Quotenabsturz für ZDF-Talkshow Inka Bause: Mit Karacho gegen die Wand

Von Frank Jürgens | 06.09.2013, 18:03 Uhr

Das ZDF steckt am frühen Nachmittag seit Langem im Quotentief. Nun soll die dauerfröhliche Inka Bause ausgerechnet mit einer wochentäglichen Talkshow den Karren aus dem Dreck vom Lerchenberg ziehen. Und saust dabei mit Karacho vor die Wand. Ein Nachruf nach nur einer Woche.

Am Mittwochnachmittag ließ die neue ZDF-Talktante Inka Bause die Bombe platzen. Mindestens zehn Jahre werde es die Sendung mit ihrem Vornamen noch geben. Müsse es sie noch geben. Dann steht nämlich fest, ob sich Studiogast Stefan Günther tatsächlich für immer zum Mars schießen lässt oder auch nicht. Und den Günther, den möchte die Inka in „inka!“ vorher natürlich gerne noch einmal sprechen.

ZDF-Zombie

Es kann natürlich auch passieren, dass das ZDF sein neues Quasselformat schon viel früher zum Mond, Mars oder sonst wohin schießt. Denn schon nach einer Woche zeichnet sich ab, dass die Sendung nicht nur durch gepflegte Langeweile besticht. Auch die ohnehin mauen Einschaltquoten, mit denen das ZDF am frühen Nachmittag seit Ewigkeiten zu kämpfen hat, werden nun endgültig vor die Wand gefahren. Nach etwas mehr als 800000 Zuschauern zur Premiere ging es rasch unterhalb von 500000. Völlig desolat ist die Lage bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern. Mit Marktanteilen im unteren einstelligen Bereich sind diese quasi gar nicht vertreten. Zum Vergleich: Die wegen „inka!“ abgesetzte Show „Topfgeldjäger“ erreichte mit rund einer Million Zuschauern stets höhere Werte. Und Das Erste strotzt zur gleichen Sendezeit beim „Sturm der Liebe“ mit gut zwei Millionen Stammzuschauern und Marktanteilen oberhalb der 20-Prozent-Marke nur so vor Kraft.

Für Bause, die mit dem RTL-Erfolg „Bauer sucht Frau“ gänzlich andere Quoten kennt, muss das eine völlig neue Erfahrung sein. Dabei hätten eigentlich alle Beteiligten wissen müssen, dass das Format einer nachmittäglichen Talkshow derzeit toter als nur tot ist. „Fliege“, „Meiser“, „Arabella“ und Konsorten sind längst Vergangenheit. Und „Britt“ wurde unlängst als letzte Verwesende des einst massenhaft verbreiteten Formats zu Grabe getragen. Für ein Revival der täglichen Quasselsendungen ist es also noch viel zu früh. Und für eine Reanimation zu spät. Was das ZDF da nun auf seine Gebührenzahler loslässt, ist nichts Geringeres als ein Untoter. Ein echter Zombie. Und vor diesem ZDF-Zombie nehmen nun auch die letzten Zuschauer Reißaus. Dabei sollte das Format für die Moderatorin mit der putzigen Frisur, zu der sich gleich in der ersten Sendung Starfriseur Udo Walz gesellte, doch komplett neu erfunden werden. Nicht Krawall, sondern nette Unterhaltung mit Orangensaft statt Alkohol für Jenny Elvers stand bereits auf dem Programm. Und erweckte unweigerlich die Assoziation, dass „inka!“ irgendwie an die naturbesoffene Ina Müller in ihrer Kneipe erinnert. Nur, dass „inka!“ statt in einem Wirtshaus in einer künstlich wirkenden Loftwohnung mit Sofa aufgezeichnet wird, wo normalerweise kein Alkohol ausgeschenkt wird. Außer zum Wochenausklang am Freitag und nicht nur sehr zur Freude von Henry Hübchen.

Ein anderes Problem ist die Sache mit der Schleichwerbung, die sich bereits überdeutlich in der zweiten Sendung am Dienstag breit gemacht hat. Ausgerechnet für eine Diät durfte kräftig die Werbetrommel gerührt werden. Moment mal. Diät? Schleichwerbung? War da nicht mal was im ZDF?

Natürlich. Andrea Kiewel ist über massive Schleichwerbung für Gewichtswächter mächtig ins Straucheln gekommen und hätte deswegen beinahe für immer ihren geliebten „Fernsehgarten“ verloren. Dort durfte Inka Bause mit dem superlustigen Slogan „Mach mal Bause“ am vergangenen Sonntag schon mal kurz ein wenig Eigenwerbung treiben. „Nicht nur auf dem Sofa sitzen und quatschi quatschi“, resümierte Kiewel das Konzept von „inka!“. Die sich nun werktäglich auf dem Sofa räkelt und „quatschi quatschi“ mit Promis, Kuhfriseuren, abgestandenen Musikern und Waschnuss-Opfern macht. Bei „Arabella“ gab es einst die Rubrik „Schrilli der Woche“.

Realitätsverlust?

Wie lange das ZDF diesen unkontrollierten Rücksturz in die 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts noch durchhält, ist die wohl spannendste Frage, die sich mittlerweile stellt. Nur nicht für die Moderatorin. Denn die ließ am Donnerstag ihre staunenden Gäste vor der Kamera und die Zuschauer vor den Bildschirmen vernehmen: „Dann geht’s weiter, wenn’s gut läuft. Wie bei mir!“ War das Trotz? Erstes Symptom eines fortschreitenden Realitätsverlustes? Oder doch bereits ein schlecht versteckter Hilferuf? Egal. Am Ende durften zwei singende indische Taxifahrer einen „Hauch von Bollywood“ verbreiten und trotzig „Inka ist einfach toll“ singen. Sie meinten mit Sicherheit die Frau, nicht die Show.

Ach, nehmen wir doch nächste Woche einfach mal all unseren Mut zusammen und schalten „inka!“ ein. Nur ganz kurz. Aber solange es halt noch geht.