Spiel für zwölf Minuten unterbrochen Lotte bezwingt Chemnitz in nervenaufreibender Partie mit 3:1

Von Christoph Schillingmann und Christian Hesse


Lotte. Den Sportfreunden Lotte ist in der 3. Fußball-Liga ein Befreiungsschlag im Abstiegskampf gelungen. Die Mannschaft von SFL-Trainer Andreas Golombek besiegte den Chemnitzer FC mit 3:1 und vergrößerte damit den Abstand zum CFC wieder auf sieben Punkte. In der zweiten Halbzeit war die Partie für zwölf Minuten unterbrochen, als Chemnitz-Chaoten ausrasteten.

Besonderes: Die Partie war ab der 59. Spielminute für etwa zwölf unterbrochen worden. Kurz davor hatte CFC-Stürmer Daniel Frahn nach wiederholtem Meckern die Gelb-Rote-Karte gesehen. Das führte zu solchen Ausschreitungen im Chemnitzer Block, dass ein Zaunelement sich aus der Verankerung gelöste hatte und Ordner und Polizeibeamte eingreifen mussten. Daraufhin verschwand der Referee in den Katakomben. Einige Minute zuvor hatte der Schiedsrichter den Chemnitzer Trainer David Bergner auf die Tribüne geschickt, nachdem sich dieser über eine Entscheidung des Unparteiischen aufgeregt hatte.

Anhänger aus Chemnitz versuchen den Platz zu stürmen. Foto: osnapix

Personelles: Nach der 0:1-Niederlage gegen den Halleschen FC nahm Golombek Veränderungen vor. Für Maximilian Rossmann und André Dej rückten Michael Schulze und Tim Wendel wieder in die Startelf. Alexander Langlitz, der in Halle hinten links verteidigte, begann gegen Chemnitz auf seiner gewohnten rechten Seite.

Erste Halbzeit: Von Spielbeginn an versuchte Lotte, Chemnitz früh zu stören. Das funktionierte, sodass die Gäste fast nur mit langen Bällen in die gegnerische Hälfte kamen. Hingegen zogen die Sportfreunde ein Kurzpassspiel auf und kombinierten sich so nach vorne.

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Auf der linken Seite spielten sich Wendel und Schulze bis in den Strafraum. Wendel flankte in die Mitte, aber die CFC-Abwehr klärte zur Ecke. Die brachte Kevin Pires-Rodrigues in den Strafraum und fand Moritz Heyer, der zur Führung einköpfte (7.).

Lotte ließ nicht locker, drückte weiter aufs Gaspedal. Nachdem Bernd Rosinger verletzt vom Feld musste (12.), bejubelte fünf Minuten später der eingewechselte Max Wegner das 2:0 für die Sportfreunde (17.). Aber nicht der 29-jährige Stürmer hatte getroffen, sondern der Chemnitzer Linksverteidiger Marcus Mlynikowski lenkte den Ball unglücklich ins eigene Tor ab. Über links hatte sich zuvor der starke Schulze durchgesetzt. Als der Ball nach einem ersten Flankenversuch wieder beim Linksverteidiger landete, fand der 29-Jährige Heyer. Der Youngster köpfte aufs Tor, Torhüter Kevin Tittel wehrte ab und traf den Unglücksraben Mlynikowski.

Chemnitz war die Verunsicherung anzumerken - erst recht nach den beiden Gegentoren. In der Defensive waren die Gastgeber außer bei einer Kopfballchance von Myroslav Slavov nicht gefordert. Offensiv setzte die Golombek-Elf immer wieder Nadelstiche. Das Geburstagskind Wegner hatte zweimal die Möglichkeit, sich selbst zu belohnen (38./42.).

Zweite Halbzeit: Nach Wiederanpfiff versuchten die Chemnitzer direkt, den Anschlusstreffer herzustellen. Allerdings hielt die Defensive in der Anfangsviertelstunde der zweiten Hälfte stand.

Nach dem Platzverweis für Frahn und nach der Spielunterbrechung hatten die Sportfreunde die Vorentscheidung in Person von Maximilian Oesterhelweg auf dem Fuß. Doch der Offensivmann scheiterte freistehend an CFC-Schlussmann Tittel (84.).

Das sollte sich zwei Minuten später rächen. Julius Reinhardt kam über rechts, bediente Slavov mustergültig, der unbedrängt einschob und in der 86. Minute den Anschluss herstellte.

In den Schlussminuten entwickelte sich nochmal ein spannendes Spiel. Chemnitz kam zu Möglichkeiten und schnupperte am Ausgleich. Schließlich sorgte der eingewechselte Joshua Putze aber nach Vorarbeit von Oesterhelweg für die endgültige Entscheidung und erzielte das 3:1 (90.+5).

Fazit: In der ersten Halbzeit zeigte Lotte gerade in der Anfangsviertelstunde eine starke Leistung, zwang Chemnitz zu Fehlern und führte deshalb auch verdient zur Pause mit 2:0. Nach der Pause machten die Sportfreunde es in Überzahl nochmal unnötig spannend. Die Gastgeber hätten eher für eine Vorentscheidung sorgen müssen.

Nächstes Spiel: Am Ostersonntag, 1. April 2018, steht für die Sportfreunde das nächste Kellerduell an. Um 14 Uhr empfängt Lotte die U 23 des SV Werder Bremen im Frimo-Stadion.


SF Lotte – Chemnitzer FC 3:1 (2:0)

Lotte: 1 Buchholz – 23 Langlitz, 5 Rahn, 16 Straith, 2 Schulze – 3 Wendel, 15 Heyer – 24 Lindner (90. Putze), 20 Pires-Rodrigues (90.+5 Rossmann), 11 Oesterhelweg – 10 Rosinger (12. Wegner).

Chemnitz: 32 Tittel – 23 Sumusalo, 5 Endres, 6 Reinhardt, 25 Mlynikowski – 26 Bachmann (79. von Piechowski), 7 Grote – 24 Hansch (90.+5 Dartsch), 29 Baumgart – 27 Slavov, 11 Frahn.

Tore: 1:0 Heyer (7., nach Vorarbeit von Pires-Rodrigues), 2:0 Eigentor Mlynikowski (17, nach Vorarbeit von Heyer), 2:1 Slavov (86., nach Vorarbeit von Reinhardt), 3:1 Putze (90.+5, nach Vorarbeit von Oesterhelweg).

Gelb: Schulze, Wegner/Baumgart. Gelb-Rot: 59. Frahn (Chemnitz, wiederholtes Meckern)

Auf der Bank: 33 Zummack (ETW), 4 Rossmann, 8 Dej, 14 Hober, 22 Hohnstedt.

Zuschauer: 2312, davon etwa 450 aus Chemnitz.

Schiedsrichter: Benedikt Kempkes (Thür) machte das Spiel durch seine Entscheidungen kurz nach der Pause unnötig hektisch.