Zu 90 Prozent Mutter und Hausfrau Barbara Schöneberger: Klo putzen? Ich liebe es!

Von Joachim Schmitz | 16.06.2018, 07:56 Uhr

Verstehe einer die Frauen: Barbara Schöneberger liebt es, Klos zu putzen, würde aber niemals den Rasen mähen, einen Fahrradreifen aufpumpen oder den Ölstand messen. Im Interview gibt die Moderatorin erstaunliche Einblicke in ihr Leben als Mutter, Hausfrau und Gärtnerin. Und über den Sportwahn, der eigentlich keiner ist.

Ob Koffer oder Kartoffelsalat, Magazin oder Musik – was Barbara Schöneberger anfasst oder bewirbt, verkauft sich meistens blendend. Kein Wunder, durch NDR Talk Show, ESC, Echo und etliche andere TV-Jobs hat die 44-jährige Wahl-Berlinerin eine Bildschirmpräsenz wie kaum eine andere Moderatorin in Deutschland. Dabei sagt sie von sich selbst, zu 90 Prozent Hausfrau und Mutter zu sein. Und so sprechen wir am Rande eines PR-Termins in einem großen Osnabrücker Modehaus nicht nur über ihr Magazin „Barbara“ und die neue Platte „Eine Frau gibt Auskunft“, sondern auch über Haushalt und Gartenarbeit:

 Frau Schöneberger, in der aktuellen Ausgabe der „Barbara“ habe ich 17 Fotos von Ihnen gezählt – das schafft nicht mal der Papst im „Osservatore Romano“. 

17 Fotos von mir? Na ja, das ist doch bei 200 Seiten gar nicht so viel. Die meisten sind ja keine seitenfüllenden Bilder. Es steht ja „Barbara“ drauf, und es soll auch Barbara drin sein, aber gar nicht so viel Bild, sondern mehr Gefühl.

 Sie haben am Anfang Ihrer Karriere bei der Zeitschrift „Mode spezial“ volontiert – jetzt haben Sie Ihre eigene „Barbara“. Sind Sie eine Frau am Ziel ihrer Träume? 

Ich bin eine Frau, die überhaupt kein Ziel und keine Träume hatte, sondern sich hat treiben lassen durch das lustige Medienberufsleben und relativ zufällig hier rausgekommen ist. Da, wo ich jetzt bin – wo auch immer man das ansiedeln möchte –, ist mit Sicherheit nicht das Ergebnis von reiflicher Überlegung und stringenter Zielsetzung.

 Sondern? 

Spaß, wahnsinnig viel Glück und der Tatsache, offenbar einen Nerv getroffen zu haben. Aber ganz sicher nicht harte Arbeit, Ehrgeiz, Blut, Schweiß und Tränen.

 Wie viel Kunstfigur steckt in „Barbara“? 

Ich bin keine Kunstfigur, sonst könnte ich meinen Job nicht machen. Ich bin nicht der traurige Clown, der sich eine lustige Maske überzieht, wenn er in Kontakt mit Menschen kommt, sondern ich bin zu 100 Prozent immer gleich. Und ich habe auch tatsächlich immer so viel Spaß, wie man denkt, wenn man mich sieht. Aber natürlich bin ich ab und zu auch mal froh, wenn jetzt keiner mehr kommt und noch ein Foto will.

 Um Koffer und Tapeten geht’s aber auch. 

Trotzdem stelle ich mich nicht mehr in den Dienst von anderen Leuten, sondern bin nur noch in meiner eigenen Sache unterwegs. Das ist so luxuriös, dass ich fast ein schlechtes Gewissen bekomme. Früher hat’s manchmal noch ein bisschen wehgetan, wenn ich mich auf anderer Leute Inhalte vorbereiten musste. Aber jetzt tut gar nichts mehr weh. Jetzt komme ich einfach nur noch als ich selbst und rede über mich. Das ist für mich manchmal ein bisschen langweilig, weil ich mich ja ganz gut kenne, aber es ist auch der pure Luxus.

 Im Editorial der „Barbara“ thematisieren Sie den Sportwahn, dem Sie jetzt auch verfallen sind. Laufen, Crunchen, Dehnen gegen „Wabbelbäuchlein und Winkeärmchen“, wie Sie es formulieren. War’s so schlimm? 

Nee, aber es wäre so schlimm geworden. Ich habe einen ganz normalen Körper, sogar relativ gut erhalten. Die Leute sind oft erstaunt, dass ich doch nicht so dick und unförmig bin, wie ich immer tue. Das Fernsehbild ist allerdings wirklich brutal und unschöner als die Wirklichkeit. Ich habe angefangen, Sport zu machen, und von null auf – wie ich finde – 300 Prozent hochgedreht. Das heißt, ich habe vorher gar nichts gemacht und mache jetzt ein bisschen was.

 Wo oder wann war der Punkt, an dem Sie den Schalter umgelegt haben? 

