Wenig los vor großer Kulisse Letzte Folge von „Das Traumhotel“ spielt in Marokko

Von Marie-Luise Braun | 29.10.2014, 10:30 Uhr

Endlich Schluss: In Marokko endet die Reihe „Das Traumhotel“ mit Christian Kohlund und Ruth Maria Kubitschek am Freitag, 31. Oktober, 20.15 Uhr in der ARD.

Ausgeträumt: Nach 20 Folgen „Das Traumhotel“ in zehn Jahren stellt die ARD die Reihe ein. In der letzten Folge geht es nach Marokko. Dort wird zur Feier des Abschieds das bisherige Strickmuster geändert. Dieses Mal geht es nicht um Geschichtchen der Gäste, sondern allein um die Familie von Markus Winter (Christian Kohlund), den Manager des Hotel-Imperiums Siethoff. Die Folge beweist: Das Ende war überfällig.

 Markus Winter verlässt nach einer langen Geschäftsreise die Flughalle und lässt seinen leeren Blick in die Ferne schweifen. Es ist ein Bild, das für die gesamte Folge steht: Wenig los vor großer Kulisse. Wohl auch deshalb wird Letztere mit überlangen Kamerafahrten immer wieder in den Fokus des Films gezerrt. Keine Frage, das Land ist schön. Doch man sollte sich besser eine Dokumentation über Marokko ansehen. Die bietet immerhin noch interessante Hintergrundinformation und das ganz ohne eine Geschichte, die mühsam zusammengeschustert wirkt. Buch und Regie lagen in den Händen von Sigi Rothemund.

Nach 20 Filmen seien die Verantwortlichen der Produktionsfirma ARD-Degeto der Ansicht, „dass dieses Konzept dramaturgisch erschöpft ist“, begründete Degeto-Chefin Christine Strobl dann auch in der „Bild am Sonntag“ das Ende der Reihe. Strobl sitzt seit einem Jahr auf diesem Posten und arbeitet an einer Neuausrichtung des bislang arg seichten Programms.

Aber bereits der Titel der Reihe erscheint reichlich fantasielos. Spielt er doch auf das große ZDF-Vorbild „Das Traumschiff“ an und variiert lediglich das letzte Wort dieser Serie, dem Stil und Machart nachempfunden sind: Fremde und vertraute Menschen treffen sich und finden nach vielerlei Verwicklungen zueinander. Natürlich schaffen sie das nur durch die Unterstützung des Hotelmanagers – wahlweise des Kapitäns – der sie in der wunderschönen Landschaft des jeweiligen „Reiseziels“ empfängt oder dorthin begleitet. Für „Das Traumhotel“ besuchte Markus Winter Hotels seiner Familie in Thailand, Südafrika, Tobago, auf Mauritius und den Malediven.

Für den letzten Teil von „Das Traumhotel“ wurde von Ende Oktober bis Ende November 2013 in Marrakesch (Marokko) und Umgebung gedreht. Hier, genauer im „Siethoff Palace“, will Markus Winter sich nach einem Schwächeanfall erholen. Der ereilte ihn, weil er sich eigentlich nach der langen Geschäftsreise hatte ausruhen wollen. Doch er musste mal eben noch schnell das Siethoff-Imperium vor der feindlichen Übernahme durch einen Großkonzern retten. Seine Tante Dorothea Siethoff (Ruth Maria Kubitschek) hat das trotz jahrelanger Arbeit in der Hotelbranche nicht geschafft. Solche Unstimmigkeiten durchziehen die 90 Minuten.

Doch Merkwürdigkeiten sind nichts Neues in der Reihe. In der Folge „Das Traumhotel: Chiang Mai“ wurde mal eben eine geografische Vorgabe missachtet und dem Ort im Inneren Thailands ein direkter Zugang zum Meer verpasst. Dass in Phuket gedreht wurde, erfuhr der Zuschauer nicht.

Nervig ist in der Abschiedsfolge einiges. Zwei Beispiele: die Momente, in denen Markus Winter auf seine Ex-Frau Gabrielle (Fanny Stavjanik) stößt, ohne sie zu erkennen. Und dass niemand außer Markus Winter zu einer durchdachten Handlung in der Lage zu sein scheint. Vielmehr wirken alle, als könnten sie lediglich ein „Ui, toll!“ für den Herrn Hotelmanager über die Lippen bringen.

Unterdessen braut sich Dramatisches über dem Hotel in Marokko zusammen. Darüber wird der Konzernleiter zunächst aber weder von seiner Tochter Leonie (Anna Hausburg) noch von seiner Tante Dorothea oder von Jamila (Proschat Madani, die einzige, die ihre Rolle glaubwürdig verkörpert), der Geschäftsführerin des Hotels, informiert. Erst durch einen „Zufall“ erfährt er davon, und so nimmt der Film in seinen letzten zehn Minuten schließlich doch ein bisschen Fahrt auf. Vom Tempo einer Schnecke hin zu dem eines Regenwurms, denn auch jetzt gibt es immer viel Landschaft zu sehen.

Ein großer Verlust ist die Einstellung dieser Reihe sicherlich nicht. Möglich ist aber, dass Schauspieler, Kameraleute und Assistenten, das bedauern: Jetzt müssen sie Reisen zu exotischen Zielen selbst bezahlen.

Das Traumhotel: Marokko“, Freitag, 31. Oktober, 20.15 Uhr, ARD