Im Fernsehen kommt er oft rüber als der Arzt der Nation. Tatsächlich aber räumt Eckart von Hirschhausen ein, nicht mal so eben die Praxis eines Allgemeinmediziners übernehmen zu können.
Für den ersten Teil von „Hirschhausens Check-up“ (ab Montag im Ersten) ist Eckart von Hirschhausen drei Tage lang in ein Düsseldorfer Altersheim gezogen. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet der Entertainer, TV-Arzt und Moderator über seine Erfahrungen.
Herr von Hirschhausen, was hat Sie am meisten überrascht während Ihrer Tage im Altersheim?
In dem Teil über das Altern haben wir mit dem Projekt „Music and Memory“ zusammengearbeitet. Die Musiktherapeutin Manon Bruinsma hat uns gezeigt, wie man dementiell Erkrankte gezielt mit der Musik ihrer Jugend erreichen kann. So unterschiedlich wie die Menschen und Lieder, so unterschiedlich die Reaktionen. Mal tat sich wenig, mal hatten alle Tränen in den Augen. Ich drehte mich im Walzertakt mit einer 93-Jährigen zu „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein...“. Ich erlebte, wie eine in sich zusammengesunkene Frau die Augen aufschlug, als mit „Veronika der Lenz ist da“ ein bisschen Frühling bei ihr einzog. Und bei einem bettlägerigen schwer dementen 69-jährigen Mann fing unter der Bettdecke der Fuß an zu zucken, als er „I can´t get no satisfaction“ über die Kopfhörer bekam. Es sind für mich die berührendsten Passagen des ersten Films geworden!
Nach welchen Kriterien haben Sie das Altenheim in Düsseldorf ausgesucht?
Ich wollte gezielt in eine gute Einrichtung. Filme über die Skandale gibt es schon, und die verändern meistens nach einer kurzen Empörung nichts. Wenn uns heute und erst recht in Zukunft motivierte Menschen in der Pflege und anderen unterbezahlten Gesundheitsberufen fehlen, dann müssen wir doch auch zeigen, dass es sich immer noch lohnen kann, eine Ausbildung zu machen. An allen drei Orten, Altenheim, Psychiatrie und Kinderintensivstation traf ich engagierte, kompetente und tolle Menschen, die glücklich sind und andere glücklich machen. Klar braucht es Rahmenbedingungen wie eine Pflegekammer, Gesetze gegen die Unterbesetzung von Stationen und eine Reform der Ausbildung. Aber was wir mit „Hirschhausens Check-up“ können: auf Augenhöhe den Patienten und Mitarbeitern zuhören und Licht dahin bringen, wo viele gerne wegschauen.
Wenn ein Fernsehteam mit Moderator, Kameraleuten und Technikern im Altenheim anrückt – ist das, was sie zu sehen bekommen, überhaupt noch realistisch und repräsentativ oder vor allem rausgeputzt und aufgehübscht?
Wir haben mit einem kleinen und sehr sensiblen Team gedreht, das sich weitgehend „unsichtbar“ machte. Ich war selber überrascht, was für intensive und offene Gespräche zustande kamen, obwohl gefilmt wurde. Wir waren in keinen Luxuskliniken für Privatpatienten, sondern mittendrin im Leben: in der Diakonie in Düsseldorf, in der Schlossparkklinik in Berlin und auf meiner ehemaligen Station in der Kinderheilkunde der Charité. Mir lag daran, einmal den Alltag zu erleben und zu zeigen. Was passiert da jeden Tag hinter verschlossenen Türen? Wie wird da gelebt, was wird da geleistet, wo sind auch die schönen Momente in den Bereichen, wo viele lieber nicht hinschauen.
Sie sind mittlerweile so etwas wie der TV-Mediziner der Nation und geben Ihrem Publikum viele Ratschläge – würden Sie sich zutrauen, aus dem Stand heraus die Praxis eines Allgemeinmediziners zu übernehmen?
Nein, das könnte und wollte ich nicht. Aber ich tröste mich damit, dass ich bereits fünf Menschen das Leben gerettet habe, weil Angehörige meine Sendung „Hirschhausens Quiz des Menschen“ geschaut haben und sich danach trauten, nach einem Herzinfarkt mit Atemstillstand sofort mit 100 mal pro Minute auf den Brustkorb die Wiederbelebung zu starten. Inzwischen arbeite ich viel auch hinter den Kulissen in verschiedenen Stiftungen und Gruppen des Gesundheitsministeriums mit, um Prävention bei Kindern und Jugendlichen, verständliche und richtige Internetseiten und Kommunikation und Seelenhygiene als Ausbildungsinhalte voran zu bringen. Mit meiner Stiftung „Humor hilft heilen“ haben wir inzwischen 10.000 Pflegekräfte geschult, besser auf sich zu achten und mit einer positiven Stimmung mit Patienten in Kontakt zu gehen. Die Universität Münster führt erstmalig in Deutschland für die Medizinstudierenden ein Kommunikations-Modul „Arzt mit Humor“ ein. Und innerhalb der ARD werbe ich dafür, dass die tollen Inhalte aus Gesundheit und Wissenschaft länger und besser für alle verfügbar werden. Es tut sich gerade viel Gutes. Und ich freue mich, dass ich nach Jahren als Komiker mit dem neuen Format auch eine andere Seite von mir zeigen kann. Diese drei Sendungen sind das Persönlichste, was ich fürs Fernsehen bislang gemacht habe.
Hirschhausens Check-up - Das Erste, Montag, 12., 19. und 26. Juni 2017, jeweils 20.15 Uhr.