilte unserer Zeitung nach dem Spiel mit, dass er die Sportfreunde verlassen wird. Der 22-Jährige geht zu Preußen Münster in die 3. Liga. „Das Jahr bei den Sportfreunden bleibt mir in allerbester Erinnerung“, betont er. Wenn Lotte einen besseren Saisonstart erwische als in der abgelaufenen Spielzeit, werde die Mannschaft auch ohne ihn eine „richtig starke Rolle“ spielen.

Moritz Heyer (49.), Bernd Rosinger (52.), Kevin Pires-Rodrigues (76.), Nico Granatowski (78.) und Alexander Langlitz (88.) erzielten beim Schlusslicht Hennef die übrigen Treffer der Sportfreunde, die ab der 38. Minute in Überzahl spielten, weil Sertan Yegenoglu wegen einer Notbremse im Laufduell mit Tim Wendel die rote Karte kassierte. „Wir wollten uns würdevoll aus der Regionalliga verabschieden“, sagte Marco Bäumer als sichtlich enttäuschter Trainer der Hausherren, die durch Rachid Bouallal (69.) zum zwischenzeitlichen 1:3 gekommen waren, nach dem Spiel. „Dieses Vorhaben ist uns heute eindrucksvoll misslungen. Wir haben Prügel bezogen.“

Derweil sah Lottes Trainer Ismail Atalan, der in der Pause nur kurz in der Kabine war, höchst unterschiedliche Halbzeiten der Sportfreunde. „In der ersten Hälfte waren wir nicht giftig genug. In der Kabine bin ich richtig laut geworden – das war unangenehm für alle“. Sein Team zeigte die gewünschte Reaktion. „Es war wie immer in der Rückrunde: Wenn es darauf ankam, hat meine Mannschaft Charakterstärke gezeigt und Vollgas gegeben. Das war beispielsweise in Münster so, im Westfalenpokalfinale in Verl und auch heute. Wir haben seit Januar das Maximale aus unseren Möglichkeiten herausgeholt und einen Riesensprung in unseren Leistungen gemacht.“

Wie verwandelt kamen die Gäste aus der Kabine. Mit dem für den schwachen Benedikt Koep eingewechselten Bernd Rosinger kam Schwung in den Vortrag der Lotter, die fortan den Hennefer Strafraum förmlich belagerten. Allen voran der schnelle Techniker Nico Granatowski, der nun konsequent auf dem linken Flügel die Vorlage oder den Abschluss suchte, ging voran. Mit seiner dritten Flanke innerhalb von drei Minuten bereitete der Außenstürmer das 2:0 des 20-jährigen Moritz Heyer vor, der in seinem zweiten Startelfeinsatz seinen ersten Treffer markierte. „Wir hätten mehr Punkte geholt, wenn wir weniger experimentiert hätten. Aber ich finde es viel wichtiger, beispielsweise Heyer – ich habe von dem richtig guten Fußballer ja immer geschwärmt – bereits integriert zu haben als auf Rang fünf abzuschließen“, erklärte Atalan später.

Rosinger, Heyer, Alexander Langlitz, Tim Wendel und der in Hennef letztmals rotgesperrte Pascal Schmidt hatten in den vergangenen Tagen bei den Sportfreunden um ein Jahr verlängert. „Unsere super Rückrunde hat ganz viel mit dem Trainer zu tun. Seine überragende Umstellung zum attraktiven 4-3-3-System und die völlig veränderte Einstellung der ganzen Mannschaft sind ihm gutzuschreiben“, sagt Wendel, der nicht mit Teilen der Mannschaft gen Mallorca fliegt: „Ich habe das im letzten Jahr mitgemacht und muss einfach sagen: Für so einen Urlaub bin ich mittlerweile eindeutig zu alt“, so der 26-Jährige lachend. „Ach, es wird ganz bestimmt eine ganz sportliche Zeit“, sagt indes Langlitz. Der schelmische Gesichtsausdrück des Rechtsverteidigers, im Team als Partylöwe bekannt, zeigte allerdings, was von dieser Aussage zu halten ist …

