Sommerloch als Chance Wir verraten, was läuft und sich sogar lohnt

Von Frank Jürgens | 25.06.2016, 08:15 Uhr

Osnabrück  Jeden Sommer aufs Neue plumpsen die TV-Anstalten mit ihrem Angebot in ein Sommerloch aus Wiederholungen. Tun sie das wirklich? Nun ja – es gibt Hoffnung.

War nicht so doll, das Fernsehprogramm in den letzten beiden Wochen, stimmt’s? Vor allem dann nicht, wenn man etwas anderes als Fußball sehen wollte. Selbst eingefleischte Fußball-Fans konnten in den vergangenen vierzehn Tagen zwischen müdem Gekicke und müdem Gequassel über das müde Gekicke  die Krise kriegen. 

Trotz oder gerade wegen des seit nunmehr zwei Wochen andauernden Mega-Events namens Fußball-EM breitet sich allmählich Unmut aus über das alljährliche Sommerloch im Rest der Glotze. Wiederholungen, olle Kamellen und noch mehr Wiederholungen – die Fernsehsender versuchen sich mal wieder in gegenseitiger Leistungsverweigerung zu überbieten, so scheint es. Aber ist das wirklich so?  . (Wie war‘s? Unsere Kritik zu „500 – Die Quiz-Arena)

Früher war mehr SommerlochUnsinn. Alles Lüge und Propaganda. Behauptet zumindest die Pressestelle des ZDF wie zum Trotz. „Allerdings stellen wir fest, dass alle Jahre wieder Zeitungen und Zeitschriften ihr eigenes ‚Sommerloch‘ zu füllen scheinen, indem sie über ein ‚Sommerloch‘ im Fernsehen berichten“, schallt es auf Anfrage unserer Redaktion vom ZDF-Lerchenberg zu uns herunter. „Vielleicht beeinflusst ja auch das die Leser/Zuschauer?“ 

So einfach sind natürlich weder Zeitungsleser noch TV-Zuschauer zu beeinflussen. Begeben wir uns also lieber mal auf eine kleine Spurensuche im diesjährigen, sorry, TV-Sommerloch. Dabei lässt sich jedoch eines schnell feststellen: Früher war mehr Sommerloch! Das hat einen ganz einfachen Grund. Zum bereits bestehenden hohen Konkurrenzdruck der herkömmlichen, linearen TV-Sender untereinander gesellt sich die vielfältige mediale Konkurrenz aus dem Internet. 

Neue Shows bei RTL„Die sogenannte Sommerpause gibt es angesichts des heute intensiven Wettbewerbs durch immer mehr TV-Sender und sonstige Angebote nicht mehr“, fasst RTL-Sprecher Christian Körner gegenüber unserer Redaktion seine Sicht der Dinge auf den Fernsehmarkt zusammen. „Generell achten wir darauf, die Zuschauer programmlich in Ihrer aktuellen Verfasstheit abzuholen, die in den Sommermonaten eine andere ist als im Herbst oder Winter. Wir legen uns im Sommer programmlich nicht in die Hängematte, sondern bieten unseren Zuschauern zwischen EM und Olympischen Spielen (...) mit neuen und aufwendigen Shows allerbeste Unterhaltung.“ 

Da sind im Falle von RTL vor allem zwei neue Showformate zu nennen, mit denen der Kölner Sender das vermeintliche Sommerloch stopft. Zum einen „500 – Die Quiz-Arena“, für die Moderator 

Günther Jauch  ab dem 4. Juli fünfmal auf die Showbühne tritt. Zum anderen geht ab dem 9. Juli der Action-Wettkampf „Ninja Warrior Germany – Die stärkste Show Deutschlands“ auf Sendung, moderiert von Jan Köppen, Frank „Buschi“ Buschmann und Laura Wontorra. 

Da lassen sich natürlich auch die anderen Sender nicht lumpen und probieren Neues neben Altbewährtem aus. ProSieben hat beispielsweise neuen Serienstoff wie „Quantico“ (ab 27. Juli) im Gepäck und verweist darüber hinaus auf die neue samstägliche Showstrecke mit den Formaten „Schlag den Star“, „Das Duell um die Welt“, „Galileo Big Pictures“ sowie „Teamwork“ (ab 9. Juli). 

Interessante AlternativenNeben einem durchwachsenen Spielfilm-Angebot mit vielen Free-TV-Premieren auf beinahe allen Kanälen gibt es auch interessante Alternativen zu althergebrachten Formaten zu entdecken. In diesem Zusammenhang sei ausdrücklich auf den „ZDFdonnerstalk“ mit ZDF-„Morgenmagazin“-Moderatorin Dunja Hayali hingewiesen, der ab dem 28. Juli wie schon bei seiner Premiere im vergangenen Jahr leider wieder nur viermal auf Sendung geht. Und im Ersten werden von Wiederholungen gelangweilte „Tatort“-Fans mit fünf nigelnagelneuen Episoden der walisischen Krimiserie „Inspector Mathias – Mord in Wales“ ab dem 31. Juli entschädigt. Allerdings erst um 21.45 Uhr nach der „Tatort“-Wiederholung. 

Kleine feine SpartensenderAuch ein Blick auf die kleineren Sender und in die Spartenkanäle kann sich lohnen. So startet Super RTL für die jüngere Zielgruppe am 11. Juli um 18.15 Uhr in deutscher Erstausstrahlung die Sitcom „Mein Comic-Bruder Luke“. Freunde gehobener Krimi-Kost sollten sich hingegen schon mal den 14. Juli blutrot im Kalender anstreichen. Dann startet ZDFneo in Erstausstrahlung die in Manchester angesiedelte Serie „No Offence“ von  Paul Abbott , der einst auch als Produzent und Drehbuchautor an der Kultserie „Für alle Fälle Fitz“ beteiligt war. Und Freunde US-amerikanischer  Late-Night-Shows  werden schon seit längerem werktäglich gegen 23 Uhr bei EinsFestival mit der „ Tonight Show Starring Jimmy Fallon „ fündig. Fallon macht zwar in den USA ab kommender Woche eine klitzekleine Sommerpause, will sich aber schon am 11. Juli in alter Frische zurückmelden. Bis dahin laufen – Wiederholungen.