Montag, 26. September, ZDF, 20.15 Uhr Schon gesehen: Ich habe es dir nie erzählt

Von Marcel Kawentel | 25.09.2011, 13:33 Uhr

Menschen, denen es dreckig geht, sind im Fernsehen zumeist selbst schuld oder aber Opfer der Gesellschaft. Das wirkliche Leben ist komplizierter. Und man kann es zeigen.

Carla Schön ist, ja, schön, aber eben auch Gerichtsvollzieherin und als solche korrekt und berufsbedingt abgehärtet. Dass es einer Barbara Auer gelingt, im selben Film eher abweisend und unattraktiv zu wirken und sich später komplett zu wandeln, ist schon bemerkenswert. Schuld daran ist natürlich ein Mann, der Schulhausmeister – ein trockener Alkoholiker, in den sie sich verliebt. Roeland Wiesnekker gibt diesen Andi überzeugend als eine verkrachte Existenz, die eben nicht in so simple Kategorien wie schuldig oder unschuldig fällt. Fallen muss er dennoch, und zwar tief.

Autorin Britta Stöckle nimmt das Gebot des Drehbuchautors, seinen Figuren so viel wie möglich zuzumuten, sehr ernst. Aber tollen Darstellern wie Auer und Wiesnekker schaut man selbst beim Leiden gern zu. So funktionieren selbst Dialog-Platitüden à la „Ich hasse dich!“ erstaunlich gut – denn der Ton und die Geschichte stimmen. Vor allem aber hält der Schluss, was der Film verspricht, und flüchtet sich nicht in eine Welt, die es nur im Fernsehen gibt.

Wertung: 5 Sterne