Politik und Alien-Sex LeFloid im ultimativen YouTube-Gewissenstest

Von Daniel Benedict | 20.09.2013, 01:09 Uhr

Was taugt Raab? Wie hätte das Kanzler-Duell auf YouTube ausgesehen? LeFloid erklärt es. Unter diesem Namen begeistert Florian Mundt auf YouTube eine Million User für seine LeNews.

Eine Million Zuschauer klicken die Videos von LeFloid an – und diskutieren danach über Generationengerechtigkeit, christlichen Fundamentalismus oder, naja, vielleicht auch über Sex mit Außerirdischen. Im ultimativen Gewissenstest erklärt Florian Mundt (so sein richtiger Name), was ihm an Nachrichtensprechern im Fernsehen stört, ob er die Bundestagswahl verschlafen hat – und ob er sich selbst überhaupt als Journalist begreift. Oder doch eher als Longboarder.

1. Dein YouTube-Kanal macht Lust auf politische Themen und eine eigene Meinung – ausgerechnet in den letzten zwei Wochen hast du ihn einer Urlaubsvertretung überlassen. Warum ist die Bundestagswahl für einen YouTube-Nachrichtenmann unwichtig?

LeFloid: Unwichtig ist die Bundestagswahl auf gar keinen Fall für mich. Aber ich muss nicht jede Hochrechnung jeden Tag aufgreifen, um auf das Thema aufmerksam zu machen, sondern nutze die Donnerstagssendung vor der Wahl noch mal als Aufruf. Und meine Freunde haben mich super vertreten. Der Urlaub war schon lange gebucht und richtet sich nach Urlaubszeiten meiner Freundin, Semesterferien, der Möglichkeit, meinen Kanal überhaupt von jemandem vertreten zu lassen, etc. Diesen jetzt mit einem Desinteresse an der Wahl in Verbindung zu bringen, wäre also falsch.

2. Was bist du von Beruf: a) Journalist, b) Entertainer, c) Skater?, d) Anarchist, e) Pädagoge? (Mehrfachnennungen möglich.)

LeFloid: Ich bin Videoblogger. Das macht mich wahrscheinlich eher zum Kommentator, als zum Journalisten im klassischen Sinne. Ich versuche, Entertainer zu sein, das bringt das Bloggen auf YouTube mit sich und macht mir riesigen Spaß. Skater, besser Longboarder, bin ich durch und durch. Anarchist bin ich weniger, ich habe aber zu allem eine Meinung, wie hoffentlich jeder auf dieser Welt, und bringe diese gern ehrlich, fröhlich, begeistert, zynisch, sarkastisch, betroffen, oder wie es die Situation eben mit sich bringt, unter die Leute. Pädagoge bin ich wohl auch nicht. Ich rege sicherlich dazu an, sich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen, sehe mich allerdings nicht als Rollenvorbild oder Wertevermittler. Wenn jedoch Menschen meine Meinung teilen, wenn es um die Wichtigkeit von Zivilcourage oder Mitsprache geht, dann freut mich das sehr.

3. Wie hätte das Kanzler-Duell auf YouTube ausgesehen?

LeFloid: Weniger „Scripted Reality“, mehr echter Schlagabtausch. Ich mag die amerikanischen Rededuelle, wo es zu emotionalen Ausbrüchen kommen kann, wo ein Kandidat eventuell gezwungen ist, sein wahres Gesicht zu offenbaren. Ich denke, ähnlich wäre es auch für YouTube interessant.

4. Wenn es darum geht, Jugendlichen Politik zu vermitteln, ist Stefan Raab derzeit die letzte Hoffnung der Fernsehmacher. Zu Recht?

