Tränen für die Kamera Got to Dance 2014 – Wer glaubt Nikeata Thompsons Show?

Von Daniel Benedict | 25.07.2014, 02:25 Uhr

Im letzten Jahr hat „Got to Dance“den Deutschen Fernsehpreis bekommen. Warum bloß? Wegen Nikeata Thompsons dicker Tränen? Wegen Palina Rojinskis romantischem Gefühl?

„Krass, du bist so eine Persönlichkeit“, sagt „Got to Dance“-Jurorin Nikeata Thompson dem virtuosen Flockey. An den Fothamockaz findet sie „toll, dass ihr so authentisch wart.“ Sarahs Ausdruckstanz bringt für Nikeata Thompson Aufrichtigkeit in eine „Welt voller Klischees“. Und als das Duo ein Tanzlehrer und seine einstige Schülerin sich küssen, konzediert Nikeata: „Das ist so magisch und echt, man möchte ein Teil von euch sein.“

Nikeata Thompson: Tränen und Gebrüll

Es ist absurd, dass ausgerechnet Nikeata Thompson so viel Wert auf das Wahrhaftige legt. Keinem der Juroren von „Got to Dance “ glaubt man seine Gefühlsausbrüche weniger als ihr. Sie scheint mehr damit beschäftigt zu sein, Knallerposen für sich selbst auszudenken, als damit die Tänzer anzugucken. Mal hält sie in erhabenem Ernst ihre Tränen in die Kamera, mal feuert sie die Tänzer mit zorniger Leidenschaft an. Und immer hat man das Gefühl: Es geht nicht um den Tanz, es geht um Nikeata.

Sei gefälligst begeistert, Zuschauer! Zum Verriss der „Got to Dance“-Premiere.

Juroren als Geschmacksverstärker

Und das stimmt ja auch. „Got to Dance“ castet zwar mehr tolle Tänzer, als die Show zeigen kann. Und trotzdem glaubt die Regie nicht an ihre Wirkung. Stattdessen schneidet Prosieben.Sat.1 in jeder Nummer auf die Publikumsreaktionen, auf atemlose Backstage-Kollegen und vor allem auf Palina Rojinski, Howard Donald und eben auf Nikeata Thompson. Die sind denn auch weniger Juroren als Geschmacksverstärker.

Howard Donald, Take-That-Star aus Münster. Zum Interview.

Die „Jury-Urteile“ sind entsprechend einsilbig: „Hammer!“, „Einfach genial!“, „Ich kriege Gänsehaut!“ Oft loben Nikeata, Howard und Palina sowieso weniger die Künstler als ihr eigenes Format. „Wir haben die besten Tänzer“, heißt es dann. Und: „Geile Tänzer! Wir sind eine crazy Show!“ Dagegen ist selbst der eitelste Schnack von „Let’s Dance“-Juror Joachim Llambi echte Sportdidaktik.

Sterne, die nichts bedeuten

Folgerichtig haben die Sterne der Jury überhaupt keine Bedeutung. Wer von Nikeata Thompson und ihren beiden Kollegen durchgewinkt wird, ist noch längst nicht weiter. Die Zusammensetzung der Battleshows wird hinter den Kulissen entschieden. Manchen Sieger der Auditions wird man nie mehr wiedersehen.

Wie waren die GMHütter? Zum JumpJump-Porträt.

Egal. Bei „Got to Dance“ muss es ohnehin nicht das Tanzen sein, über das die Jury jubelt. Wenn Palina Rojinski das Herz übergeht, heißt es auch mal ganz schlicht: „Ich fand so rührend, wie ihr euch angelächelt habt.“ Nikeata Thompson und ihr Team mögen Liebespaare beim Duett, Kinder oder unvorstellbar alte Tänzer: Eine Frau aus der Formation Respect zum Beispiel ist sage und schreibe 52 Jahre alt. Zum Vergleich: Howard Donald, der ja selbst alle naselang zum Mittun auf die Bühne gezerrt wird, hat auch schon seine 46 Jahre auf dem Buckel. Wahnsinn, wie er das noch hinkriegt! Und auch rührend!