Schweiger als Kommissar im Gespräch Til am „Tatort“?

Von Joachim Schmitz | 11.09.2011, 12:36 Uhr

Die Tage von Schauspieler Mehmet Kurtulus als verdeckter Hamburger „Tatort“-Ermittler sind gezählt – sein Nachfolger könnte Til Schweiger heißen. Zumindest verdichten sich die Anzeichen für diesen Wechsel.

Wenn „FAZ“ und „Spiegel“ dieselben Glocken läuten hören, müsste eigentlich etwas dran sein an der Geschichte. Beide berichteten am Wochenende übereinstimmend, der NDR liebäugele damit, die frei werdende Stelle des Kommissars an der Alster mit dem 47-jährigen Schweiger zu besetzen. Dies verlaute „hartnäckig aus Produzentenkreisen“, meldete die „FAZ“ – obwohl sich Schweiger seit 15 Jahren aus dem Fernsehen zurückgezogen hat und sich seitdem aufs Kino-Geschäft konzentriert.

Auch die Stellungnahme des NDR war alles andere als ein klares Dementi. „An Spekulationen – so faszinierend oder absurd sie auch sein mögen – beteiligen wir uns nicht“, verkündete der für den „Tatort“ zuständige Unterhaltungschef des Senders Thomas Schreiber und gab sich damit erkennbar wenig Mühe, das Feuerchen auszutreten.

François Werner, der gewöhnlich gut unterrichtete Betreiber der Internet-Plattform „tatort-fundus“, hat allerdings „auch nur aus der Presse“ von der Personalie Schweiger erfahren. Ihm zufolge waren zuletzt vor allem Wotan Wilke Möhring und Dominique Horwitz als neue Hamburger Kommissare hoch gehandelt worden. Til Schweiger finde er in der Hansestadt jedenfalls „schwer vorstellbar“, sagte Werner unserer Zeitung. Vermutliche verfalle der NDR dann wieder auf das Modell „Ermittler zieht in die Stadt“, statt eine bodenständige Figur mit Hamburger Schnauze zu wählen, die glaubhaft Hamburger Geschichten erzählen könne.

Eigentlich, so Werner, wäre die Zeit reif dafür, „dass auch mal eine Frau in einer Großstadt ermittelt, wo tatsächlich Kriminalität stattfindet“. Stattdessen seien die „Tatort“-Kommissarinnen bislang in Ludwigshafen, am Bodensee und in der niedersächsischen Provinz angesiedelt.

Der „Tatort“ Hamburg ist allerdings schon länger kein gutes Pflaster für Kommissare mehr. Als Nachfolger des glück- und am Ende auch lustlosen Robert Atzorn wurde Mehmet Kurtulus als Cenk Batu zwar von der Kritik begeistert gefeiert, blieb aber hinter den Quoten der meisten Kollegen deutlich zurück. Ende Februar hatten nur noch 6,83 Millionen Zuschauer die Folge „Leben gegen Leben“ eingeschaltet, Kurtulus und der NDR mussten den Quoten-Tagessieg der ZDF-Schmonzette „Tante Inge haut ab“ überlassen. Bei einer solchen Schmach schrillen für gewöhnlich in den ARD-Anstalten die Alarmglocken.

Tatsächlich verkündete der NDR wenige Tage später das Aus für seinen türkischstämmigen Ermittler – angeblich, weil dessen Darsteller sich wieder verstärkt seinen internationalen Filmprojekten zuwenden wolle. Damit hatten beide Seiten das Gesicht gewahrt, auch wenn die Gründe für die Trennung womöglich ganz andere waren. Laut NDR wurde vor wenigen Tagen die fünfte „Tatort“-Folge mit Kurtulus abgedreht, ein Sendetermin ist noch offen. Im November soll dann die sechste und letzte Folge entstehen, bevor im nächsten Jahr ein neuer Ermittler installiert wird.

Sollten sich die Gerüchte um Til Schweiger bewahrheiten, würde sich ein seit längerer Zeit erkennbarer Trend in der ARD fortsetzen: Die Stellen der Kommissare in „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ werden fast nur noch mit top-prominenten Schauspielern besetzt, die ein gewisses Quotenniveau garantieren. Zuletzt hatte der Hessische Rundfunk Ulrich Tukur und Joachim Król als „Tatort“-Kommissare verpflichtet, der Bayerische Rundfunk holte Matthias Brandt zum „Polizeiruf“ nach München. Fehlt eigentlich nur noch die Ferres, oder?

Nein, denn es könnte schon bald eine Ausnahme von dieser Regel verkündet werden. Im Oktober will der WDR bekannt geben, dass es einen dritten „Tatort“ aus Nordrhein-Westfalen geben wird. Zwar ist noch nichts offiziell, aber offenbar stehen alle Zeichen auf Dortmund als zusätzlichen Krimi-Standort neben Köln und Münster. Dann hätte das Krimi-Flaggschiff der ARD endlich wieder auch ein Standbein im Ruhrgebiet, das schließlich so legendäre „Tatort“-Kommissare wie Heinz Haferkamp (Hansjörg Felmy) und Horst Schimanski (Götz George) hervorgebracht hat.

Top-Favorit für die Stelle des vermutlichen Dortmunder Kommissars ist Jörg Hartmann, ein im benachbarten Hagen geborener und in Herdecke aufgewachsener Schauspieler, der eben nicht über den üblichen Promi-Bonus verfügt. Mit Nobodys an die Spitze – so ist Borussia Dortmund in der abgelaufenen Saison deutscher Fußball-Meister geworden. Da wollen wir an dieser Stelle nicht nach der aktuellen Verfassung des Hamburger SV fragen...