Stimmung nach Pokalblamage mies SF Lotte: Golombek nur noch Trainer auf Zeit?

Von Christoph Schillingmann und Christian Detloff

Lotter Enttäuschung nach dem Schlusspfiff, hier mit Moritz Heyer. Foto: Manfred MrugallaLotter Enttäuschung nach dem Schlusspfiff, hier mit Moritz Heyer. Foto: Manfred Mrugalla

Lotte. Auch einen Tag nach dem Pokalaus gegen den Regionalligisten TuS Erndtebrück ist die Stimmung bei den Sportfreunden Lotte im Keller. „Es war total bitter gestern und nicht nachvollziehbar. Es ist auch heute noch sehr ärgerlich“, sagte der Sportliche Leiter Manfred Wilke am Donnerstag.

Wilke und der Lotter Präsident Hans-Ulrich Saatkamp hatten nach dem Spiel harsche Kritik am SFL-Trainer Andreas Golombek geübt. Der Fußballlehrer habe mit der Nichtberücksichtigung von Tim Wendel und Kevin Pires-Rodrigues das Mittelfeld enteiert, so Wilke. Der Sportliche Leiter stellte indirekt die Fähigkeiten des Trainers infrage.

Die Trainerfrage: Nach Ismail Atalan, Oscar Corrochano und Marc Fascher ist Golombek bereits der vierte Sportfreunde-Coach dieser Saison. „Der Trainer hat bis 30. Juni Vertrag. Daran wird sich nichts ändern“, sagte Wilke. „Zur neuen Saison müssen wir in der Trainersache vertraglich etwas tun. Aber dazu sind noch keine Wasserstandsmeldungen abzugeben.“ Ob sich Lotte in den Trainerentscheidungen dieser Saison etwas vorzuwerfen habe?: „Wir hatten schon glücklichere Händchen“, gesteht Wilke. Lotte sei im Sommer 2017 aber unfreiwillig in diese Situation geraten. „Eigentlich waren unsere Planungen abgeschlossen, als unser Trainer nach Bochum wechselte“, sagte der Sportliche Leiter.

Golombek zur harschen Kritik von Wilke: „Wer in Lotte anfängt, weiß, was auf ihn zukommt. Auch ein Trainer muss Kritik abkönnen. Es ist ein bisschen unglücklich, wenn man das über die Medien macht“, sagte der 49-Jährige. Ein Gespräch mit der sportlichen Leitung gab es weder am Mittwochabend noch am Donnerstagvormittag. Zur Kritik an der von ihm gewählten Startelf erwiderte Golombek, dass er allen seinen Spielern vertraue, sie hätten Drittliga-Niveau. Der SFL-Trainer hatte auf Ersatztorwart Yannick Zummack gesetzt, Marco Hober und André Dej für Wendel und Pires-Rodrigues gebracht sowie Abräumer Joshua Putze auf den rechten Flügel gestellt. All dies sollte sich später als Fehler herausstellen.

Die Personalplanung: Laut Wilke stehen neun Spieler weiter unter Vertrag. „So viele hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nie. Wir sind laufend auf Spielersuche.“ Gespräche zwischen dem Sportlichen Leiter und dem Trainerteam gab es laut Golombek noch nicht: „Mit den Trainern wurde nicht gesprochen. Mit Spielern wurde überhaupt nicht gesprochen.“ Das sei in Lotte anscheinend so üblich.

Wilke will neben dem Trainerteam und ihm einen weiteren sportlichen Verantwortlichen – so wie unter anderem von Hauptsponsor Frimo erhofft – verpflichten. „Das ist total vonnöten. Wir wollen da bald fündig werden. Mit Tim Gorschlüter haben wir ja bereits einen Teammanager. Doch es müssen weitere handelnde Personen her. Wir wollen uns professionalisieren. Das betrifft nicht nur Bereiche wie das Marketing, sondern auch das Sportliche“, sagte Wilke.

Die Restsaison: „In Großaspach wird es mit den vielen Verletzten schwer“, so Wilke. Michael Schulze (Bänderriss) und Jaroslaw Lindner (Saisonaus nach Schulter-OP) haben sich verletzt. „Aber Marcus Piossek und Nico Neidhart sind bald wieder einsatzfähig. Besonders wichtig ist das nächste Heimspiel gegen Erfurt. Das müssen wir hinbekommen. Wir müssen rechnerisch im sauberen Tabellenbereich bleiben“, sagte der sportliche Leiter. Indes sehnen sich Team und Trainer nach dem Saisonende. „Wir sind froh, wenn diese Seuchensaison endlich zu Ende ist“, sagte Golombek.