„Schinkelaner Jung“ feierlich verabschiedet Für Özalp wurde aus einem Übergangsjob bei SF Lotte Leidenschaft

Von Christian Detloff

Feierlich verabschiedet wurde Betreuer Can Özalp (2. von links) vor dem letzten SF-Lotte-Heimspiel der Saison von (von links) Vorsitzender Hans-Ulrich Saatkamp und dessen Stellvertretern Florian Heinrichs und Sven Westerhus. Foto: KemmeFeierlich verabschiedet wurde Betreuer Can Özalp (2. von links) vor dem letzten SF-Lotte-Heimspiel der Saison von (von links) Vorsitzender Hans-Ulrich Saatkamp und dessen Stellvertretern Florian Heinrichs und Sven Westerhus. Foto: Kemme

Lotte. Einen neuen Trainer und mehr als 15 Spieler muss Fußball-Drittligist SF Lotte in dieser Sommerpause verpflichten – ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen nach den Imageverlusten der abgelaufenen Saison. Während SFL zudem ein neues Medienteam braucht, ist Jörn Burbrink als Nachfolger des beliebten Teambetreuers Can Özalp bereits eingearbeitet.

„Mit Jörn haben die Sportfreunde einen idealen Nachfolger“, sagt Özalp, der Burbrink – zuvor als Busfahrer unter anderem der Sportfreunde Lotte tätig – in den vergangenen Wochen eingearbeitet hat.

Der 24-Jährige hat sich seit geraumer Zeit entschieden, in die Finanzbranche zu wechseln. Am Samstag wurde er vor dem letzten Saisonspiel zuhause gegen den 1. FC Magdeburg (0:1) wie auch Torwart Benedikt Fernandez und Trainer Andreas Golombek feierlich verabschiedet. „Es war klasse, dass ich die Möglichkeit bekam, mich vor und von allen zu verabschieden und noch mal alles aufzusaugen. Schon die ganzen Reaktionen der letzten Tage hatten mich richtig berührt. Richtig wehmütig bin ich dennoch nicht. Jetzt freue ich mich auf eine andere verantwortungsvolle Aufgabe.“

Verantwortung hatte Özalp auch in Lotte nie gescheut. „Can kommt jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit. Er zieht einfach sein Ding voll durch“, hatte ihn Co-Trainer Joe Laumann in der Vorsaison gelobt. Ob Laumann Co-Trainer bleibt, entscheidet sich übrigens, wenn der neue Chefcoach feststeht.

Im Sommer 2015 war Özalp nach seinem Fachabitur zu den Sportfreunden gewechselt. „Manni Wilke hatte mir bei meiner Vorstellung zwei, drei Fragen gestellt – dann sagte er: Okay, du machst das jetzt.“ Dabei war Özalp anfangs wahrlich nicht immer Feuer und Flamme für seinen Job. „Ich habe ihn als Übergang für ein Studium in Politik und Wirtschaftswissenschaften in Vechta gesehen“, sagte er. Überraschend bekam er schon bald einen Studienplatz angeboten. „Ich wollte den Job in Lotte erst schon wieder abgeben.“ Als Özalp nach der 0:3-Niederlage im DFB-Pokal der vorletzten Saison gegen Bayer Leverkusen gebeten wurde, bis zur Winterpause weiterzumachen, konnte und wollte er nicht Nein sagen. „Erst danach habe ich dann eine echte Leidenschaft für die Sportfreunde Lotte entwickelt“, berichtet Özalp.

Die Aufstiegssaison in der Regionalliga sollte es ihm besonders antun. „Selbst ein sicherer Ersatztorwart wie Dominik Bergdorf kam da jeden Tag mit bester Laune in die Kabine. Jeder hat jedem in dieser Saison alles gegönnt. Durch die Euphorie des Erfolgs – zwischenzeitlich landeten wir zehn Siege in Serie, acht davon zu Null – und die Stimmung, sich unablässlich gegenseitig zu weiteren Erfolgen zu pushen, habe ich den Gedanken verworfen, im Winter aufzuhören. “ Nur 23 Mann hatte Lotte in der Spielzeit 2015/2016 im Kader. „Diese kleine Mannschaft war eine unglaublich große Einheit. Seitdem bin ich Fan von kleinen Kadern.“

In der Aufstiegssaison hatten die Sportfreunde noch keinen Mannschaftsbus. „Unsere Physiotherapeutin Melanie Hubert, der Torwarttrainer Bastian Görrissen und ich haben die Spieler in den drei Bullis zu den Auswärtsspielen gefahren“, erinnert er sich. „Ich war alles andere als der typische Zeugwart. Ich habe den Protagonisten geholfen, wo immer Hilfe nötig war. Die Organisation für den Spieltag war dabei aber das Wichtigste“, sagt Özalp.

Die stärksten Momente habe es im entscheidenden Relegationsspiel bei Waldhof Mannheim gegeben. „Als 25000 Zuschauer, die einen Höllenkrach machten, plötzlich mucksmäuschenstill waren, als Nico Granatowski das 1:0 für uns erzielte – in diesem herrlichen Moment fiel uns allen eine Tonnenlast von den Schultern.“

Auch die erste Saison in der 3. Liga mit dem großen DFB-Pokal-Erfolgen hatte starke Reize. „Teils waren zehn Kamera-Teams beim Training dabei. Manchmal konnte man das Gefühl haben, SF Lotte käme kurz hinter Real Madrid“, lacht Özalp.

Der Osnabrücker aus dem Ortsteil Schinkel hat auch Sympathien für den VfL Osnabrück. „Ich liebe den Verein, für den ich einst schon als Balljunge aktiv war. Ich will nicht mehr als Teambetreuer tätig sein. Auch nicht beim VfL. Allein schon aus Freundschaft zum aktuellen Teambetreuer Mario Richter. Aber in irgendeiner anderen Funktion kann ich es mir immer vorstellen, für den VfL tätig zu werden. Ich habe bis zur B-Jugend beim VfL gespielt. Es würde sich gegebenenfalls also ein Kreis für mich schließen“, sagt der Ex-Coach der B-Jugend des TSV Osnabrück, der seine Trainer-B-Lizenz in Angriff nimmt. „Der Trainerjob reizt mich. Mal sehen, wie weit ich es bringe“, sagt Özalp, der mit den teils ehemaligen und teils aktuellen SFL-Spieler Jeroen Al-Hazaimeh, Nico Granatowski, Dennis Brock, Kevin Pires-Rodrigues, Nico Neidhart, Alexander Langlitz und Kevin Freiberger ebenso Kontakt halten will wie mit Hubert und Burbrink.