„Schlag den Star“ Was macht Stefan Raab so erfolgreich?

Von Daniel Benedict | 19.07.2014, 13:00 Uhr

Stefan Raabs „Schlag den Star“ rüstet auf. Ab jetzt treten Stars gegen Stars an. Zum Auftakt lacht Stefan Raab über Michael Wendler, der Axel Stein herausfordert. Wie schlagen sich Larissa Marolt, Steffen Henssler, Marco Schreyl und Thore Schölermann?

„Am Samstag will Prosieben noch häufiger die erste Adresse für Shows im deutschen Fernsehen sein“, hat Geschäftsführer Wolfgang Link gerade mitgeteilt. 20 Samstagabend-Shows will er allein bis Jahresende noch senden. Neues von Joko und Klaas wird dabei sein. Und, Atem anhalten: „Stefan Raab arbeitet an einer neuen Idee.“

Ideen hat Raab ja reichlich, was auch immer am Ende dabei rauskommt. Mal erfindet er den „Doosh“-Kopf neu, mal mischt er das politische Fernsehen auf, indem er sich ins Kanzler-Duell mogelt. Oder indem er den unausgesprochenen Wettkampf-Charakter von Polit-Talks zum ausdrücklichen Spielprinzip seiner Gesprächssendung „Absolute Mehrheit“ macht.

Vorerst kommt allerdings eine noch einmal eine alte Idee ins Fernsehen: Am Samstag zeigt Prosieben die sechste Staffel der Spielshow „Schlag den Star“ mit aufgefrischtem Konzept: Wo bislang Hautärzte und Gerüstbauer gegen Prominente antraten, schlagen sich die Stars nun gegenseitig.

Den Auftakt machen Michael Wendler und Axel Stein. Im Zwei-Wochenrhythmus folgen dann die Paarungen Larissa Marolt gegen Annica Hansen, Steffen Henssler gegen Joey Kelly sowie Thore Schölermann gegen Marco Schreyl. Richtige Stars sind das eigentlich alles nicht, aber Raab und sein Publikum kennen sie trotzdem gut – als Moderatoren, Berufskandidaten oder Stammkombattanten seiner Shows.

Wie schlimm war die Wendler-Blamage? Hier geht‘s zur Kritik.

Ein bisschen dürfte die Reform damit zu tun haben, dass die Show nach Spitzenwerten von über drei Millionen Zuschauern in den letzten zwei Staffeln auf Minusrekorde von unter anderthalb Millionen Zuschauern gefallen ist. Eine Schande ist das Rumrudern aber noch lange nicht. Zumal ständiges Umarbeiten von jeher Teil von Raabs TV-Ästhetik ist.

Die gründete sich von Anfang an auf das dasselbe Prinzip: Raab sampelt, parodiert und überschreibt bewährte, womöglich schon leicht angestaubte Ideen – und veredelt sie dabei so gründlich, dass sie wie etwas vollkommen Neues erstrahlen. Mit diesem Kunstgriff hat er schon 1996 der Titelmelodie zur „Sendung mit der Maus“ zu einer Goldenen Schallplatte verholfen – da war das Lied schon 25 Jahre alt. Für eine neue Prunksitzung ist er Karnevalist geworden. Und auch sein Engagement für den Eurovision Song Contest war Ausweis einer brillanten Resteverwertung: halb liebevolle Parodie des Klassikers, halb spöttisches Plagiat der RTL-Castings – und im Ganzen doch eine echte Innovation.

Zur Dramaturgie des Neuerfindens kommt das produktive Wuchern: Raabs Formate wachsen immer weiter, gliedern sich in Unterabteilungen und bringen so immer neue Konzepte hervor. Aus dem Casting SSDSGPS („Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star“) erwächst der Nachfolger SSDSDSSWEMUGABRTLAD („Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf!“). Und ihrerseits sind beide Shows Auskoppelungen von Raabs „TV Total“.

Die zunächst wöchentlich gesendete Late-Night-Show ist vor 15 Jahren im Fahrwasser der „Harald Schmidt Show“ entstanden und sogar wie diese im Kölner Capitol produziert worden. Inzwischen hat das Format kaum noch überschaubare Ableger hervorgebracht: Poker-Turniere, Wok-Rutschpartien, Stockcar-Rennen und Autoball-Wettbewerbe. Sportliche Disziplinen, von denen die breite Öffentlichkeit kaum wusste, erweisen sich als showtauglich – nur weil sie Stefan Raab Spaß machen.

Die Shows dazu funktionieren weltweit. Schon die erste Staffel „Schlag den Star“ war eine Variante von „Schlag den Raab“ – und als Reimport von den Versionen inspiriert, die das Mutterformat in Ländern wie Großbritannien, Australien, Frankreich und Serbien hervorgebracht hat. Auch dieses Konzept ist dem ständigen Wandel unterworfen. Reichlich gemolken wurde es allerdings auch; selbst das Konsolenspiel zur Show wurde schon zweimal fortgesetzt. Kein Problem: Raab arbeitet ja an der neuen Idee!

„Schlag den Star: Wendler vs. Stein“. Prosieben, Samstag, 19. Juli 2014, 20.15 Uhr.