Probleme und Ärger sind Alltag Echt hart: Marie Lafont leitet ein Männergefängnis

Von Susanne Haverkamp, Susanne Haverkamp | 17.06.2016, 08:36 Uhr

Alltag im Männergefängnis: Gewalt, Regelverstöße, Lügen, Trotz, Tränen. Und mittendrin eine Frau: Marie Lafont, die Knastchefin. Am 17.6. um 21.45 Uhr bei Arte

Marie Lafont ist jung, blond, nett – und stellvertretende Direktorin in einem französischen Männerknast. Der Job scheint nicht zu ihr zu passen, und auch sie selbst spricht von anfänglichen Zweifeln, ob sie die notwendige Autorität ausstrahlen könne, um vor den „schweren Jungs“ zu bestehen.

Dass dieser Film zustande gekommen ist, hat mit der persönlichen Freundschaft zwischen der Regisseurin Eve Duchemin und Marie Lafont zu tun. Nur so ist es gelungen, wirklich dicht dran zu sein: bei Aufnahmegesprächen, im „Disziplinarausschuss“, bei Konfliktgesprächen mit Mitarbeitern. Hier zeigt sich: Im Beruf hat Marie Lafont alles, was sie braucht: Selbstbewusstsein, Härte, Standhaftigkeit, Korrektheit.

Ein Job, der sie manchmal zerreißt

Aber was macht das mit ihrem privaten Leben, das es kaum noch gibt, seit sie direkt neben dem Knast irgendwo im Nirgendwo lebt und auch abends noch Papiere bearbeitet? Dass ihr Job sie manchmal zerreißt, ist der engagierten Frau bewusst. Dass sie einsam ist, auch. Aber sie findet, sie habe einen „ spannenden Beruf „, Knastchefin zu sein, sei „eine Lebensentscheidung“.

Zu beneiden ist Marie Lafont nicht um diesen Posten, der nur aus mehr oder weniger großen Problemen und aus Ärger besteht. Immer häufiger will sie „einfach nur weg“. Nichts kann man nach diesem sehr nahen und berührenden Film besser verstehen.

Wertung: 5 von 6 Sternen

Die Knastchefin, Freitag, 17.6.2016, 21.45 Uhr, Arte