Indes betont Rosinger: „Wir haben alle Ziele, die wir uns für die Rückrunde gesetzt haben, noch erreicht. Ich bin überzeugt, dass wir in der kommenden Saison eine super Mannschaft haben werden, die unbedingt um den Aufstieg spielen will.“ Das sieht auch Tim Gorschlüter (wie auch Kapitän Gerrit Nauber Vertrag bis Sommer 2016) so, der wegen anhaltenden Knie- und Leistenbeschwerden in Hennef geschont wurde: „Nach der für alle, aber speziell für mich extrem schweren Zeit unter Michael Boris haben wir unter Atalan einen ganz anderen Zugriff auf die Gegner bekommen. Wenn wir jetzt noch mit Benedikt Fernandez, Jeron Al-Hazaimeh, Nico Granatowski und Kevin Pires-Rodrigues verlängern, sollten wir auf jeden Fall in der kommenden Saison in der Lage sein, eine gute Rolle in der Regionalliga zu spielen.“ Die vier Genannten haben ihr Interesse betont, nach der Sommerpause wieder für die Sportfreunde aufzulaufen. Allein Al-Hazaimeh will sich das mögliche Hintertürchen „3. Liga“ derzeit noch offenhalten.

So oder so ist es das Ziel von Atalan, den Schwung der Rückrunde in die neue Saison zu transportieren: „Dann wollen wir oben mitspielen, auch wenn sich Viktoria Köln sicher wieder auf Teufel komm raus verstärken wird und andere wie Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiß Essen ähnliche Ambitionen haben wie wir.“

Nun gelte es, den Kader gemäß dieser Ambitionen entsprechend zu verstärken. „Wir haben eine gute Basis, müssen aber noch in allen Bereichen etwas machen. Wir brauchen vor allem noch mehr Jugendlichkeit und Tempo“, so der 35-jährige A-Lizenz-Inhaber.

Hennef: Heil - Ehrenstein, Habl (46. Jamann), Yegenoglu - Niewiadowski, Radschuweit - Ullmann, Eck – Schöller (69. Dabers), Notz (40. Binot), Bouallal.

Lotte: Dauth - Langlitz, Nauber, Al-Hazaimeh, Hansmann (77. Holm) - Wendel, Pires-Rodrigues, Heyer (62. Brock) - Granatowski, Koep (46. Rosinger), Weißenfels.

Tore: 0:1 Weißenfels (12.), 0:2 Heyer (49.), 0:3 Rosinger (52.), 1:3 Rachid Bouallal (69.), 1:4 Pires-Rodrigues (76.), 1:5 Granatowski (78.), 1:6 Langlitz (88.).

Rot: Yegenoglu (Hennef/38., wegen Notbremse).


Weiter bei SF Lotte unter Vertrag (bis Sommer 2016): Gerrit Nauber, Tim Wendel, Alexander Langlitz, Moritz Heyer, Tim Gorschlüter, Bernd Rosinger, Pascal Schmidt.

Zugang: Felix Frank (SV Rödinghausen).

Abgänge: Marco Hansmann, Deniz Cicek, Tobias Holm (alle TSV Havelse), Matthias Rahn (Wacker Burghausen), Jesse Weißenfels (Preußen Münster), Henning Grieneisen (beide unbekannt), Benedikt Koep, Stipe Batarilo-Cerdic, Sandro Heskamp, Steven Bentka, Dominic Schmidt, Fabian Otte (während der Saison), Philip Semlits (während der Saison, alle noch unbekannt).

In Gesprächen mit SFL um neuen Vertrag: Benedikt Fernandez, Jeron Al-Hazaimeh, Nico Granatowski, Kevin Pires-Rodrigues, Yannik Dauth, Dennis Brock.

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