Engelmann trifft kurios 0:1 in Verl – Lotte zieht sich wieder runter

Von Susanne Fetter

Nichts zu holen: Lottes Stipe Batarilo-Cerdic kann dem Ball nur hinterherschauen. Foto: MrugallaNichts zu holen: Lottes Stipe Batarilo-Cerdic kann dem Ball nur hinterherschauen. Foto: Mrugalla

Verl. Wer es genau war? Kaum einer wusste es. Einer wollte gesehen haben, dass es sich um Mark Zeh handelte. Ein anderer hatte Jeron Al-Hazaimeh im Verdacht. Aber eigentlich war es auch egal, wem das Missgeschick passiert war. Der missglückte Abwehrversuch, der zum 0:1 (0:1) der Sportfreunde Lotte beim SC Verl führte, war derart kurios, was sollte man dem armen Verursacher da anlasten?

Dennoch muss es gesagt werden: Es war Alexander Langlitz. Der Abwehrspieler hatte auf der rechten Seite keine schlechte Partie abgeliefert und kurbelte vor allem in der zweiten Hälfte offensiv immer wieder das Lotter Spiel mit an. Doch in der ersten Halbzeit war er direkt am Verler Treffer beteiligt.

Es war ein Lotter-Abwehrpulk, der sich in der 28. Minute im eigenen Strafraum versammelt hatte, und aus diesem heraus wollte Langlitz klären. Mit voller Wucht drosch er den Ball weg. Er schoss so stark, dass der Ball von Simon Engelmann, der zehn Meter vom Tor entfernt stand, zurückprallte und unten links im Netz einschlug.

Es war vielleicht nicht die gewählteste Beschreibung, die Pascal Schmidt dafür fand, aber treffend war sie: „Das war so was von Scheiße“, sagte er. Bis dahin hatte Lotte zwar keine Chancen, aber in einer ausgeglichenen Partie immerhin mehr Spielanteile. „Danach wurden sie natürlich mutiger“, sagte Schmidt.

Verl hatte starke 15 Minuten. Mehrfach klärte Lottes starker Torhüter Benedikt Fernandez. So wie in der 31. Minute als er fünf Meter vor dem 16er gegen Manuel Rasp einsprang, der kurz darauf zwei weitere gute Möglichkeiten hatte. Auch Mathias Haeder und Nico Hecker bekamen gute Chancen.

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„Wir waren mal wieder die erste Halbzeit nur anwesend, aber nicht da. Wir haben uns trotz mehr Spielanteilen am Anfang keine Chancen erspielt“, sagte Trainer Michael Boris und klang angefressen. Woran es lag? „Wir müssen mutiger sein und auch mal das ,Eins gegen eins‘ suchen“, sagte Schmidt.

In der zweiten Halbzeit lief es offensiv besser. Da brachte Boris Stürmer Benedikt Koep für Schmidt und stellte auf ein 4 – 4 – 2 um. Zuvor hatte Lotte mit einer Spitze agiert und in der Abwehr mehrfach gewechselt. Oft ließ sich Tim Wendel nach hinten fallen, sodass Lotte mit einer Fünfer- oder Dreierkette, wenn die Außen nach vorne rückten, spielte. „Wir wussten, Verl macht die Mitte dicht“, so Boris. Die Außen sollten Druck machen, es gelang nicht. Gegen das Abwehrbollwerk der Liga – Verl kassierte erst zehn Gegentore – spielte Lotte zu unkreativ.

In der 48. Minute hatte Langlitz dann aber die erste Lotter Chance der Partie – es folgten weitere. Einmal wurde Bernd Rosinger, einmal Stipe Batarilo-Cerdic im Strafraum gefoult. Man musste nicht pfeifen, man hätte gekonnt – zumindest bei der zweiten Szene. Hansmanns Schuss von der rechten Strafraumgrenze flog knappüber das Tor, Koep köpfte vorbei, Zeh schoss leicht daneben. Einige Male kamen Lotter Spieler nicht an den entscheidenden Ball.

Auch Verl hatte noch Möglichkeiten, doch Lotte war die bessere Mannschaft. Nur ein Tor, das gelang nicht – wie schon so häufig, 16 Treffer erst erzielte das Team.

Wer wissen wollte, wie sehr dieses am zarten Pflänzchen Selbstbewusstsein nagte, das Lotte zuletzt mühsam aufgebaut hatte, musste nicht fragen. Es reichte ein Blick auf das Feld. Dort saßen die Spieler quer über den Rasen verteilt. Fast alle blickten nach unten. Die, die gingen, schüttelten den Kopf. Nach zehn Spielen ohne Niederlage (neun in der Liga) hatten die Sportfreunde wieder verloren. Mit einem Sieg hätten sie an Verl vorbeiziehen können, wieder einen Schritt nach vorne machen. So zogen sie sich selbst wieder runter, tabellarisch wie stimmungstechnisch. Das wussten alle – und es tat sichtlich weh.