ARD-Programm Abschied von Alwara Höfels: Tatort "Wer jetzt allein ist" aus Dresden

Von Joachim Schmitz | 21.05.2018, 14:26 Uhr

Pfingstmontag ist Tatort-Abend. Und so kommt der ARD-Krimi heute Abend aus Dresden: „Wer jetzt allein ist“ markiert den Ausstieg von Alwara Höfels als Kommissarin Henni Sieland.

Herzlich geht anders. Zum sechsten Mal ist Alwara Höfels am Pfingstmontag im Dresdner Tatort zu sehen – und zum letzten Mal. Wie es üblich ist, hat es der für den Krimi zuständige MDR Journalisten auch diesmal ermöglicht, den Film vorab zu sehen, und ihnen ein Info an die Hand gegeben. Darin enthalten: Ein Statement von Drehbuchautor Erol Yesilkaya, je eines der Kommissarsdarsteller Karin Hanczewski und Marrtin Brambach, drei Fragen an den Schauspieler Daniel Donskoy und eine Stellungnahme von Regisseurin Theresa von Eltz. Nicht enthalten: Fragen an oder Äußerungen von Alwara Höfels. Ganze zehn Zeilen über ihre Rolle in „Wer jetzt allein ist“. Kein Wort des Abschieds geschweige denn des Danks. (So war der vor letzte Auftritt von Alwara Höfels als Henni Sieland)

Schon Ende letzten Jahres hatte die mittlerweile 36-jährige Schauspielerin ihren Ausstand verkündet und dafür eine Begründung gegeben, die den Verantwortlichen beim MDR kaum geschmeckt haben dürfte: „Unterschiedliche Auffassungen zum Arbeitsprozess und ein fehlender künstlerischer Konsens haben nach vielen Gesprächen diesbezüglich dazu geführt, dieses renommierte Format zu verlassen, da ich meine Verantwortung als Künstlerin ansonsten gefährdet sehe.“ (Deshalb macht Alwara Höfels Schluss)

So formulieren nicht Schauspieler, sondern Juristen. Und wer so etwas liest, wird ahnen, dass da wohl die Fetzen geflogen sind. Für eine aktuelle Stellungnahme war Alwara Höfels in dieser Woche allerdings nicht zu erreichen.

Das erinnert an den Ausstand von Sylvester Groth beim ebenfalls vom MDR verantworteten Magdeburger Polizeiruf 110. Er hatte nach nur fünf Folgen die Nase voll und verabschiedete sich unter Hinweis auf miese Drehbücher. Dem MDR-Tatort aus Erfurt war Ende 2014 schon nach nur zwei Folgen die Luft ausgegangen. (Deshalb ging Sylvester Groth)

Liegt da was im Argen? Dafür spricht zumindest, dass Drehbuchautor Ralf Husmann beim Dresdner Tatort dieselben Konsequenzen zog wie Alwara Höfels – und hinschmiss. In einem dpa-Interview sagte der „Stromberg“-Erfinder: „Ich hatte den Eindruck, dass es inzwischen in Richtung eines ganz konventionellen Krimis geht. Und das können andere Leute dann wesentlich besser. Das finde ich völlig okay, aber es ist eben nicht meine Kernkompetenz.“

Alwara Höfels hat bei ihrem letzten Auftritt eine sonderbare erste Szene. Sie ruft in einer gynäkologischen Klinik an und erkundigt sich nach einem Termin für einen Schwangerschaftsabbruch. Danach ist erst mal – Action!

Eine junge Frau wird auf einem Parkplatz erdrosselt. Hinter einer Disko, in der eine Ü30-Party läuft. Als „Birdy“ hat sie auf einem Dating-Portal im Internet offenbar zahlreichen Männern den Kopf verdreht und ihnen anschließend das Geld aus der Tasche gezogen. Bis sich diese Männer als „Vogeljäger“ zusammentaten, um „Birdy“ zur Strecke zu bringen. Viele von ihnen haben in der Disko gefeiert, zwei bleiben als Hauptverdächtige übrig. Und weil die Ermittlungen nicht so recht weiterkommen, beschließen Sieland und ihre Kollegin Gorniak (Karin Hanczewski), über das Dating-Portal Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Als Lockvögel für die „Vogelfänger“ quasi.

Aber es geht noch haarsträubender. Weil Gorniak Stress mit ihrem aufmüpfigen und schulmüden Sohn hat, engagiert sie ihren Chef Schnabel (Martin Brambach) als Babysitter für den Sohnemann. Woraufhin der mit Radiorekorder, Peter Alexander-Musik und Handschellen zum Dienst erscheint. Das ist weder wirklichkeitsnah noch witzig – einzig Martin Brambach mit seinem grandiosen humoristischen Talent rettet diesen Krimi vor der totalen Peinlichkeit. Er ist die Kerze in der Dresdner Kriminacht. (Hier gibt es ein ausführliches Interview mit Martin Brambach)

Ansonsten gibt’s Ungereimtheiten ohne Ende und eine Auflösung, die man lange vor dem Finale ahnt. Und Alwara Höfels? In ihrer letzten Szene wird sie sagen „Ich kann nicht mehr. Und das ist gut“. Man kann sie gut verstehen. Und darf gespannt sein, wie sich ihre Nachfolgerin Cornelia Gröschel („Honigfrauen“) in Dresden einfindet. (So war Cornelia Gröschel im Dreiteiler "Honigfrauen")

Tatort: Wer jetzt allein ist. Das Erste, Pfingstmontag, 21. Mai 2018, 20.15 Uhr

Wertung: 2 von 6 Sternen