Quote nach Sommerpause schlecht ARD-Talk-Check: Anne Will ist Verliererin der Talk-Rochade

Von Joachim Schmitz | 02.09.2011, 10:38 Uhr

Anne Will musste den begehrten Sendeplatz am Sonntagabend für Günther Jauch räumen. Das konnte nicht ohne Folgen bleiben.

Sendeplatz: Die einstige Quoten-Queen ist die Verliererin der Talk-Rochade im Ersten. Sie musste trotz hervorragender Resonanz auf den Mittwoch ausweichen.

Thema: Es ging um „Wut im Bauch“ – anknüpfend an die Jugendkrawalle in England. Dieses Thema ist nicht nur auf der Insel brisant, sondern könnte auch bei uns schon bald eine Rolle spielen – die brennenden Autos von Berlin und Hamburg zeigen es.

Konzept: Weg von der Tagespolitik, hin zum gesellschaftlichen Problem, scheint das neue Konzept zu sein. Wichtiger aber noch: Will beginnt mit nur noch einem Gast, mit dem sie sich fast 20 Minuten lang unterhält. Dann kommen die anderen nach und nach dazu. Das ermöglicht weitaus intensivere Gespräche als in großer Runde, als wenn in einer großen Runde sofort durcheinanderpalavert wird.

Moderation: Anne Will wirkte entspannt, locker und dennoch klar und bestimmt. Fast könnte man meinen, der Abschied vom Sonntagabend und der großen Tagespolitik habe ihr gutgetan.

Gäste: gute Auswahl. Das Einzelgespräch zu Beginn der Sendung führte sie mit dem früheren Gang-Mitglied und heutigen Spitzenkoch Tim Raue, als Zweiten nahm sie den Rapper Sido hinzu. Erst als sich Edmund Stoiber (als einziger Politiker) in die Runde gesellte, wurden Erinnerungen an fruchtlose Politiker-Talkdebatten wach.

Erkenntnisgewinn: Das Zuschauen hat sich gelohnt, vor allem dank Sido und Tim Raue. Die wissen, wie es da zugeht, wo es anfängt zu brennen. Manche Themen lassen sich besser ohne Politiker erörtern, die nur sich und ihre Partei ins rechte Licht rücken wollen.

Quote: Eine Katastrophe – verglichen mit dem bisherigen Sonntags-Talk verlor Anne Will fast drei Viertel ihrer Zuschauer. 1,22 Millionen schalteten ein (8,5 Prozent Marktanteil). Vor der Sommerpause waren es am Sonntagabend im Schnitt 4,12 Millionen und 14,3 Prozent. Immerhin hatte sie ein paar Zuschauer mehr als Markus Lanz (1,06 Millionen), obwohl der einen höheren Marktanteil (9,3 Prozent) erzielte.