Zusammenraufen nach Turbulenzen SF Lotte: Duell gegen Siegen mit besonderer Brisanz

Von Johannes Kapitza

Lottes Henning Grieneisen (MItte) konnte wegen einer Verletzung aus dem Spiel gegen Rödinghausen (Bild) nicht trainieren und übernahm stattdessen die Leitung der Übungseinheiten. Foto: MrugallaLottes Henning Grieneisen (MItte) konnte wegen einer Verletzung aus dem Spiel gegen Rödinghausen (Bild) nicht trainieren und übernahm stattdessen die Leitung der Übungseinheiten. Foto: Mrugalla

Lotte. Was zählt, ist auff’m Platz: Am Sonntag stehen bei den Sportfreunden Lotte die personellen Turbulenzen der vergangenen Woche im Hintergrund. Wenn um 14 Uhr das Regionalliga-Heimspiel gegen die Sportfreunde Siegen angepfiffen wird, müssen sich die Lotter 90 Minuten lang auf Fußball fokussieren.

„Es war eine besondere Woche, die nicht so alltäglich ist“, sagt Bastian Görrissen. Dem Torwarttrainer kam dabei plötzlich eine verantwortungsvolle Rolle zu, weil Co-Trainer Frank Döpper und Kapitän Mark Zeh, die genau wie Ex-Trainer Michael Boris mit Siegener Vergangenheit nach Lotte gekommen waren, nach dessen Rückkehr ins Siegerland eine Pause verordnet bekamen – um Irritationen vorzubeugen.

Über den Sinn der Maßnahme lässt sich streiten. Dafür wurde in Lotter aber keine Energie aufgewendet. „Wir haben gesagt: So ist die Situation. Wir raufen uns zusammen und machen das Beste draus“, sagt Görrissen. Mit dem Abgang des Trainers und den Begleiterscheinungen sei die Mannschaft „professionell umgegangen. Es herrscht absolut keine Unruhe, alle ziehen an einem Strang.“ Das galt auch für das Team hinter dem Team.

Außer Görrissen bekamen mit Tim Gorschlüter, Henning Grieneisen und Benedikt Fernandez auch drei ältere Spieler mehr Verantwortung übertragen. Grieneisen, der wegen einer Knieverletzung aus dem Rödinghausen-Spiel an diesem Sonntag noch nicht spielen kann, leitete das Training. Görrissen blieb auf die Arbeit mit den Torhütern spezialisiert. Die Analyse der Einheiten geschah in enger Absprache mit Gorschlüter und Fernandez. „Das haben wir so weit gut hingekriegt“, sagt Görrissen. „Solch eine Situation kann ein Team auch zusammenschweißen.“ Auch Grieneisen lobt den Zusammenhalt. „Mehr denn je war jeder Einzelne gefragt, dass es funktioniert“, sagt er und gerät geradezu ins Schwärmen: „Alle haben wunderbar mitgemacht. Wir sind für Sonntag gut vorbereitet.“

Sportlich stecken die Siegener noch tiefer im Tabellenkeller als Lotte, acht Punkte hinter den Westfalen auf dem vorletzten Platz. Ausgerechnet vor der Entlassung von Matthias Hagner und der Rückkehr von Boris auf die Trainerbank hatten die Siegener ihren zweiten Saisonsieg gefeiert – auch das gehört zu den Turbulenzen dieser Woche, die auf dem Platz nicht zählen. „Die Spieler sind heiß. Michael Boris sitzt nicht auf der Bank, aber es ist sein neuer Verein. Die Spieler brennen schon“, sagt Görrissen. „Im Training war richtig Feuer drin.“

„Eigentlich wäre es ein ganznormales Spiel“, sagt Grieneisen. Durch den Trainerwechsel hat es nun „besondere Brisanz“ bekommen, aus der Lotte Motivation schöpft: „Wir wollen das Bestmögliche daraus machen“, sagt Grieneisen, „das ist ein Sieg.“