An meinem 40. Geburtstag. Irgendwann reicht es nicht mehr, sich das immer nur vorzunehmen. Ich hab mir den Kontakt zu meiner Trainerin besorgt und sie gefragt, ob sie nicht mal vorbeikommen will. Wahrscheinlich hat sie das große Geld gerochen und gedacht, mit mir werde sie jetzt das ganz Programm durchziehen. Sie wollte zum Beispiel auch, dass ich meine Ernährung umstelle – dazu hab ich ihr relativ schnell gesagt, dass das leider nicht funktionieren wird.

 Sport-Enthusiasmus klingt anders. 

Stimmt. Ich bin nicht annähernd so sehr dem Sportwahn verfallen, wie viele Medien mir das jetzt nachsagen. Ich strample mich nicht ab, sondern trainiere dreimal die Woche ’ne Stunde, wenn ich’s schaffe.

 Und jetzt fühlen Sie sich – ich zitiere Sie mal – „von Monat zu Monat straffer, schöner, leistungsfähiger, wacher und glücklicher“. Klingt so, als ob Sport unters Betäubungsmittelgesetz fallen müsste. 

Ja, warum eigentlich nicht? Wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass ich dieses „Runner’s High“, diese glücklich machenden Endorphine, die man angeblich beim Sport freisetzt, noch nicht kennengelernt habe. Ich glaube auch nicht, dass ich da noch mal hinkomme.

 Im Booklet Ihrer CD gibt’s ein Foto, auf dem Sie rauchen. Nur zur Illustration Ihres Songs „Isabelle Huppert“ oder etwa aus Leidenschaft? 

Zur Unterstreichung des französischen Esprits dieses Songs. Mich persönlich werden Sie nicht rauchend in der Ecke stehen sehen.

 Ihr Hauptstilmittel ist es ja, dass Sie sich über sich selbst lustig machen. Gibt’s auch etwas, wo Sie sagen „Schluss mit lustig“? 

Ich kann sehr lange über mich selbst lachen, aber wenn jemand sehr deutlich und lange die Grenze überschreitet, was meine Person angeht, dann lache ich über den.

 Wann werden Sie witzig? Gleich morgens nach dem Aufstehen? 

Ich bin gar nicht witzig. Zumindest glaube ich nicht, dass mich zu Hause jemand witzig findet. Eigentlich bin ich nur sehr normal und bodenständig, aber nicht diejenige, die morgens schon mit Pointen um sich schmeißt – dazu braucht man ja auch ein witziges Gegenüber.

 Sie sind in den Medien ziemlich präsent – und sagen von sich selbst, Sie seien zu 90 Prozent Hausfrau und Mutter, die jeden Tag kocht und Gartenarbeit macht. 

Okay, das ist manchmal ein bisschen unregelmäßig. Aber nehmen wir mal diese Woche. Heute ist Donnerstag, und bis zum heutigen Morgen habe ich bis auf eine kleine Sache die ganze Woche über nicht gearbeitet. Ich habe vorgestern gekocht, gestern gekocht, jetzt bin ich drei Tage weg, was bei mir selten vorkommt, aber dann komme ich am Sonntagmorgen wieder mit frischen Semmeln nach Hause.

 Dann frage ich mal die Hausfrau und Mutter: Rasen mähen oder Unkraut zupfen? 

Unkraut zupfen. Ich habe noch nie in meinem Leben Rasen gemäht. Es gibt auch Sachen, die ich nie mache, dazu gehören Rasen mähen, Fahrradreifen aufpumpen und Ölstand messen. Das mach ich nicht. Dafür mache ich sonst auch alles.

 Spargel oder Spanferkel? 

Auf keinen Fall Spanferkel. Also Spargel.

 Windeln wechseln oder „Mommy Wars“ auf dem Spielplatz? 

Windeln wechseln.

 Hausaufgaben oder Elternsprechtag? 

Puuuh. Beim einen will man die Eltern umbringen und beim anderen das Kind.

 Klo putzen oder unter der Dusche singen? 

Klo putzen. Ich liebe es, Klos zu putzen.

 Nicht wirklich. 

Doch. Da sieht man endlich mal, dass man was geschafft hat. Das ist fast der einzige Moment in meinem Arbeitsalltag, in dem ich das Gefühl habe, jetzt wirklich etwas bewegt und eine Verbesserung herbeigeführt zu haben. Wann kann man das schon mal von seiner Arbeit sagen?

 Ekelt Sie das nicht? 

Wieso? Klos gehören doch zum Familienhaushalt. Wenn ich zu Hause an einem Klo vorbeilaufe und ich habe das Gefühl, dieses Klo brauche dringend Hilfe, dann kümmere ich mich sehr gerne darum und kratze mit gefaltetem Klopapier so am Rand entlang. Das ist mir völlig wurscht, weil ich’s immer schön finde, wenn’s danach wieder besser aussieht. Bei uns zu Hause ist es ja wie in einem Hotelbetrieb – da stellt man sich gar nicht vor, was sich in ein, zwei Tagen tut unter so einer Klobrille.

 Bevor wir das weiter vertiefen, lassen Sie uns über Ihre neue CD sprechen. Die heißt „Eine Frau gibt Auskunft“, aber diese Frau ist nicht Barbara Schöneberger. In keinem einzigen Song? 

