Nüchtern und ehrlich Christiane Rösinger mit neuem Album „Lieder ohne Leiden“

Von Verena Reygers | 23.02.2017, 21:15 Uhr

Dem Titel ihres zweiten Albums „Lieder ohne Leiden“ setzt Christiane Rösinger die volle Wucht ihrer Songwriter-Melancholie entgegen.

Mit Bands wie den Lassie Singers oder Britta schrieb sie Popgeschichten über Pärchenterror oder Prekariat. Und auch solo legt die Berlinerin treffsicher den Finger in die geleugneten Wunden ihrer Generation. Da mag ihr zweites Album „Lieder ohne Leiden“ heißen, an der Melancholie kommt die Musikerin nicht vorbei. Das tut sie gänzlich unprätentiös und besingt schon im Opener „Kleines Lied“ die Überwindung ihrer Depression.

Der kreativen Boheme setzt Rösinger das „Lob der stumpfen Arbeit“ entgegen, dem Jugendwahn „Joy of Ageing“ und den so „mittellosen“ Freunden die von den Eltern geerbte „Eigentumswohnung“. Rösingers Gesellschaftskritik ist dabei so nüchtern wie ehrlich; bloß das Ereifern und die wutgetriebene Konfrontation scheint die Musikerin gegen eine Form abgeklärter Resignation eingetauscht zu haben. Das wird auf „Lieder ohne Leiden“ auch musikalisch unterstützt: Dem seichten Pop nicht abgeneigt, plätschern die Songs locker-flockig dahin. Täuschen lassen sollte man sich davon aber nicht: Die Lebensweisheiten der Sängerin sind treffsicher.