Medien Polizeieinsatz gegen Bikini-Model

01.07.2009, 22:00 Uhr

Wer die ersten Bilder dieser Doku sieht, ist sofort gefangen. Wider alle Südafrika-Klischees zeigt Autor Peter Heller ein verregnetes Johannesburg. Vor dem Hintergrund der modernen Skyline flackern Projektionen eines Autokinos durch die Nacht. Trotz des Wetters sind Kneipen gut besucht. An einem der Tische sitzt Jürgen Schadeberg. Nur wenigen wird dieser Name etwas sagen. Es lohnt sich, den Mann kennenzulernen.

Der gebürtige Berliner hatte im Nachkriegsdeutschland das Handwerk des Reportagefotografen erlernt, sah seine Zukunft aber in Südafrika. 1950 wanderte er aus. In seiner neuen Heimat machte er bald Fotos, die mittlerweile als das visuelle Gedächtnis Südafrikas gelten. Unter anderem fotografierte er 1952 einen jungen, selbstbewussten Bürgerrechtler mit Namen Nelson Mandela. Viele Jahre später war Schadeberg mit der Kamera dabei, als Mandela noch einmal seine Gefängniszelle auf Robben Island aufsuchte. Das dort entstandene Foto besitzt heute ikonischen Rang.

Auch Jürgen Schadeberg saß zeitweise in Haft. Er war in den 50ern Fotograf des Magazins „Drum“, der ersten Illustrierten für schwarze Leser. Er dokumentierte als kritischer Chronist die schwarze Kultur, aber auch Alltag und Elend der eingeborenen Bevölkerung – ein Ärgernis für die Behörden des rassistischen Regimes. Sogar die harmlose Arbeit mit einem schwarzen Bikini-Model rief die Polizei auf den Plan.

Peter Hellers Filmporträt nimmt auf Anhieb gefangen, weil der Autor nicht trocken referiert, sondern Schadeberg selbst agieren lässt. Der 78-Jährige fotografiert noch immer, zeigt sich interessiert an den Menschen, die er ablichtet, erzählt von früher, analysiert kritisch das heutige Südafrika. Er führt uns durch seinen neuen Wohnsitz in Frankreich und nimmt uns mit zu Fotoaufnahmen nach Hamburg.

Dennoch wird der Film nie wortlastig. Kameramann Hans Albrecht Luszant versteht sich darauf, Schadebergs fotografischen Stil zu adaptieren und filmbildnerisch umzusetzen. Schadebergs Persönlichkeit und sein faszinierendes Schaffen allein lohnen das Einschalten; darüber hinaus erweist sich dieses Porträt ganz unabhängig vom Thema durch die gelungene optische Gestaltung als Ausnahmefilm. Und nebenbei zeigt sich: Es gibt noch immer einen Unterschied zwischen Fotografie und flüchtiger Knipserei.

„Schadeberg: Schwarz-weiß. Ein Fotograf in Südafrika.“ Arte, 22.55 Uhr