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Trainer Maik Walpurgis über Charakterfrage, Klein Lotte im großen Fußball und Bekenntnis zu den Wurzeln „Ich bin davon überzeugt, dass wir den Aufstieg schaffen“

Von Winfried Beckmann

<em>Begehrter Trainer: </em>Fußballlehrer Maik Walpurgis.Begehrter Trainer: Fußballlehrer Maik Walpurgis.

Herr Walpurgis, Haben Sie mal ohne Fußball gekonnt in der Winterpause? Die Pause hat uns allen gut getan. Ich habe zwei, drei Tage schon mal abgeschaltet.

Aber das Handy bestimmt nicht, denn die Berater waren sicher immer dran, Ihnen neue Spieler anzubieten.

Ja, die Berater waren natürlich unterwegs, doch so etwas lösen wir auch als Gespann. Wir haben ein gutes Netzwerk, aufgeteilt auch auf meine beiden Kotrainer und Manfred Wilke. Die Berater wissen, was wir suchen.

Aber es wird Ihnen doch auch etwas angeboten, bei dem Sie dankend ablehnen oder die Augen verdrehen.

Klar. Das Sieben ist normal. Wir haben ein klares Anforderungsprofil. Das Wichtigste: Der Spieler soll eine Perspektive und den Höhepunkt seiner Karriere vor sich haben, eine klare Zielsetzung, eine gewisse Eigenverantwortlichkeit, worauf wir aufbauen und sie entwickeln können. Reinert, Schlösser und Schnier, die wir geholt haben, haben diese Voraussetzungen. Sie wollen weiterkommen, brennen auf Entwicklung, sind tolle Charaktere. Alle drei erfüllen unser Anforderungsprofil absolut.

Eigentlich aber normal im Leistungssport oder nicht?

Das ist keineswegs überall so. Ich bin jetzt seit 19 Jahren im Geschäft und habe schon viele gute Fußballer trainiert, doch nicht immer sind die Leistungsstärksten in der Bundesliga angekommen, es ist oft eine Charakterfrage.

Sie haben nach der Pause hart trainiert und dreimal getestet. Die Spieler scharren mit den Hufen.

Die Pause war wichtig, um mal durchzuatmen, die haben alle gebraucht. Jetzt sind sie unglaublich motiviert und optimal eingestellt. Es macht Riesenspaß, mit der Mannschaft zu arbeiten, alle bringen viel Einstellung, Leidenschaft und Spaß mit. Das sind entscheidende Faktoren, um erfolgreich zu sein.

Mit der Hinserie bei etwas Abstand zufrieden?

Die Hinserie haben wir ordentlich gespielt, aber vom Ergebnis her nicht die Erwartungen erfüllt, weil wir den Ausfall von Eckpfeilern und Leistungsträgern nicht auffangen konnten. Sonst hätten wir drei, vier oder fünf Punkte mehr. Wenn in der entscheidenden Phase der Rückrunde die Eckpfeiler dabei sind, werden wir mehr Punkte holen und Meister werden. Unser Ziel ist der Aufstieg. Ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen.

Das ist gewaltiger Druck, dem Sie da unterliegen.

Das ist kein Druck. Das ist unser eigenes Denken, unser eigener Anspruch. Wir sind hoch motiviert, und Druck, wenn es ihn gibt, wollen wir positiv nutzen für unsere Zielklarheit, für unsere Entschlossenheit und Konzentration. Druck habe ich hier von außen noch nie verspürt. Es ist eher eine positive Anspannung und Motivation.

Sie durften drei neue Spieler holen, gucken sich weiter um. Viele Positionen sind doppelt besetzt?

Nicht unbedingt, denn wir haben im Moment sicher den kleinsten Kader der Regionalliga mit nur 18 Feldspielern einschließlich einiger junger Spieler, zudem zwei Torhüter. Da ist es wichtig, dass keiner länger ausfällt.

Klein Lotte ist nicht Klein Lotte im Fußball. Hier haben sich die Voraussetzungen von Jahr zu Jahr erheblich verbessert.

Ja, sehr sogar. Eine Umstrukturierung war nötig, wenn man hohe Ziele hat. Es gab einen Umbruch. Es ist alles professioneller geworden, auf Fußball fokussiert. Es ist zum Beispiel für die Spieler nicht möglich, auf Dauer Fußball und Job zu kombinieren, wenn man hohe Ansprüche hat und Woche für Woche Topleistungen bringen muss. Das hat uns in der Vorsaison zum Teil noch viel Kraft gekostet, die nötig war, um Job, Fußball und Privates unter einen Hut zu bringen. Es geht nicht, wenn einer von 8 bis 16.30 Uhr beim Job ist, um 17.30 Uhr Training hat und um 21 Uhr zu Hause ist. Das kann die Familie oder Freundin nicht mitmachen. Jetzt ist alles mehr auf Fußball konzentriert.

Nur Fußball, nichts anderes – auch ein gewisses Risiko für die Spieler.

Sicher. Einige machen ein Fernstudium, was ich gut finde, einzelne ihre Ausbildung zu Ende. Da muss man als Trainer mal Rücksicht nehmen. Außerdem ist es wichtig, sich über die Zukunft Gedanken zu machen, denn ein Fußballerleben ist relativ kurz. Nebenbei kann man studieren oder sollte sich weiterbilden, und das ist von uns auch gewünscht.

Wenn Sie in wenigen Sekunden möglichst viel sagen sollen über Lotte und Fußball – wie hört sich das an?

In Lotte hat sich enorm viel entwickelt. Das kleine Lotte spielt mit Traditionsklubs des deutschen Fußballs auf Augenhöhe, ist über regionale Grenzen hinaus bekannt geworden, Fußball ist ein wichtiger Imagefaktor für Lotte.

Und doch wird der Trainer einige Wünsche haben, die er Manfred Wilke als Macher und dem Umfeld mitteilt.

Wir sind auf einem guten Weg. Lottes Stärke ist die Geschlossenheit im Verein, mit den Fans, Anhängern und mit den Sponsoren. Für Lotte ist es wichtig, diese Geschlossenheit und Identifikation mit allen im Verein zu haben und zu pflegen. Das ist die große Stärke unseres Vereins, gemeinsam voranzukommen. Die Infrastruktur, die Trainingsvoraussetzungen können und sollten wir weiter verbessern. Da liegen Potenziale, wenn man Lotte unter die Top 50 der Klubs in Deutschland bringen möchte. Dabei ist es wichtig zu wissen, woher wir kommen, die Wurzeln nicht zu vergessen, die Geschlossenheit im Gesamtverein nicht zu verlieren. Je mehr Erfolg der Verein hat, desto größer werden die Anforderungen an alle.

Fürchten Sie eher die sportliche Konkurrenz beim großen Ziel, die dritte Liga zu erreichen?

Die Liga hat eine unglaubliche Leistungsstärke und ist in der Summe schwer zu spielen, besonders Gegner wie Münster, Köln, Dortmund, Trier und Gladbach. Es ist sportlich ein sehr fairer Wettbewerb, doch finanziell können wir mit Vereinen wie Münster, die einen Etat von knapp vier Millionen Euro haben, wie man hört, nicht mithalten. Respekt vor der Arbeit des Kollegen, denn sie stehen bisher, wenn sie die beiden Nachholspiele gewinnen, zu Recht oben.

Wohin Sie wollen und sollen bei klarer Zielsetzung.

Klar. Wir wollen Meister werden und aufsteigen.