„Tatort“ heute Abend aus Köln Rätsel mit Schenk und Ballauf: War es überhaupt Mord?

Von Daniel Benedict | 06.01.2019, 01:26 Uhr

Liegt überhaupt ein Verbrechen vor? Der Kölner „Tatort: Weiter, immer weiter“ führt Schenk und Ballauf aufs Glatteis.

Unfall oder Mord? Aus dieser Frage macht der Kölner „Tatort: Weiter, immer weiter“ heute Abend ein Rätselspiel für die Kommissare Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt).

Wovon erzählt der „Tatort“ aus Köln?

Ein junger Mann flieht bei einer Verkehrskontrolle und stirbt unter der Straßenbahn. Geriet er wegen der Drogen in Panik, die er im Blut und im Handschuhfach hatte? Hat die Russenmafia ihn in den Tod getrieben? Das zumindest glaubt Frank Lorenz – auch wenn die Bilder einer Überwachungskamera seiner Wahrnehmung widersprechen. Womöglich ist Streifenpolizist also nur überarbeitet. Vielleicht aber hat er auch Recht und wird von Kollegen im Auftrag der Mafia mundtot gemacht. Nur dann liegt überhaupt ein Verbrechen vor, in dem ermittelt werden muss. Was stimmt, muss ausgerechnet Freddy Schenk (Dietmar Bär) entscheiden: ein alter Freund des Verkehrspolizisten.

Wer’s glaubt: Unzuverlässiges Erzählen

In seinem „Tatort: Weiter, immer weiter“ betreibt Sebastian Ko (Regie) ein Spiel mit falschen Gewissheiten. Der Schönheitsfehler: Der Mut zur Verunsicherung reicht nicht bis in die Dialoge, die immer wieder plump den Film erklären. Mal führt ein Täter Selbstgespräche über sein Motiv, mal läuft im Hintergrund ein TV-Bericht über die Arbeitsverdichtung, unter der hier alle stöhnen. Damit handelt der Kölner „Tatort“ nicht nur von einem Mann, dem keiner glaubt. Seinen Schauspielern glaubt man auch nicht – trotz eines sonst so tollen Episoden-Stars wie Roeland Wiesnekker.

„Tatort“ heute zwischen Coup und Routine

Auch inszenatorisch schwankt der Fall zwischen den Extremen. Auch Ko bedient die auf dem ARD-Dampfer üblichen Routinen, formuliert ein überdeutliches Anliegen und nimmt träge Gesprächsszenen in Kauf, in denen Schenk und Ballauf die Kantine des neuen Präsidiums erproben. Neben solchen wie abgehakt wirkenden Sequenzen gibt es aber auch andere, in denen mit großer Gestaltungslust visuell und stimmungsvoll erzählt wird. Eine Verfolgungsjagd, bei der Wiesnekkers Antiheld zu Fuß durch die Lappen einer Autowaschstraße irrt, ist so schön, dass man sie am liebsten noch mal im Kino sehen würde. Ein suggestive Kneipen- und Tanzszene würde denselben Sog entwickeln, wenn sie mehr Zeit bekäme. Stattdessen wird sie immerhin zum Abspann hin noch mal zitiert.

Mit einem schiefen Vergleich wirkt der Film damit ein bisschen wie seine eigene Hauptfigur – die auf etwas ganz Großes aus ist, aber unter der Übermacht des Systems ins Straucheln gerät.

„Tatort: Weiter, immer weiter“, ARD, Sonntag, 6. Januar, 20.15 Uhr

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