LeFloid: Stefan Raab wirkte weniger abgeklärt, emotionaler, einfach greifbarer als die anderen Moderatoren. Die letzte Hoffnung ist er sicherlich nicht, da gibt es bestimmt für jeden etwas oder jemanden nach seinem Gusto, aber ich schaue mittlerweile so wenig Fernsehen, dass ich die Frage so genau gar nicht beantworten kann. Im TV fehlt die Interaktion und das direkte Feedback. Er hat während des Duells auf jeden Fall für etwas frischen Wind gesorgt, was recht angenehm war ... Von den Kanzlerkandidaten kam da ja eher eine müde Flaute.

5. Du unterstützt Petitionen für Generationengerechtigkeit und gegen fragwürdige Doku-Soaps – und sammelst Unterschriften dafür, dass die Bundesregierung den Todesstern aus „Star Wars“ nachbauen lässt. Warum sind Online-Kampagnen attraktiver als Parteipolitik?

LeFloid: Man sieht Ergebnisse in Echtzeit. Jeder kann und darf mitmachen und sich an etwas beteiligen, das ihm sofort das Gefühl gibt, Teil eines Ganzen zu sein. Durch die ständige Aktion mit der Community wird daraus etwas Spannendes. Alles das, was Parteipolitik irgendwie nicht ist. Dafür passiert zu viel hinter verschlossenen Türen.

6. Seit du das erste Mal wählen durftest, ist Angela Merkel Kanzlerin – was glaubst du, mit deiner Stimme verändern zu können?

LeFloid: Mit meiner Stimme leiste ich einen Beitrag ... Ich vermittle eine Botschaft. So wie ein jeder, der zur Wahlurne geht und seine Stimme abgibt. Ich lehne es ab, passiv zu bleiben und mich hinterher über etwas aufzuregen, wofür oder wogegen ich nichts getan habe. Wer nicht wählen geht, hat nicht das Recht, sich über die Arbeit der Parteien aufzuregen, ihm war es schließlich egal.

7. Wo informierst du dich, bevor du deine Abonnenten informierst?

LeFloid: Ich nutze verschiedene RSS Feeds, etliche News-Seiten und soziale Netzwerke. Bei Themen, die mir gänzlich skurril erscheinen, checke ich dann mehrere Quellen und überprüfe, ob man sich da einig ist ... Danach folgt dann eben das, was ich eben tue. Bloggen, kommentieren und dazu auffordern zu diskutieren.

8. Eine Trennung von Nachricht und Meinung gibt’s bei dir nicht. Müssten klassische Medien polemischer werden, um Schüler zu erreichen?

LeFloid: Ich denke ja. Natürlich dürfen Nachrichten im klassischen Sinne nicht komplett meinungsgetragen sein, das ist mir klar. Aber ich kann es beim besten Willen nicht verstehen, wenn Nachrichtensprecher gänzlich ungerührt von Dutzenden Toten sprechen, kurz freudig erwähnen, dass ja keine Deutsche unter den Opfern waren, und danach zum Spektakel im Sport überleiten ...

9. Wie gut funktioniert die digitale Debatte jenseits von Empörungs- und Aufregerthemen? Was wird von deinen Zuschauern gut diskutiert? Und womit musst du es gar nicht erst versuchen – obwohl es dir wichtig wäre?

LeFloid: Ich denke alles wird diskutiert, aufgeregt wird sich sicherlich immer etwas lieber, aber diskutiert – und zwar auf meist hohem Niveau – wird unter meinen Videos nahezu jedes Thema. Egal ob Außenpolitik, Waffenmissbrauch oder Finanzdebakel. Dass ich jetzt nicht über Börsenkurse philosophieren muss, ist mir klar, wenn ich es allerdings doch einmal möchte, baue ich es halt in eine Art Sketch ein, der den Film „Wallstreet“ aufs Korn nimmt. Da finde ich schon Mittel und Wege, über alles zu sprechen, über das ich auch sprechen will. Interessant gestalten heißt da eben das Motto.

10. „Versucht sachlich zu bleiben und gebraucht ’schwul‘ nicht als Schimpfwort.“ Wie zufrieden bist du mit dem Debattenniveau in deinen Youtube-Kommentaren, wenn du deinen Fans so ins Gewissen redest?

