Medien „The Rock“ auf Rockys Spuren

23.07.2009, 22:00 Uhr

Boxen erzielt regelmäßig Spitzenquoten am Samstagabend, selbst wenn die Namen der Kämpfer schier unaussprechbar sind. An diesem Wochenende steht kein aktueller Kampf an, dafür entschädigt der Bayerische Rundfunk mit einem Box-Abend der besonderen Art.

Am Anfang ist in schwarz-weiß gehaltene Einsamkeit, die nur ein Mozart-Bildnis an der Wand ein wenig erhellt. Heftiges Keuchen erfüllt den finsteren Dachboden. Jürgen Hartenstein, der 1998 Deutscher Meister im Halbschwergewicht war und sich in der Branche „The Rock“ nennt, drischt auf einen Sandsack ein. „The Rock“ schwitzt, Mozart wendet sich ab.

Hartenstein ist zwar eigentlich schon zu alt für den Ring, aber er will es noch einmal wissen und plant sein Comeback. Er ist ein Träumer mit dem Herz eines Boxers, niemand außer er selbst und sein Trainer Markus Kone glaubt an das Gelingen seines Plans. Über den Umweg Amerika will er es in Deutschland noch einmal ganz nach oben schaffen, deshalb hängt er ständig am Telefon: „Hallo, hier ist Jürgen, der Boxer aus Deutschland. Kann ich bitte Mr. Silverglade sprechen?“ – die Anrufe bei amerikanischen Agenten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Dokumentation.

Ein Film ist deshalb entstanden, weil „The Rock“ vermutlich alle „Rocky“-Filme gesehen und sich womöglich in dessen Tradition gesehen hat. Er gab dem Dokumentarfilmer Maximilian Plettaus die Möglichkeit, ihn ein Jahr lang hautnah, fast schon intim zu beobachten und durch alle Höhen und Tiefen zu begleiten. Entstanden ist dabei eine Dokumentation, die ebenso still wie stark ist.

Filmemacher Plettaus, der für „Comeback“ im vergangenen Jahr mit dem deutschen Kamerapreis ausgezeichnet wurde, führt den Zuschauer langsam, aber beständig immer näher an seinen Protagonisten heran. Er verzichtet auf Interviews und erklärende Worte aus dem Off. Vielleicht auch dadurch wächst die Sympathie des Betrachters für den Boxer von Minute zu Minute, erwischt man sich schließlich gar beim Daumendrücken.

Und tatsächlich: Jürgen Hartenstein bekommt seinen Kampf in den USA, fliegt mit Trainer und Filmteam nach Philadelphia, wo er es sich natürlich nicht nehmen lässt, die berühmten „Rocky Steps“ hinaufzulaufen.

Wie sein Fight endet, soll hier nicht verraten werden wohl aber etwas, das der Film nicht zeigt, der Dokumentarist aber im Nachhinein verrät: „Beim Training im Castellos Gym in Philadelphia hat Jürgen seine jetzige Frau Suzette kennengelernt, die er dann standesgemäß, wie es sich für einen Boxer gehört, in Las Vergas geheiratet hat. Er lebt mittlerweile sehr glücklich in Philadelphia [...] und steht besser da als vor dem Film. Der hat ihm übrigens gut gefallen. Er hat ihn unmittelbar nach der Fertigstellung gleicht achtmal gesehen.

„Comeback“ ist nur ein Teil der „Boxer-Nacht“ im Bayerischen Fernsehen. Zum Auftakt strahlt der Sender um 20.15 Uhr den Elvis-Presley-Film „Harte Fäuste, heiße Liebe“ aus dem Jahr 1961 aus. Nach „Comeback“ folgt um 23.05 Uhr das Drama „Im Taumel der Weltstadt“ von 1940 mit James Cagney als Lastwagenfahrer, der als Boxer Karriere macht. Um 0.40 Uhr boxt sich Errol Flynn als „Gentleman Jim, der freche Kavalier“ (1942) nach oben, und zum Abschluss ist um 2.05 Uhr Clark Gable als Boxer in der Screwball-Komödie „Kain und Mabel“ aus dem Jahr 1936 zu sehen.

Comeback

BR, Samstag, 21.50 Uhr