Medien Das große Geld ist ein einziges Lügengespinst

22.07.2009, 22:00 Uhr

Eigentlich schade, dass hierzulande kaum jemand den Namen Laurent Cantet kennt. Der Franzose gehört längst zu den besten und wichtigsten Autorenfilmern Europas. Sein 2001 entstandener, nun auf DVD veröffentlichter Film „Auszeit“ beweist dies eindringlich.

Als der Finanzberater Vincent (intensiv: Aurelien Recoing) seinen Job verliert, läuft es für den Familienvater wie bisher weiter. Zumindest dem Schein nach. Denn Vincent verschweigt seine Arbeitslosigkeit. Er gibt sogar vor, einen besseren Job in der Schweiz erhalten zu haben. Und kommt mit viel Geld nach Hause. Geld allerdings, dass ihm Freunde anvertraut haben, damit es der scheinbar Erfolgreiche gewinnbringend anlegt. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Lügengespinst zusammenbricht. Aber mit welchen Konsequenzen?

Obwohl acht Jahre alt, besitzt Laurent Cantets Film eine geradezu beängstigende Aktualität: Arbeitslosigkeit und Finanzjongleure à la Bernie Madoff bestimmen gerade die Schlagzeilen, doch vorausgesehen wurden sie schon hier.

Laurent Cantet erhielt für diesen Film den Goldenen Löwen von Venedig. Zu Recht. Der Regisseur, der zuletzt mit „Die Klasse“ (2008) gar die Goldene Palme von Cannes gewann, zeigt auch hier, wie bereits in „In den Süden“ (2005) und „Ressources Humaines“/„Der Jobkiller“ (1999) sein Gespür für spannend aufbereitete, psychologisch dichte Sozialdramen. „Auszeit“ erzählt zwar nur eine Alltagsgeschichte, dies aber spannender als viele Thriller. Herausragend!

„Auszeit“. Alamode; 1:1,85 (16:9), 128 Min., FSK: ab 6.