LeFloid: Sehr. Da ich wirklich für YouTube lebe und dort ohne Ende Zeit reinstecke, kenne ich viele^, viele unterschiedliche YouTuber und genau so viele unterschiedliche Communitys. Ich habe großes Glück und viel mit meinen Zuschauern geredet, bin auf Feedback eingegangen, habe erklärt, warum vernünftiges Feedback und konstruktive Kritik wichtiger sind als sinnfreies Gehate ... – deshalb kann ich voller Stolz sagen, dass meine Community nicht nur untereinander zusammenhält und immer fleißig an Diskussionen und Gesprächen beteiligt ist, sondern dass auch die Motivation und das Niveau sehr hoch sind, wenn es darum geht, sich mitzuteilen. Das ist nicht bei jeder Community so ...

11. Bei Facebook lösen Nachrichten oft wüste Beschimpfungen aus – ohne dass sie auch nur gelesen wurden. Auf Portalen wie kreuz.net (mit dem du dich angelegt hast) radikalisiert sich ein neuer Fundamentalismus. Wie optimistisch siehst du das Internet als Ort der Diskussion?

LeFloid: Ich bin da sehr optimistisch. Man kann mithilfe des Internets viel erreichen und verändern, da man einfach sehr schnell, sehr viele Menschen erreicht. Natürlich spielt dabei eine Rolle, wie etwas vermittelt wird und welche Ziele jemand verfolgt, der das Netz nutzt, um etwas zu unterstützen, zu verhindern oder zu unterbinden. Als Ort der Diskussion ist das Internet auf jeden Fall das Nummer-1-Medium der Zukunft. Jeder kommt zu Wort und jeder kann sich trauen. Dass Anonymität schon lange nicht mehr nur die Maske von Tätern ist, verstehen immer mehr und trauen sich – auch anonym – klar Stellung zu beziehen und sich aktiv an Aktionen, Petitionen oder Auseinandersetzungen zu beteiligen.

12. Auf das Thema Pädophilie folgt bei dir Alien-Sex. In der Syrien-Debatte fragst du nach dem Dritten Weltkrieg – findest du dich manchmal selbst ein bisschen zu boulevardesk?

LeFloid: Ich provoziere gern und halte das Tempo und die Themenvielfalt gern hoch. Dass ich nicht jemand bin, der von heut auf morgen mit offenen Armen bei den Öffentlich-Rechtlichen empfangen wird, um an der Tagesschau mitzuwirken ist mir klar, aber diesen Anspruch habe ich auch gar nicht. Ich bin, wer ich bin und ich tue, was ich eben tu. Tolle Floskel, oder? In diesem Falle trifft diese abgedroschene Phrase aber tatsächlich zu. Ich verbiege mich nicht, und ob man die „boulevardeske“ Art meiner Videos mag, bleibt jedem selbst überlassen. Das ist das tolle am Internet! Die Auswahl ist riesig, für jeden ist etwas dabei und es ist jederzeit abrufbar. Ich muss also nicht jedem gefallen, um vielen zu gefallen und die Themenauswahl wird auch in Zukunft von ernst und objektiv bis hin zu unfassbar skurril ausfallen.

13. Du hast eine Million Abonnenten. Ist dein Einfluss dir unheimlich?

LeFloid: Eigentlich nicht, aber ich sehe mich auch nicht als jemanden, der versucht, direkten Einfluss auszuüben. Niemand muss meine Meinung teilen. Ich sage nicht: „Das ist so, wie ich es sage! Tut das jetzt so! So muss das!“, ich fordere lediglich gern dazu auf, sich eine Meinung zu bilden und mit dieser nicht hinter dem Berg zu halten. Das tun nämlich in Deutschland viel zu viele. Dass mir mittlerweile eine Million Menschen auf YouTube zuschauen wollen, ist für mich eine unglaubliche Ehre, aber mindestens genau so unglaublich und unvorstellbar ist diese Zahl an sich ...

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