Sitcom meets Kabarett „Dritter Stock links – Die Kabarett-WG“ startet in der ARD

Von Hendrik Steinkuhl | 29.01.2015, 11:00 Uhr

Mit „Dritter Stock links – Die Kabarett-WG“ testet die ARD auf dem traditionellen Kabarett-Sendeplatz am Donnerstagabend eine Sitcom mit – genau: Kabarett-Elementen. Vor allem dank Autor und Darsteller Sebastian Pufpaff könnte das Experiment gelingen. Schade nur, dass die Frauenrolle des dreiköpfigen Ensembles nicht gut besetzt ist.

Seit 63 Jahren erfreuen wir uns hierzulande an einem regelmäßigen Fernsehprogramm, und in dieser langen Zeit gab es gerade einmal zwei erfolgreiche deutsche Bühnen-Sitcoms: Der Über-Klassiker „Ein Herz und eine Seele“ in der ARD und „Lukas“ im ZDF. Da wundert es nicht, dass die ARD „Dritter Stock links – Die Kabarett-WG“, die vor 300 Zuschauern aufgezeichnet wird, recht defensiv bewirbt. Wie oft das Format ausgestrahlt werden soll, ist auch noch nicht ganz klar. Vielleicht, wenn die Quoten nicht stimmen, nur ein einziges Mal? „Ich habe keine Angst vor dem Scheitern“, sagt Sebastian Pufpaff.

Der Bonner Kabarettist hatte die Idee zu dem Format, das der Bayerische Rundfunk fürs Erste produziert. Pufpaff schreibt zusammen mit Kabarett-Autor Thomas Lienenlüke die Texte der Sitcom und spielt eine der drei festen Rollen. Pufpaffs Bühnenfrau, eine ambitionierte CDU-Politikerin, wird verkörpert von Maike Kühl, im Hauptberuf Darstellerin am Düsseldorfer Kommödchen. Ihren Halbbruder, einen gescheiterten Musiker, der bei der Schwester Unterschlupf gefunden hat, spielt der bayerische Kabarettist Hannes Ringlstetter.

Interessant ist, dass alle drei ihren bürgerlichen Namen tragen, obwohl sie eine Rolle spielen. Wobei – spielt Sebastian Pufpaff als Kabarettist nicht einfach nur sich selbst? „Meine Rolle ist zu 100 Prozent identisch mit dem Kabarettisten Sebastian Pufpaff. Wie nahe der wiederum dem privaten Sebastian Pufpaff kommt, ist eine andere Frage.“

Eine Antwort darauf wäre auch schön. Da Sebastian Pufpaff das genaue Gegenteil eines prätentiösen Künstlers ist, gibt er sie, ohne zu zögern. „Was ich auf der Bühne sage, ist schon meine Sicht der Dinge. Aber der private Pufpaff ist nicht so zynisch wie der Kabarettist.“ Was der 38-Jährige sich und seinen zwei Kollegen für „Dritter Stock links“ nun ins Drehbuch schreibt, ist zumindest in Deutschland völlig neu. Auf der einen Seite tragen die drei Figuren die üblichen komischen Konflikte einer Fernseh-Wohngemeinschaft aus; die WG-Sitcom ist ja ein etabliertes Subgenre, die derzeit erfolgreichste heißt „The Big Bang Theory“ . Neu an der Sitcom Marke Pufpaff ist, dass die Figuren – ohne aus der Rolle zu fallen – kabarettistische Soli spielen. „Ich als Kabarettist habe eine klare Meinung zu Pegida, und die kann ich in dieser Rollenkonstellation darstellen“, sagt Sebastian Pufpaff. Der ausschließlich moralisierende Kabarettist, der vorne an der Rampe wütet, funktioniert seiner Meinung nach nicht mehr. Rollen gespielt und inszeniert hat man im deutschen Kabarett ja schon immer. Die ZDF-Show „Neues aus der Anstalt“ sollte eine psychiatrische Klinik darstellen, in der Urban Priol der Leiter und Georg Schramm als Lothar Dombrowski der Patientensprecher war. Originell war dieses Setting nicht, zur Unterhaltung hat es auch nicht beigetragen, und dass die Sendung trotzdem ein Erfolg wurde, verrät viel über das Kabarett-Niveau im deutschen Fernsehen.

„Dritter Stock links“ ist deshalb ein deutlicher Schritt nach vorne. Der Bayerische Rundfunk versendete vor einigen Wochen bereits eine Pilotfolge, die zeigte, dass die Sitcom absolut funktioniert. Viele Dialoge sind witzig, Sebastian Pufpaff spielt gut, und Hannes Ringlstetter als bajuwarischer Quertreiber ist sogar eine kleine Sensation. Maike Kühl allerdings sieht man in jeder Szene ihre Schauspielausbildung an. Statt zu sprechen, deklamiert sie ständig, ihre emotionalen Ausbrüche sind unglaubwürdig.

Leider sind auch die kabarettistischen Soli in der Pilotfolge vor allem eines: überflüssig. Wenn sich Sebastian Pufpaff über deutsche Kriegs- und Flüchtlingspolitik empört und sich Maike Kühl danach über die Empörung empört, ist schon wieder viel zu viel „Scheibenwischer“ und „Die Anstalt“ in die Sitcom gesickert.

Im Gespräch mit unserer Redaktion zitiert Sebastian Pufpaff den Kollegen Jochen Malmsheimer mit den Worten: „Egal ob Comedy oder Kabarett: Lustig muss es sein.“ Dass er lustig sein kann, hat Sebastian Pufpaff schon bewiesen – meisterhaft, als er im vergangenen Jahr als Moderator des „Prix Pantheon“ 18 Minuten lang über einen Kabelbruch hinwegimprovisierte .

Es wäre doch schön, wenn er diesen Humor in der neuen Show einfach ausleben würde und das Bekenntnis-Kabarett wegließe. Dann wäre „Dritter Stock links“ zwar nur eine weitere WG-Sitcom. Aber dafür eine richtig gute.

Dritter Stock links – Die Kabarett-WG“, ARD, 22.45 Uhr.

Am 7. März ist Kabarettist Sebastian Pufpaff zu Gast in der Osnabrückhalle.