Zehn Punkte vor erstem Abstiegsrang 2:2 – Sportfreunde Lotte holen in Jena wichtigen Punkt

Von Christian Detloff


Lotte.  Mit dem nicht unverdienten, aber leicht schmeichelhaften 2:2 (2:2) im Duell beim FC Carl Zeiss Jena baut Fußball-Drittligist Sportfreunde Lotte den Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang auf beruhigende zehn Punkte aus.

Personelles/Taktik: SFL-Trainer Andreas Golombek schickt erwartungsgemäß die Startelf ins Rennen, die am vergangenen Freitag für den souveränen und überzeugenden 2:0-Heimsieg über den VfR Aalen sorgte. Beide Mannschaften spielen gleich mit offenem Visier im Vorwärtsgang. Jena hat die linke SFL-Abwehrseite offenbar als Schwachpunkt ausgemacht.

Erste Halbzeit: Keine zwei Minuten sind gespielt, als Michael Schulze den Jenaer Rechtsaußen Maximilian Wolfram nicht am Flanken hindern kann. Am Fünfer kommt Torjäger Timmy Thiel frei zum Abschluss, doch SFL-Keeper Benedikt Fernandez klärt per Glanztat. Maximilian Oesterhelweg prüft auf der anderen Seite erstmals Raphael Koczor (8.).

Dann das 1:0 für Jena, wieder über die rechte Seite inszeniert. Erneut lässt der mit einem langen Diagonalpass angespielte Wolfram den Lotter Linksverteidiger Schulze alt aussehen, ehe er fast von der Grundlinie die nächste Flanke schlägt. Julian Günther-Schmidt muss in der Mitte nur noch einschieben (8.).

Jena agiert sehr ballsicher, Lottes Gegendruck mit Tempo sorgt noch für keine überraschende Balleroberungen. Wieder nach einer Rechtsflanke kommen die Hausherren zur nächsten Doppelchance. Doch Wolfram und Starke scheitern am starken Fernandez (20.). Auf der Gegenseite gibt der von Oesterhelweg  per Flügelwechsel angespielte Alexander Langlitz den Ball weiter zu Nebenmann Jaroslaw Lindner, der prompt von der 16-Meter-Linie abschließt. Koczor lenkt den Schuss prächtig über den Querbalken (23.).

Lotte ist mit seinem aggressiven Pressing nun über Konter wesentlich besser im Spiel. Mit der nächsten Chance sorgt Linksaußen Oesterhelweg für den Ausgleich (25.). Sein 19-Meter-Schuss rutscht Koczor durch die Handschuhe.

Den Schuss von SFL-Kapitän Tim Wendel wehrt ein Jenaer zur Ecke ab (33.). Diese führt nach Foul von Dennis Slamar an Kevin Freiberger zum berechtigten Strafstoß. Kevin Pires-Rodrigues verwandelt sicher (35.). „Bring‘ den Pannewitz vorne rein“, brüllt einer der enttäuschten Jenaer Anhänger lautstark gen Trainer Mark Zimmermann. Als alles nach einer Lotter Halbzeitführung aussieht, gleicht Jena per Foulelfmeter zum 2:2 aus (45.). Adam Straith trifft Thiele leicht, aber wirkungsvoll an der Ferse. Der Torjäger (7. Tor im dritten Heimspiel nacheinander) fällt und verwandelt dann sicher.

Zweite Halbzeit: Wieder erwischt Jena den besseren Start. Doch große Chancen erspielen sich die Hausherren gegen die nun sichere SFL-Defensive zunächst nicht. Viele kleinere Fouls und Unterbrechungen schlagen sich negativ auf den Spielfluss nieder. Kevin Freiberger (64.) schießt auf der Gegenseite über den Kasten (64.). Zimmermann bringt unter großem Applaus der Fans Pannewitz (66.). Doch es tut sich weiter reichlich wenig in beiden Strafräumen. Freibergers Schuss neben das Tor (82.) gehört schon zu den aufregenderen Szenen. Doch dann drängt Jenin den Schlussminuten vehement auf den Sieg. Lotte schwimmt nun. Nach einer Pannewitz-Flanke trifft Wolfram per Kopf die Latte (88.).

Beste Spieler/Schwachpunkte: Bei Lotte agieren neben Keeper Fernandez auch die Flügelspieler Lindner und Oesterhelweg besonders auffällig. Vor allem Linksverteidiger Schulze und ein Stück weit Mittelfeldspieler Heyer fallen hingegen ab.

