„Wir haben das Ding erzwungen“ Lotte arbeitet sich beim 1:0 gegen Bochum II zum ersten Saisonsieg

Von Benjamin Kraus


Lotte. Keine Euphorie, nur pure Erleichterung. So die Gefühlslage nach dem knappen, aber verdienten 1:0-Sieg der Sportfreunde Lotte gegen die U23 des VfL Bochum in der Fußball-Regionalliga West. „Wir haben das Ding erzwungen“, sagte der erleichterte Michael Boris.

Die Miene des Lotter Trainers war nach dem Schlusspfiff unbewegt: Fast versteinert seine Mimik, als er nach nervenzehrender Nachspielzeit mit seinen Spielern einschlug. Erst nach drei Minuten, als er fernab der Jubeltraube Gerrit Nauber in den Arm nahm, entspannten sich seine Gesichtszüge in ein Lächeln. Es war die Phase, in der sich seine Fußballer auch endlich zur Jubeltraube sammelten und ihre Freude in die Nacht hinausschrien – als hätten sie nach 12 sieglosen Liga-Partien zuvor schon verlernt, wie man Erfolge feiert.

Der Wille zum Sieg war Lotte nie abzusprechen: aus einer soliden Defensive warteten die Sportfreunde, bis Bochum das Spiel eröffnete, um dann zu attackieren. Die Gäste wurden zunächst nur gefährlich, wenn sich Ex-Nationalspieler Tobias Weis – vor einer Woche aus Hoffenheim zum VfL gewechselt – nach vorn schlich: Einmal verteidigte ihn Gerrit Nauber stark (35.), zuvor landete sein Lupfer über Benedikt Fernandez im Tor – aus Abseitsposition (23.).

Ansonsten gehörte die Partie den Sportfreunden – das Gefühl, dass sie ein Tor machen, hatte man trotzdem lange nicht. Zum einen, weil die Spieler bei den letzten Pässen falsche Entscheidungen trafen, wie beim Konter sechs gegen zwei, als Pascal Schmidt Henning Grieneisen im Abseits anspielte (38.). Zum Anderen, weil das körperliche Durchsetzungsvermögen in vorderster Front fehlte: etwa nach dem schönen Angriff über Mazan Moslehe, Henning Grieneisen und Pascal Schmidt, dessen Hereingabe Bernd Rosinger nicht erreichte, weil der Stürmer an einen Bochumer Verteidiger abprallte (18.).

Fehlende Qualität, könnte man nun nach den vielen Abgängen im Sommer sagen. Dazu kam nach den Negativerlebnissen zuletzt fehlende mentale Stärke. Man könnte es auch Angst vor dem Abschluss nennen.

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So ist zu erklären, dass Marco Hansmann – am Strafraumeck freigespielt von Henning Grieneisen – ohne aufzuschauen eine Flanke die Arme von Bochum Keeper Marius Weeke schlug, anstatt selbst den Abschluss zu suchen. Oder dass Rosinger, der sich gegen Gazi Siala gut durchgesetzt hatte, völlig frei vor Weeke drei Sekunden überlegte, welches Eck er sich aussuchen soll – bevor ihm ein weiterer Verteidiger den Ball noch abnahm (25.).

Aber in der 70. Minute war er da, weil nicht Nachdenken angesagt war, sondern Instinkt: Rosinger, Strafraumstürmer, der eine durchrauschende Ecke aus kurzer Distanz zum erlösenden Treffer über die Linie drückte. Es fügte sich ein in die Logik dieses Spiels, dass das Tor nach einer Standardsituation fiel – die Tatsache, dass Bochum direkt im Angriff zuvor die größte Chance der Partie vergeben hatte, passt auch dazu. Das Solo von Kevin Brümmer, der im Strafraum fünf Lotter wie Trainingshütchen stehen ließ und auf Ridvan Balci ablegte. Dessen Schuss aus fünf Metern wehrte Fernandez mit einer Weltklasse-Reaktion ab (69.). Dies und viele leichtfertig verschenkte Konter am Ende (Rosinger, Weißenfels) zeigen: Es liegt weiter viel Arbeit vor Lotte. Boris weiß das. Interessieren wird ihn das frühestens am Sonntag. „Jetzt werden wir uns erst mal freuen. Und das nicht nur heute.“

Lotte: Fernandez – Langlitz, G. Nauber, Al-Haizameh, Hansmann – Zeh, Wendel – Moslehe (63. Koep), Schmidt, Grieneisen (72. Weißenfels) – Rosinger (85. Holm). – Tore: 1:0 Rosinger (70.). – Rot: 89. Bulut (Bochum, Unsportlichkeit). – Zuschauer: 450.