Doch, schon. „Isabelle Huppert“ erzählt schon ein bisschen von meinem Leben. Insgesamt steckt schon viel von mir drin, aber man kann natürlich nicht über eine abwechslungsreiche CD mit Texten aus ganz unterschiedlichen Welten sagen, das hätte ich alles genauso erlebt. Ich bin noch nicht verlassen worden, und ich hab immer noch Lust auf Sex. Vieles ist nicht aus meinem Leben, aber manches schon.

 Stichwort Sex. Sie geben den einen oder anderen Einblick ins Sexualleben anderer Frauen. Das singt sich schon leichter, wenn’s nicht die eigene Perspektive ist, oder? 

Jeder kennt das Gefühl, dass man den ganzen Tag drüber redet und es dann doch nicht macht. Ich sag immer: Nicht drüber reden, sonst passiert nichts (lacht). Ich kenne solche Szenarien von mir selbst oder von anderen, auf jeden Fall kann ich’s mir gut ausmalen.

 Sie haben sich für diese Platte mit Peter Plate und Ulf Leo Sommer zusammengetan – waren Sie immer schon Rosenstolz-Fan? 

Ich war schon Rosenstolz-Fan, aber ich bin vor allem Fan dieser beiden Männer-Jungs geworden, denn ich habe fast noch nie in meinem Leben so nette und liebenswerte Menschen kennengelernt. Ursprünglich war geplant, dass sie zwei oder drei Songs schreiben, aber dann haben wir uns schnell entschlossen, das ganze Album zusammen zu machen. Ich hatte befürchtet, das sei der Plattenfirma zu teuer, aber irgendwann stand für mich fest: Wenn ich’s nicht mit den beiden mache, dann mache ich’s gar nicht.

 Ihre eigenen Sendungen gucken Sie sich im Nachhinein nie noch mal an – hören Sie denn Ihre eigene Platte ab und zu? 

Die läuft tatsächlich ab und zu, weil meine Kinder die toll finden. Und ich wollte sie auch gerne hören, weil ich mich anders damit identifiziert habe als mit anderen Alben davor. Dazu kommen rein praktische Gründe: Ich muss meine Texte ja so gut draufhaben, dass ich sie überall singen kann.

 Einen Echo werden Sie mit der CD nicht mehr gewinnen können, der hat sich gerade quasi selbst abgeschafft. Was sagen Sie als langjährige Moderatorin der Preisverleihung dazu? 

Mir tut’s natürlich leid, dass es den Echo nicht mehr gibt. Das war ja immerhin der deutsche Musikpreis, und wir müssen auch wieder etwas Ähnliches etablieren. Aber anders konnte man sich gar nicht entscheiden, jetzt muss er vor allem mit einer personellen Umgestaltung neu aufgelegt werden.

 Nur personell und nicht inhaltlich? 

Man hat wohl geglaubt, dass es sich versendet, und es wurde unterschätzt, welche Welle diese letzte Preisverleihung auslöst. Ich würde niemandem unterstellen, bewusst rechtsradikale oder antisemitische Inhalte gefeaturet zu haben. Aber ein bisschen sorglos und doof war man schon. Und dann wollte keiner sagen: Ja, stimmt, das war ein Fehler. Hätte man es getan, wäre der Echo heute vielleicht noch da.

 Wie fanden Sie es, dass einige Preisträger ihren Echo zurückgegeben haben? 

Das war okay, es kann ja jeder machen, was er will. Es haben viele gestandene Leute ihren Echo zurückgegeben, die ein klares Zeichen setzen wollten – und das ist ihnen auch gelungen und hat Diskussionen angeregt. Es hat also Sinn gemacht.

 Was würden Sie Ihrem Sohn sagen, wenn er Farid Bang oder Kollegah hört? 

Ich weiß gar nicht, ob man verhindern kann, dass Kinder mit einer bestimmten Art von Musik in Berührung kommen. Die Frage ist, wie man reagiert. Flippt man aus und verbietet es, oder erklärt man ihnen, warum solche Texte eigentlich nicht gehen? Viele von den Kids finden diesen Style cool und wissen gar nicht genau worum es geht, außer dass da eine Aggression rüberkommt, in der sie sich wiederfinden. Bei uns zu Hause ist nicht besonders viel Aggression, deshalb würde ich jetzt einfach mal behaupten, dass meine Kinder erst dann auf solche Musik treffen, wenn sie ihr eigenes Wertesystem schon fertig gebildet haben.

 Wenn’s nach Ihrem Papa gegangen wäre, dann wären Sie Opernsängerin geworden. Woran ist es gescheitert? 

An mir, ich wollt’s einfach nicht. Aber ich glaube, dass ich ganz gut geworden wäre.

 Läuft denn ab und zu bei Ihnen zu Hause mal eine Oper? 

Ich höre nur klassische Musik. Das ist das Wichtigste und das Einzige, das Bestand hat in meinem musikalischen Leben.

 Zum Beispiel? 

Den „Liebestod“ aus „Tristan und Isolde“, Tschaikowskys vierte Symphonie und Rachmaninows drittes Klavierkonzert. Das finde ich toll.