Nach Allzeithoch im WM-Finale TV-Quote – was waren die historischen Rekorde?

Von Daniel Benedict | 14.07.2014, 16:21 Uhr

Nie war die TV-Quote höher als beim WM-Finale. Was sind die vorherigen Bestwerte? Ein Überblick vom Triumph der „Schwarzwaldklinik“ über den Quoten-Kampf von Fußball und „Tatort“ bis zum Niedergang von „Wetten, dass.. ?“.

34,65 Millionen Zuschauern sahen die Nationalelf Weltmeister werden; in der Verlängerung stieg der Wert sogar auf 35,23 Millionen. Der Marktanteil des Spiels lag bei 86,3 Prozent. Das heißt: Von allen Deutschen, die zu diesem Zeitpunkt vor dem Fernseher saßen, guckte nur jeder Zehnte etwas anderes. Die absolute Zahl der Fußballzuschauer dürfte um einige Millionen höher liegen. Menschen ohne EU-Ausweis werden von der Quote nicht erfasst. Außerdem werden die Besucher von Public Viewings nicht mitgezählt; allein auf der Berliner Fanmeile waren es 250.000.

Fußball-Quote: Frauen vs. Männer

Fußballerinnen kicken im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Aber mit der WM im eigenen Lande setzte 2011 ein Umdenken ein. Fünf der quotenstärksten sechs TV-Sendungen des Jahres zeigten Frauenfußball, darunter auch Spiele ohne deutsche Beteiligung. Das Ausscheiden von Silvia Neids Spielerinnen steht mit 17,01 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 59,2 Prozent an der Spitze des Rankings. Wären die Deutschen ins Halbfinale oder sogar ins Finale gekommen, wären die Ergebnisse sicher noch besser ausgefallen.

Wer hat die bessere Quote: Fußball oder „Tatort“?

Für das WM-Finale fiel ausnahmsweise einmal der „Tatort“ aus. Und auch hinsichtlich der Quote muss der Sonntagskrimi nur dem Fußball weichen. Die Top 20 des vergangenen Jahres sind verzeichnen 13-mal Fußball, fünf „Tatort“-Fälle, einmal Nachrichten und den Boxkampf von Wladimir Klitschko gegen Alexander Povetkin. Der beste „Tatort“ des Jahres war der Münsteraner Fall „Summ, summ, summ“ mit 12,99 Millionen Zuschauern, eine Marke; die auch Til Schweigers „Tatorte“ nicht schlagen. Bester „Tatort“ seit der Wiedervereinigung war ein Fall von Stoever und Brockmöller mit 15,86 Millionen Zuschauern (5. Juli 1992).

Nachrichten als Quoten-Trittbrettfahrer

Die „Tagesthemen“ mussten sich in der Halbzeitpause des WM-Finales mit sieben Minuten zufrieden geben. Belohnt wurden sie mit einer Quote von 30,74 Millionen Zuschauern, die in Schockstarre vor dem Fernseher verharrten. Immer wieder mogeln sich auf diese Weise Nachrichten-Formate in die Bestenlisten. Bei der WM 2010 sahen 31,1 Millionen Deutsche, wie ihre Elf im Halbfinale von Spanien geschlagen wurde. Der Löwenanteil davon guckte auch die „Tagesthemen“ (27,55 Millionen).

Niedergang von „Wetten, dass..?“

Seit Markus Lanz „Wetten dass.. ?“ moderiert, stürzt das einstige Erfolgsformat ab. Tiefpunkt waren 5,85 Millionen Zuschauer (Marktanteil 19,3 Prozent) im Februar dieses Jahres. Zum letzten Mal in den Top 20 des Jahres war die Show mit Gottschalks Abschiedsauftritt im Dezember 2011. 14,8 Millionen Zuschauer sahen ihn ein letztes Mal die Wetten anmoderieren (Marktanteil 45,9 Prozent). Die Glanzzeiten lagen auch da schon lange zurück: Von 1985 bis 1987 erreichte die Show im Jahresschnitt regelmäßig mehr als 20 Millionen Zuschauer; die meistgesehene Sendung hatte am 9. Februar 1985 23,42 Millionen Zuschauer.

Triumph der „Schwarzwaldklinik“

Erfolgreichste fiktionale Sendung im deutschen Fernsehen ist die „Schwarzwaldklinik“; als meistgesehene Folge erreichte „Die Schuldfrage“ am 17. November 1985 27,97 Millionen Zuschauer. Die erste Hälfte der 80er Jahre war ein guter Zeitpunkt für Topquoten: Mit dem Sendestart von RTL und Sat.1 im Januar 1984 wuchs die Konkurrenz, sodass sich die Aufmerksamkeit seitdem immer stärker verteilt. Geht man weit in der Geschichte zurück, haben Straßenfeger wie Durbridges „Das Halstuch“ (1962) zwar ebenfalls Marktanteile von um die 90 Prozent erreicht. Gleichzeitig lag die Zahl der Fernsehteilnehmer Anfang der 60er Jahre in Deutschland noch bei um die sieben Millionen, weil so wenige Haushalte ein Empfangsgerät hatten. Public Viewing war damals nicht nur ein Vergnügen, sondern eine Notwendigkeit.

Die Top 10 der Fußball-TV-Quoten

Mit der WM 2014 hat sich die Bestenliste der quotenstärksten Fußballspiele erheblich verändert. So zitiert dpa die neuen Werte der Konsumforschung:

1. WM 2014, Finale: Deutschland-Argentinien (ARD)

34,65 Millionen (MA 86,3 Prozent)

2. WM 2014 , Halbfinale: Deutschland-Brasilien (ZDF)

32,65 Millionen (MA 87,8 Prozent)

3. WM 2010, Halbfinale: Deutschland-Spanien (ARD)

31,1 Millionen (MA 83 Prozent)

4. WM 2006 , Halbfinale: Deutschland-Italien (ZDF)

29,66 Millionen (MA 84,1 Prozent)

5. EM 2008 Halbfinale: Deutschland-Türkei, (ZDF)

29,46 Millionen (MA 81,5 Prozent)

6. WM 2010 Vorrunde: Ghana-Deutschland (ARD)

29,30 Millionen (MA 79,6 Prozent)

7. EM 1996 Finale: Tschechien-Deutschland (ZDF)

28,45 Millionen (MA 76,3 Prozent)

8. WM 2014 Achtelfinale: Deutschland-Algerien (ZDF)

28,13 Millionen, (MA 84,9 Prozent)

9. EM 2008, Finale: Deutschland-Spanien (ARD)

28,05 Millionen (MA 82,0 Prozent)

10. WM 2010, Vorrunde: Deutschland-Australien (ZDF)

28,03 Millionen (MA 74,4 Prozent)

Hinweis: Zu einzelnen Sendungen wie dem Halbfinal-Sieg gegen Brasilien oder zum Münster-„Tatort“ kursieren – auch auf noz.de – leicht abweichende Zahlen. Hintergrund ist die Praxis der Gesellschaft für Konsumforschung (von der die Quote erhoben wird), zunächst vorläufig gewichtete Reichweiten zu veröffentlichen; diese werden meist am vierten Tag nach der Ausstrahlung präzisiert.