Nachtaufnahme der „Anthem of the Seas“ Preiswürdig: Hightech aus Papenburg trifft alte Brückentechnik

Von Dr. Berthold Hamelmann | 05.12.2015, 17:04 Uhr

Ein hell erleuchtetes Kreuzfahrschiff, Lichtreflexionen auf der dunklen, stillen Ems und ein leicht angestrahltes Räderwerk im linken Vordergrund: Das frisch gekürte Foto des Jahres 2015 bei NOZ-Medien gehört schon jetzt in die Kategorie Zeitdokument.

Im März diesen Jahres baute NOZ-Fotograf David Ebener nachts auf der Friesenbrücke bei Weener im Landkreis Leer sein Kamerastativ auf. Das besondere Bauwerk, das bei jeder Überführung von Kreuzfahrtschiffen angehoben wird, ist allerdings seit dem 3. Dezember nur noch Schrott. Der Frachter „Emsmoon“ donnerte aus noch nicht geklärten Umständen gegen die geschlossene Eisenbahnbrücke. Die Beschädigungen sind so groß, dass nur noch ein Abriss in Frage kommt. Neben dem Millionenschaden ist die Infrastruktur in Ostfriesland nachhaltig gestört. Der notwendige Brückenneubau dauert nach Expertenmeinung mehrere Jahre.

Für den 33-jährigen Fotografen NOZ-David Ebener war es ein besonderer Auftrag. Zum ersten Mal erlebte er die Überführung eines Kreuzfahrtschiffes, das von der Meyer Werft in Papenburg gebaut wurde. Immerhin hatten die Kollegen ihm an der Ems einen geeigneten Ort für eindrucksvolle Fotomotive genannt: Die Friesenbrücke bei Weener. Dieses Nadelöhr stellt bei jeder Überführung besondere Anforderungen an alle Beteiligten. Und so wartete Ebener auf die 950 Millionen US-Dollar teure „Anthem of the Seas“, dem Schwesterschiff der „Quantum of the Seas“, die bereits im September 2014 die Emsüberführung erfolgreich gemeistert hatte.

Stundenlanges, langweiliges Warten für ein Foto

„Da dümpelte das Schiff auf der Ems vor sich hin und es tat sich nichts“, erinnert sich der Fotograf an sein stundenlanges, langweiliges Warten. Die Folge: Er hatte alle Zeit der Welt, um verschiedene Motive und Kameraeinstellungen zu testen. „Erleuchtet war ja eigentlich nur das Schiff“. Die Brücke, auf der er stand, war in Dunkelheit gehüllt. „Für ein Bild ist das schlecht…“, unkte Ebener nach der Preisverleihung. Seine kreative Antwort: Er montierte den Blitz von der Kamera, die auf dem Stativ in Richtung Schiff gerichtet war. Während die Belichtung lief, richtete Ebener den Kamerablitz auf das Räderwerk der Emsbrücke. Das Ergebnis war phänomenal. Der leicht aufgehellte Vordergrund betont die eindrucksvolle Silhouette des größten in Deutschland gebauten Passagierschiffs, das für 4.900 Passagiere zugelassen ist. Die Botschaft des Bildes: Hightech aus Papenburg trifft auf alte Technik.

Für die Herausgeber und die Chefredaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung, die die Jury des internen Wettbewerbs bilden, war schnell klar: Im Bereich „Optik“ gab es 2015 kein besseres Foto.

 Insgesamt wurden dieses Jahr neun Journalisten in den Kategorien „Kommentar“, Berichterstattung“ und „Optik“ der NOZ Medien ausgezeichnet .