Neu im Kino Biopic eines Kochs, der alles anders macht: „Noma“

Von Wolfgang Mundt, Wolfgang Mundt | 25.02.2017, 06:47 Uhr

Mit regionalen und saisonalen Produkten, aber auch mit Ameisensäure, gegorenen Fischköpfen und jeder Menge „Fucks“ wird im weltbesten Restaurant unter der Leitung von Chefkoch René Redzepi gekocht. Stoff für die gelungene Doku „Noma“, die jetzt im Kino läuft.

Osnabrück. Kulinarisches Kino ist in – kürzlich in der Osnabrücker Lagerhalle und mit „Noma“ im Rahmen der letztjährigen Berliner Filmfestspiele: ausverkauft mit mehrgängigem Menü zu anspruchsvollen Preisen.

Der Dokumentarfilmregisseur Pierre Deschamps hat das Geschehen im Kopenhagener Gourmet-Tempel „Noma“ seit mehreren Jahren mit der Kamera begleitet. Dort regiert der Chefkoch René Redzepi. Sein Credo lautet: Nimm die Zutaten, die in der Nähe vorkommen und die der jeweiligen Jahreszeit entsprechen. Mit diesem essenziellen Konzept von Ort und Zeit kreiert Redzepi eine streng saisonale, genuin nordische Küche, die es so auf der Restaurant-Landkarte noch nicht gab. Ergebnis war die Auszeichnung „Weltbestes Restaurant 2010, 2011, 2012 und 2014“.

Nah dran an den Schüsseln und Tellern

Wie schafft der in Mazedonien aufgewachsene Küchenchef das? Mit viel Leidenschaft, Neugier, Talent und nicht zuletzt einer vierzigköpfigen Mannschaft, deren Kreativität Redzepi immer wieder zu neuen Rezepturen herausfordert. So gibt es Leckeres wie Saft aus ausgehöhlten Kohlrabi oder sanft gegrillte Heckenrosenblätter, die massenhaft in der Nachbarschaft wachsen. Die aromatische Säure von Waldameisen veredelt das Essen ebenso wie gegorene Fischköpfe. Bei im Rauch von frischem Waldmeister benebelten Wachtel-Soleiern läuft einem das Wasser im Mund zusammen.

Die Kamera ist nahe dran an den Schüsseln und Tellern: sowohl an den appetitlichen Seiten, als auch am Nonkonformismus des Restaurantmachers, der keine Krawatten mag und auch sonst auf Etikette wenig Wert legt – sein meistgebrauchtest Wort ist „fuck“. Das Biopic verehrt einen Spitzenkoch, der es verdient, weil er anders ist.