ProSiebens Plüsch-Promis The Masked Singer: Oktopus enttarnt – lag‘s an der Maske?

Von Daniel Benedict | 28.06.2019, 03:39 Uhr

Sportler, Popstars und Schauspieler treten bei „The Masked Singer“ verkleidet auf. Der erste Promi ist bereits enttarnt.

Die größte Überraschung liefert ProSiebens „The Masked Singer“ schon am Anfang: Das Zottelwesen neben Ruth Moschner ist gar kein Promi im Fellkostüm, sondern der stark behaarte und tief dekolletierte Max Giesinger! Mit Rea Garvey und Collien Ulmen-Fernandes bilden die beiden ein Rate-Team, das verkleidete Promis anhand der Gesangsstimme erkennen soll.

Was? Nur Lucy von den No Angels?

Wobei die Stars nicht mal Sänger sein müssen. Im koreanischen Original steckte beispielsweise mal Ryan Reynolds unter der Einhorn-Maske. ProSieben enthüllt als ersten Star jetzt erstmal nur Lucy Diakovska von den No Angels. Einerseits hat das was Desillusionierendes. Andererseits: Respekt, dass der Sender überhaupt zehn Promis gefunden hat, die freiwillig sechs Wochen lang in Kakadu-Kostüme und Raumanzüge steigen. Im Fernsehen sein und trotzdem nicht gesehen werden? Für sämtliche Influencer und C-Promis muss das völlig widersinnig klingen. Zumal der Auftritt im sauschweren Putz – wie Moderator Opdenhövel mehrfach betont – auch noch anstrengend ist. Jede Container-Show bietet fürs bloße Abhängen mehr Aufmerksamkeit.

Mit der Gehässigkeit des Reality-Fernsehens hat „The Masked Singer“ aber sowieso nichts zu tun. Auch wenn natürlich ein gewisser Reiz darin liegt, dass der Moderator sich live verplappern und seine Stars mit dem Namen ansprechen könnte. Oder ein Profi-Musiker mit einem Fußballer verwechselt wird, weil er als singendes Eichhörnchen so mies klingt wie Madonna beim ESC. Im Kern ist die Show aber nah an der Freundlichkeit von Robert Lembkes „Was bin ich?“. Nur dass hier keine Münzen ins Schweinderl kommen, sondern gleich der komplette Gast. Schon wegen der Kostüme ist das Ganze unübersehbar als Familienunterhaltung angelegt; es ist ein Jammer, dass ProSieben vorher nicht die „Sesamstraße“ zeigen kann. Das Publikum würde geschlossen dranbleiben.

The Masked Singer: Mut zur sozialen Amputation

Mitknobeln macht bei „The Masked Singer“ Spaß. Die Hinweise, die die Promis mit verzerrter Stimme preisgeben, sind allerdings in der Regel so unbegreiflich, dass selbst mitschreiben nicht viel helfen würde. Wichtiger scheint ohnehin der Kick der Enthüllung zu sein: Bei der US-Version jedenfalls schnellte die Quote im Finale massiv nach oben. Um bis dahin bei der Stange zu bleiben, muss man vor allem Masken mögen. Mit dem Design steht und fällt der Erfolg – der des Formats und womöglich sogar der der Sänger: Nicht ausgeschlossen, dass Lucy auch deshalb die wenigsten Zuschaueranrufe hatte, weil das Puppengesicht ihres Oktopus hochgradig unheimlich war. In Abstufungen gilt das allerdings immer, selbst für das debile Plüschmonster.

Woran liegt das? Der Preis für das große Rätsel der Show ist ein radikaler Verzicht auf Gespräche, auf Mimik und Körpersprache – auf alles eben, was Promi-Formate sonst ausmacht. Auch den Stars scheint die Amputation ihres Sozialverhaltens nicht geheuer zu sein; immer wieder kompensieren sie den Mangel durch massives Overacting: Nie hat ein Tintenfisch die Arme ausdauernder geschlängelt als Lucy Diakovska.

Das ist vielleicht die überraschendste Erkenntnis von „The Masked Singer“: So oft man sich schon gewünscht hat, all die Fernseh-Promis einfach in einen großen Kartoffelsack zu stecken – sobald sie wirklich mal unsichtbar sind, wünscht man sich ihre Gesichter zurück.

„The Masked Singer“, sechs Folgen, immer donnerstags, 20.15 Uhr auf ProSieben.

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