Peng!-Kollektiv baut Homepage nach Wie eine „Bundeswehr“-Website gegen die Bundeswehr wirbt

Von Sven Kienscherf | 27.11.2015, 12:13 Uhr

Kritiker der Bundeswehr haben eine Seite ins Netz gestellt, die einer offiziellen Seite der Armee zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie nehmen die aktuelle Werbekampagne aufs Korn. Was sagt die Bundeswehr dazu?

  • Gegner der Bundeswehr haben eine gefakte Seite ins Netz gestellt, die einer offiziellen Kampagne zur Nachwuchsgewinnung zum Verwechseln ähnlich ist.
  • Sie kritisieren, dass die Bundeswehr das Töten und Sterben in ihrer Kampagne verschweigt.
  • Die Bundeswehr will nicht juristisch gegen die Urheber vorgehen.

Auch die Domains der Seiten klingen ähnlich: „machwaswirklichzaehlt“ heißt die der Bundeswehr. Die der Aktivisten „machwaszaehlt.“ (Weiterlesen: Mali-Einsatz der Bundeswehr: Es gibt gute Gründe)

Auf der Original-Seite der Bundeswehr wirbt die Bundeswehr für ihre Jobs im militärischen und im zivilen Bereich. Auf der gefakten Bundeswehr-Seite des Peng!-Kollektivs werden die Besucher mit anderen Aspekten des Soldatentums konfrontiert, unter anderem mit der Anzahl der gefallenen Soldaten bei Auslandseinsätzen (106).

„Depressiv und psychisch labil“

„Du wirst Dinge sehen und erleben, die dich für immer verändern werden“, heißt es auf der Webseite „machwaszaehlt.de“. „Viele kehren aus Einsätzen traumatisiert, depressiv und psychisch labil zurück und haben ihr Leben lang mit den Spätfolgen zu kämpfen“, heißt es dort. (Weiterlesen: Terror-Alarm: Muss die Bundeswehr die Polizei unterstützen?)

Ein Mann mit dem Pseudonym Philipp Fisch vom Peng!-Kollektiv erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir glauben, dass in der Kampagne der Bundeswehr wichtige Informationen weggelassen werden, zum Beispiel dass zum Beruf des Soldaten auch das Töten und das Sterben mit dazu gehört. Das Wort Tod kommt in der Kampagne der Bundeswehr kein einziges Mal vor.“ Das Kollektiv hat seinen Sitz in Berlin und Leipzig. Die Aktivisten haben bereits mehrere subversive Aktionen gestartet, unter anderem ein vermeintliche Ausstiegskampagne für Geheimdienstmitarbeiter.

100 Euro Kosten

Gut zwei Wochen hätten die Aktivisten an der angeblichen Bundeswehr-Seite gebastelt. Rund 100 Euro habe das gekostet, 11 Millionen Euro dagegen die Kampagne der Bundeswehr. Ein Großteil der Zeit habe die Recherche in Anspruch genommen. Alle Zahlen wie zum Beispiel die Anzahl der gefallenen Soldaten bei Auslandseinsätzen seien echt und stammten aus Publikationen der Bundeswehr.

Klagen oder Post von Anwälten habe das Peng!-Kollektiv bisher nicht bekommen. „Die Bundeswehr wirbt ja auch mit dem Spruch ‚Wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst‘. Da würde sie sich schon lächerlich machen, wenn sie uns verklagt“, sagt Fisch.

Form der Anerkennung

Und in der Tat, auf Nachfrage unserer Redaktion teilt der Beauftragte für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr, Dirk Feldhaus, mit: „,Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst‘ ist nicht nur ein plakativer Spruch unserer Kampagne. Daher sehen wir keinen Anlass irgendwelche Schritte gegen kritische Äußerungen zur Kampagne einzuleiten.“

Vielmehr sei die Verwendung eines ähnlichen Designs ja auch als Form der Anerkennung zu betrachten. „Es ist gut für unsere Gesellschaft, wenn junge Menschen wieder mehr über den Sinn und Zweck des Arbeitgebers Bundeswehr diskutieren.“

Auf die Frage, warum das Wort Tod in der Kampagne der Bundeswehr nicht vorkommt, bleibt die Bundeswehr eine Antwort schuldig.