Saalrunde pro Tor: Pleite nach 7:1 „Postillon“ leimt russisches Staats-TV mit WM-Ente

Von Daniel Benedict | 10.07.2014, 21:29 Uhr

Das Satireportal „Der Postillon“ beweist einmal mehr seine Notwendigkeit: Das russische Staatsfernsehen hat seinen Fake-Bericht über den deutschen Halbfinal-Sieg gegen Brasilien aufgegriffen, der zu schön war, um erfunden zu sein.

Triumph für Stefan Sichermann vom „Postillon“: Russische Medien zitierten eine fiktive Nachricht seines Satireportals, die für eine Gegenrecherche tatsächlich viel zu schön war. Die Schlagzeile der Fake-Nachricht zum Brasilienspiel: „Kneipenwirt, der für jedes deutsche Tor einen Schnaps gratis versprochen hat, pleite“. Der Artikel berichtet sogar von zusätzlichen Katastrophen: von 62 Gästen mit Alkoholvergiftung, von einer Sehnenscheidenentzündung, die der Sportsbar-Besitzer Alexander P. sich beim Ausschenken zugezogen hat, und in der Bildzeile ist noch von einem ganz besonders tragischen Zufall die Rede: Danach hatte der Wirt, um sich abzusichern, 100 Euro auf ein 7:0 gesetzt. Knapp vorbei!

All diese Signale der übertreibenden Ironie sind den russischen Rechercheuren vom Staatssender „ Rossija 24“ entgangen, als sie die vermeintliche Nachricht in einem eigenen Bericht aufgegriffen haben. Inzwischen hat der „Postillon“ auf seiner Facebook-Seite sieben Links osteuropäischer Medien gesammelt, die der Geschichte auf den Leim gegangen sind – und damit die Notwendigkeit untermauern, einen Journalismus des schlichten Abschreibens satirisch auf die Probe zu stellen. Weshalb auch wir gleich dazu sagen: Der „Postillon“ ist unsere einzige Quelle für seinen Coup. Die Internetseiten gibt es tatsächlich; aber selbstverständlich sind sie in kyrillischer Schrift verfasst.

In deutschen Medien ist der „Postillon“ inzwischen so bekannt, dass er die Kollegen mit verzwackteren Tricks reinlegen muss: Als am 2. Januar über den geplanten Wechsel Ronald Pofallas zur Deutschen Bahn berichtet wurde, hat Sichermann es als Satire aussehen lassen – indem er die Nachricht mit dem früheren Datum vom 1. Januar selbst verbreitete. Tatsächlich glaubten deshalb viele, auch diese harte Nachricht sei erfunden.