Fazit: Zwei unterschiedliche Hälften. Lotte verschläft die knapp ersten 20 Minuten beider Abschnitte. Dann zahlt sich das Tempo- und Pressingspiel der Gäste per Konterfußball aus. Der 2:2-Ausgleich der optisch überlegenen Jenaer mit dem Pausenpfiff per umstrittenen Strafstoß ist ein Nackenschlag. Die zerfahrene zweite Hälfte ist wesentlich chancenärmer und langatmiger als die erste und lebt „nur“ noch vom Kampf. Beide Teams können mit dem einen Punkt, der für Lotte nach den starken Drangphase der Gastgeber in den Schlussminuten nicht unverdient, aber etwas schmeichelhaft ist, gut leben – vom Spielverlauf und der Tabelle.

Das sagen die Trainer:

Andreas Golombek (SF Lotte): „Wir wussten, dass es ganz schwer ist, hier zu punkten. In der ersten Viertelstunde sind wir überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Wir hatten davor gewarnt, dass Jena mit vielen langen Diagonalbällen operiert. So kam es dann auch - vor allem vor dem 0:1. Dann ist meine Mannschaft aufgewacht und hat vernünftig Fußball gespielt. Beim Flatterball zum 1:1 war auch Glück dabei. Oesterhelweg hat solche Bälle halt drauf. Ich habe viele Fehler in der zweiten Hälfte gesehen, die wir besprechen müssen. Ich habe gehört, dass unser Punkt hier glücklich sei. Das sieht vielleicht so aus, wenn Du in den Schlussminuten unter Druck stehst und Jena die letzte Chance des Spiels hat. Ich finde das Remis aber verdient, wir sind damit zufrieden und glücklich. Wir haben hier nicht enttäuscht. Jetzt wollen wir im Derby gegen den VfL Osnabrück natürlich wieder etwas machen.“

Mark Zimmermann (CZ Jena): „Wir sind sehr gut ins Spiel reingekommen. Nach unserer Führung hat Lotte sehr früh Druck gemacht. Was ich nicht verstehe, ist, dass wir nach der Führung 10, 15 Bälle nach hinten spielen. Es lag natürlich auch an Lotte, weil sie sehr hoch angegriffen haben. Wir haben auch in die zweite Hälfte sehr gut hineingefunden. Es war ein Spiel auf des Messers Schneide. Es war dann klar, dass die Fehler bestraft werden und das Team gewinnt, was wieder in Führung geht. Wir wollten keine Fehler mehr machen gegen Lotte, das mit den schnellen Freiberger und Oesterhelweg vorne gefährliche Akteure hatte. Der Punkt ist verdient, wir haben einen Rückstand aufgeholt. Alles okay!“


Carl Zeiss Jena – Sportfreunde Lotte 2:2 (2:2)

Carl Zeiss Jena: Koczor (Note 4) – 2 Brügmann (3,5), 21 Slamar (3,5), 4 Gerlach (4), 5 Kühne (3) – 8 Wolfram (2,5), 23 Eismann (4/66. 26 Pannewitz/3), 6 Lohmannsröben (2,5), 11 Starke (3,5/80. 18 Tuma) – 27 Günther-Schmidt (2,5/78. 19 Dietz), 7 Thiele (2,5). – Trainer: Zimmermann.

CZJ-Reserve: 22 Coppens (ETW), 15 Grösch, 16 Mauer,  20 Sucsuz.

Sportfreunde Lotte: 30 Fernandez (Note 2) – 23 Langlitz (3,5), 5 Rahn (3), 16 Straith (3,5), 2 Schulze (4,5) – 3 Wendel (3,5), 15 Heyer (4) – 20 Pires-Rodrigues (3,5/51. 14 Hober/3,5) – 24 Lindner (3/78. 28 Putze), 19 Freiberger (3/83. 29 Wegner), 11 Oesterhelweg (2,5). Trainer: Golombek.

SFL-Reserve: 33 Zummack (ETW), 4 Rossmann, 8 Dej, 9 Facklam.

Bei Lotte fehlen: Haitz (Hüfte), Neidhart (Kahnbeinbruch), Piossek (Reha/Achillessehnenriss), Gorschlüter (Hüfte), Rosinger (Rotsperre), Hohnstedt, Atalan, Brock, Buchholz (alle nicht im Kader).

Tore: 1:0 Günther-Schmidt (8.), 1:1 Oesterhelweg (25.), 1:2 Pires-Rodrigues (35., FE/Foul Slamar an Freiberger), 2:2 Thiele (45., FE/Foul Straith an Thiele).

Gelbe Karten: Thiele (4. in dieser Saison), Wolfram (1.), Pannewitz (3.)/Heyer (8. in dieser Saison), Straith (2.), Rahn (2.), Schulze (4.).

Schiedsrichter: Jonas Weickenmeier (Frankfurt) lag mit fast allen wichtigen Entscheidungen richtig. Zuweilen aber kleinlich. Brachte keine Ruhe ins Spiel.

Zuschauer: 3732 (darunter gut 30 aus Lotte).

Nächstes SFL-Spiel: Am Sonntag (18. Februar, 14 Uhr) im Derby zuhause gegen den VfL Osnabrück.