„Menschen bei Maischberger“ Flüchtlinge kommen in der ARD-Talkshow zu Wort

Von Olga Zudilin | 02.12.2015, 01:14 Uhr

Die Geschichten und Erlebnisse der Flüchtlinge standen am Dienstagabend in der ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ im Vordergrund. Das Thema lautete: „Die Stunde der Flüchtlinge: Jetzt reden wir!“. Was erwarten die Flüchtlinge von Deutschland? Welchen Vorurteilen begegnen sie?

Was die Flüchtlinge zu erzählen hatten, war eindrucksvoll. Die Selfmade-Millionärin Jasmin Taylor zum Beispiel floh mit 17 Jahren vor dem ersten Golfkrieg aus dem Iran nach Deutschland. Als Jugendliche habe sie ihre Eltern vor die Wahl gestellt: Entweder sie lassen sie alleine nach Deutschland gehen oder sie werde sich umbringen. „Ich hatte über Jahre Todesangst“, erinnert sich Taylor. Allein schon der Schulbesuch sei unmöglich gewesen, da die Schule immer wieder evakuiert worden sei. Auf einmal alleine und ohne ihre Familie in Deutschland zu sein, sei eine Herausforderung gewesen. Nur ihren damals zwölfjährigen Bruder konnte sie nach Deutschland nachholen.

Hochtalentierter Nachwuchsfußballspieler

Auch für den 19-jährigen Majd al Hosaine, der in Syrien ein hochtalentierter Nachwuchsfußballspieler war, war Deutschland ein Traumland. Mit 17 Jahren wurde er im Bürgerkrieg niedergeschossen und beschloss aus Damaskus zu fliehen.

Nachdem er in Libyen operiert wurde, überraschte ihn sein Vater mit einem Flugticket nach Ägypten. 4.000 Euro habe er an seinen Schlepper bezahlt, damit er ihn mit einem Boot nach Italien bringt. Als er in Deutschland angekommen sei, habe er nur zehn Euro bei sich gehabt. Heute hat er einen Ausbildungsplatz und spricht Deutsch.

Flucht vor dem Assad-Regime

Der syrische Arzt Dilovan Alnouri floh vor dem Assad-Regime. Seine Geschwister, die bereits in Deutschland lebten, hätten ihm erzählt, er könne in Deutschland erfolgreich sein, wenn er sich anstrenge. Vor allem seine Familie habe ihm geholfen. Der Arzt berichtet, dass er im Krankenhaus in Damaskus nur verletzte Soldaten der Regierungstruppen behandeln durfte. Zuerst floh er in die Türkei und anschließend nach Deutschland. „Ich will nicht, dass meine Kinder das erleben, was ich in Damaskus erlebt habe“, sagt Alnouri. Er entschied sich zuerst, ohne seine Ehefrau und die Kinder zu fliehen. Er holte seine Familie später nach.

Nicht vom Bürgerkrieg bedroht

Der Kosovare Beg Ziqiri steht beispielhaft für die Flüchtlinge, die abgeschoben werden. Ziqiri floh für seine zwei Söhne nach Deutschland. Der Kosovare lebte bereits während des jugoslawischen Bürgerkriegs als Flüchtling in Deutschland, kehrte dann zurück in seine Heimat. Anfang des Jahres ließ er sich, seine Frau und seine beiden Söhne von einem Schlepper nach Ungarn bringen. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, da er nicht vom Bürgerkrieg bedroht werde. Nun endet auch seine Duldung. Nun soll Ziqiri mit seiner Ehefrau und seinen Kindern abgeschoben werden. „Jederzeit kann die Polizei kommen und uns abholen“, sagt der Kosovare. Da er nicht in Deutschland illegal bleiben wolle, werde er kommende Woche nach Kosovo zurückkehren. Was ihn dort genau erwartet, weiß er nicht.

Christliche Religion eine Hilfe?

Die Grünen-Chefin Simone Peter betonte, dass die Attraktivität Deutschlands kein Problem, sondern im Gegenteil eine Chance sei. Paul Ziemiak, Vorsitzender der Jungen Union, forderte in der Sendung dagegen eine Obergrenze für Flüchtlinge und warnte vor einem unkontrollierten Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland. Ziemiak selbst kam als Aussiedlerkind aus Polen nach Deutschland. Er glaubt, dass die christliche Religion ihm bei seiner Integration geholfen habe. Ob die Religion und die unterschiedlichen Kulturkreise hinderlich bei der Integration sind oder nicht, war vor allem zwischen Ziemiak und der Grünen-Chefin ein Streitpunkt.

Flüchtlingsleiter wünscht sich weniger Bürokratie

Zu Wort kam auch der Flüchtlingsheimleiter Franz Wasmeier aus Niederbayern. Er betonte, dass er den Flüchtlingen erst einmal erklären müsse, wie das Leben in Deutschland funktioniert. „Die Menschen kommen aus ganz anderen Kulturen. Bis das Zusammenleben klappt, braucht es viel Zeit und Geduld“, sagt er. Der Heimleiter sieht vor allem in den langen Asylverfahren den Grund für die Konflikte unter Flüchtlingen. Von der Politik fordert er, dass Deutschkurse verpflichtend für Flüchtlinge werden und die Bürokratie in den Flüchtlingsheimen abgebaut wird.