Heute Abend im ARD-Programm Polizeiruf 110 aus Rostock: "In Flammen" mit brauner Soße

Von Joachim Schmitz | 10.06.2018, 14:30 Uhr

Letzter ARD-Sonntagskrimi vor einer langen Sommerpause: Das Erste zeigt mit „In Flammen“ heute Abend den 17. Polizeiruf 110 aus Rostock, der allerdings nicht so stark ist wie viele seiner Vorgänger. Anneke Kim Sarnau als Profilerin Katrin König und Charly Hübner als Kommissar Alexander „Sascha“ Bukow spielen gegen ein überfrachtetes Drehbuch an.

So langsam hat man das Gefühl, auf dem Sendeplatz am Sonntagabend nach der Tagesschau seien nun alle Reichsbürger und völkischen Siedler des Landes persönlich vorgestellt worden. Nach dem Schwarzwald-Tatort „Sonnenwende“ Mitte Mai und dem Münchner Tatort „Freies Land“ am letzten Sonntag geht es auch diesmal wieder um einen Haufen rechtsgerichteter Siedler, die einen Staat im Staat aufgemacht haben, um ihrer Blut und Boden-Ideologie nachzugehen. (So gut war der Tatort "Freies Land")

Doch zunächst mal geht es um eine populistische Partei. Diesmal heißt sie PFS, Partei für Freiheit und Sicherheit. Sylvia Schulte ist ihre Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt in Rostock. Der Film beginnt mit einer Walkampfrede von ihr, die in den Kernsatz mündet: „Dies ist Euer Land, holt es Euch zurück.“ Lange zu leben hat sie da nicht mehr. (So war der letzte Polizeiruf aus Rostock)

Der Beifall ist kaum abgeklungen, da zeigt Regisseur Lars-Gunnar Lotz, wie die trotz Knebel flehende Politikerin mit Benzin übergossen, angezündet und bei lebendigem Leib verbrannt wird. Als Rechtspopulist lebt man im Fernsehkrimi verdammt gefährlich.

Das Mordopfer hatte eine rechtsradikale Vergangenheit – und so gerät auch ihr Ex-Mann Erik Meissner (Patrick von Blume) ins Visier der Ermittler. Der hat wieder geheiratet, lebt auf dem Dorf als völkischer Siedler und betreibt dort einen Bio-Bauernhof. „Unser braunes Bullerbü“, wie Ermittler Thiesler (Josef Heynert) lakonisch anmerkt. Nicht wirklich, denn die Darstellung dieser völkischen Siedler ist derart dick aufgetragen, dass man das Gefühl hat, die Reichskriegsflagge wehe aus dem Fernseher. Da hat Drehbuchautor Florian Oeller ein bisschen viel braune Soße angerührt. (So gut war der Tatort "Sonnenwende")

Überhaupt krankt dieser Polizeiruf diesmal an der Figurenzeichnung. Der persönliche Referent der ermordeten Rechtspopulistin ist ein anerkannter syrischer Flüchtling, der erstaunlicherweise absolut akzentfreies Deutsch spricht. Die Kinderchen der Siedler sehen aus, als wären sie Aufnahmekandidaten für Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel (BDM). Und der PFS-Fraktionsvorsitzende ist natürlich ein Intrigant aus dem Bilderbuch.

Auch das Verhalten von König und Bukow mutet sonderbar an. Dass er mit vorgehaltener Waffe Informationen aus dem Chef der völkischen Siedler pressen will, mag ja noch zur ruppigen Bukowschen Art passen. Aber dass sie sich nach einem Steinwurf ins Kommissariat nicht mal das Blut aus dem Gesicht wischt, bevor sie einen hochrangigen PFS-Politiker vernimmt und dann auch noch erklärt, ihr sei der Tuschkasten explodiert, ist einfach zu dicke und plump.

Und dann gibt’s da auch noch dieses Disziplinarverfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen König, in dem Bukow aussagen soll und das die Stimmung zwischen den beiden trübt. Die sogenannte horizontale Erzählweise, mit der Themen wie in einer Serie von der einen Folge in die nächste transportiert werden, ist ja schön und gut. Aber wenn – wie beim Rostocker Polizeiruf - über ein Jahr seit der letzten Folge vergangen ist, macht sie wenig Sinn und überfordert die Zuschauer.

Interessanter ist da schon, was Anneke Kim Sarnau im Interview mit unserer Redaktion über die Gagenstruktur beim Polizeiruf 110 aus Rostock verriet. Sie bekomme noch nicht so lange die gleiche Gage wie Charly Hübner und dahin sei es „ein langer und auch kein einfacher Weg“ gewesen, berichtete die 43-Jährige. Offenbar musste der NDR da zum Jagen getragen werden, zumindest lassen das Sarnaus Worte vermuten: „Ich wäre ausgestiegen, wenn man mir nicht die gleiche Gage gezahlt hätte, und das habe ich auch ganz klar gesagt.“ (Hier gibt es das vollständige Interview mit Anneke Kim Sarnau)

Mittlerweile hat man sich aber wieder zusammengerauft. In dieser Woche begannen unter der Regie und nach einem Buch von Damir Lukacevic die Dreharbeiten zum 20. Polizeiruf aus Rostock mit dem Arbeitstitel „Dunkler Zwilling“.

Polizeiruf 110: In Flammen. Das Erste, Sonntag, 10. Juni 2018, 20.15 Uhr.