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„Noch einmal meinen HFC sehen“ Osnabrücker Hospiz erfüllt sterbenskrankem Halle-Fan letzten Wunsch

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Lotte/Osnabrück. Der letzte Wunsch von Gert Siol war, noch einmal ein Spiel seines Halleschen FC live im Stadion zu sehen. Diesen Traum hat das Osnabrücker Hospiz dem an Krebs erkrankten HFC-Fan am vergangenen Sonntag erfüllt, als Halle beim Fußball-Drittligisten Sportfreunde Lotte zu Gast war.

„Ich wollte meinen HFC noch einmal sehen. Es war ein wunderbares Erlebnis, einfach sehr schön“, schwärmte Siol nach dem Besuch im Lotter Frimo-Stadion. Dass sein HFC die Sportfreunde dann auch noch mit 1:0 besiegte, machte den Tag für den gebürtigen Hallenser, der seit kurzem im Hospiz in Osnabrück lebt, sicherlich noch ein Stückchen schöner. Die Partie verfolgte der 61-Jährige vom Spielfeldrand aus gegenüber der Haupttribüne. Ihn begleitete Ulla Bitter vom ambulanten Hospizdienst. Er sah das Spiel ganz in der Nähe von den 250 aus Sachsen-Anhalt angereisten Gäste-Fans. „Sie haben ordentlich Stimmung gemacht“, freute er sich.

Geste mit großer Wirkung

Siol wurde 1956 in Halle geboren und zog nach der Wende 1989 ins Osnabrücker Land, seine Familie kam wenige Zeit später nach. Seine Liebe zum Halleschen FC machte den Umzug mit: „Seit meiner Geburt bin ich Fan vom HFC Chemie.“ Wie viele Spiele seines Vereins er gesehen hat, weiß er nicht genau. Gezählt hat er sie nicht. „Ich war als Jugendlicher bei fast jedem Spiel in Halle dabei“, sagt Siol, der in seiner Jugend selbst Fußball spielte und Torwart war. „Wir wollten die Mannschaft immer kämpfen sehen. Vor allem die Spiele gegen BFC Dynamo, Dynamo Dresden und Chemie Leipzig sind mir in Erinnerung geblieben.“ Er habe den Verein immer unterstützt, auch wenn der HFC mal abgestiegen war.

Dieses Mal gaben die Hallenser Spieler Siol in seiner schwersten Zeit mit einer Geste viel zurück. Nach dem Spiel ging das gesamte Team zu dem treuen Fan, um ihn zu begrüßen. Die Spieler klatschen ihn mit den Händen ab und umarmten ihn. „Das war das Highlight. Es haben sich alle bei mir verabschiedet. Das war einfach fein“, erzählt Siol mit Tränen in den Augen. Anschließend bekam er ein Plakat mit der Spielankündigung, auf dem alle HFC-Spieler unterschrieben haben.

Siol tippt 3:1 für Halle

Eigentlich hatte sich der 61-Jährige vorgenommen, das Spiel zwischen Halle und dem VfL Osnabrück an diesem Samstag zu besuchen. Aber die Fahrt ist für ihn zu weit. „Und ich weiß nicht, ob ich das Rückspiel im Februar noch schaffe.“ Deswegen hat das Hospiz den Kontakt zu den Sportfreunden hergestellt, die ihm die Freikarten besorgt und den HFC informiert haben. „Ich bin dem Hospiz und meiner Begleitung Ulla dankbar, dass sie mir das ermöglicht haben.“

Und eine sportliche Analyse hatte Siol nach dem Hallenser Sieg mit Blick auf das Duell gegen die Lila-Weißen am Samstag auch parat: „Wenn Halle so spielt wie gegen Lotte, dann verlieren sie. Jetzt müssen sie sich steigern. Osnabrück hat gegen Münster sehr gut gespielt“, meinte Siol, der dennoch auf einen Sieg seines Vereins hofft und 3:1 auf den HFC tippt. Das Spiel am Samstag gegen den VfL wird er vor dem Fernseher im Hospiz verfolgen und seinem HFC die Daumen drücken.


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