Michael Hull über „Let‘s Dance“ Let’s Dance 2017: Wieso vergibt die Jury immer mehr Punkte?

Von Daniel Benedict | 23.02.2017, 01:54 Uhr

Drei Wochen vor dem eigentlichen Auftakt läutet RTL das „Let‘s Dance“-Jubiläum mit einer Kennenlern-Show ein. Der Osnabrücker Tanz-Profi Michael Hull, Juror der ersten Staffeln, erinnert sich.

„Gänsehaut pur“ – so beschreibt Michael Hull die Anfänge von „Let‘s Dance“. Der Weltmeister aus Osnabrück war in den ersten zwei Staffeln als Juror dabei. Beim Auftakt am 3. April 2006 kam die Musik noch vom Pepe-Lienhard-Orchester. „Zur Live-Band zu tanzen hat für noch mehr Gänsehaut gesorgt. Einmal hatten wir sogar Udo Jürgens im Studio“, sagt Hull – und bedauert, dass die Musik seit Staffel 4 eingespielt wird. „Ein Kostenfaktor. Jetzt arbeiten sie mit Musik vom Band; dafür gibt es mehr Pyrotechnik und Lichteffekte.“ Weniger Live-Feeling, mehr Lametta. (Wer ist weiter, wer ist raus? Alle Fakten zu „Let‘s Dance 2017“ im Blog) 

Gil? Vanessa? Angelina? Wer siegt im Finale von „Let‘s Dance 2017“?

Wir haben in die Statistik der zehn Staffeln geschaut. Hier lesen Sie,

 was für einen Sieg von Angelina Kirsch spricht, 

 was für einen Sieg von Gil Ofarim spricht, 

 was für einen Sieg von Vanessa Mai spricht. 

Die „Let‘s Dance“-Quote bleibt top

Dem Publikum gefällt‘s. Im letzten Jahr fiel „Let’s Dance“ nie unter vier Millionen Zuschauer; Alexander Klaws‘ Sieg im Finale der siebten Staffel lief sogar vor 5,58 Millionen. Nach einer vorsichtigen Auftaktstaffel mit acht Folgen ist das Format deshalb ständig gewachsen. Inzwischen treten 14 statt acht Promis an; die Staffel läuft über zwölf Folgen. Zum Jubiläum kommt noch die Kennenlern-Show oben drauf, in der die Paarungen der Promi- und Profi-Tänzer bekannt gegeben werden.

Machen sich zehn Jahre passiver Erfahrung im Tanzkurs bemerkbar? Tanzlehrer Hull: „Die Leute kommen eher mit falschen Vorstellungen. Im Fernsehen sieht es alles so leicht aus. Im Tanzkurs merken die meisten dann, wie schwierig es ist, sich zu bewegen – mit dem Partner, zur Musik und im Raum.“ Immerhin erreichen bei RTL auch Laien binnen Wochen ein beachtliches Niveau. Doch Hull schränkt ein: „Die Promis können Tänze zwar in kurzer Zeit wiederholen – aber auch wirklich nur in kurzer Zeit! Ein Jahr später könnten sie’s nicht mehr.“ Weil bei „Let‘s Dance“ streng aufs Endprodukt trainiert wird, bleibt Grundsätzliches auf der Strecke. Hull: „Ein Haus braucht ein Fundament, bevor man das Dach errichtet. Die ‚Let‘s Dance‘-Kandidaten arbeiten gleich am Schornstein. Was dabei nicht funktioniert, gleichen die Profi-Tänzer aus.“

Let’s Dance 2017: Werden es wirklich immer mehr Punkte?

Die Jury vergibt dabei immer mehr Punkte. Von den zehn Paaren mit dem besten Wertungsschnitt tanzten acht in den letzten drei „Let‘s Dance“-Staffeln. Tatsächlich wird das Niveau besser, sagt Hull – wenn auch nicht so gut wie im US-Ableger: „Die US-Version hat die besseren Tänzer – die haben einen viel größeren Pool an Prominenten, aus denen sie casten können. Das Leistungsniveau ist deshalb viel, viel höher. Wir sind aber schon gut dabei. Die letzten zwei Staffeln haben echten Fortschritte gebracht.“ Und die Jury-Kollegen? Hull findet Joachim Llambi mitunter zu harsch, erkennt aber auch das Spiel dahinter: „Die Jury versucht natürlich, das Publikum zu beeinflussen. Aber wenn das Urteil zu hart ausfällt, kann die Stimmung ins Gegenteil kippen.“ Hull selbst kennt das aus der ersten Staffel: „Wayne Carpendale hatten wir im Finale schlechter bewertet als Wolke Hegenbarth. Das Publikum hat ihn dann erst recht zum Sieger gemacht.“

Als Hull in der Jury saß, wurde „Let‘s Dance“ noch von Hape Kerkeling und Nazan Eckes präsentiert. Den 57-Jährigen stört der Wechsel zu Daniel Hartwich und Sylvie Meis aber nicht: „Kerkeling war im Persönlichen behutsamer“ sagt er. „Aber Hartwich darf ruhig härter rangehen, weil ihm immer Llambi gegenübersitzt. Und der kontert.“ Und Meis? Hull: „Mit der pflegt Hartwich einen wunderbar schwarzen Humor; sie merkt gar nicht, wie er sie aufs Glatteis führt. Da muss auch ich lachen.“

 „Let‘s Dance: Kennenlern-Show“.RTL, Freitag, 24. Februar, 20.15 Uhr. Die zwölf Folgen der 10. Staffel sind ab dem 17. März immer freitags zu sehen.