Magazin-Ableger „Brigitte Mom“ propagiert Gelassenheit in der Mutterrolle Nichts für Übermütter

Von Corinna Berghahn | 27.09.2011, 16:23 Uhr

Die Geburtenrate in Deutschland steigt leicht an: Statt durchschnittlich 1,4 bekommt eine Frau nun 1,6 Kinder. Passend dazu gibt es ein neues Magazin, das sich den Müttern widmet: „Brigitte Mom“, der neueste Nachwuchs der Brigitte-Familie. Nach „Brigitte Woman“, „Young Miss“ und „Balance“ ist das Heft der vierte Ableger des seit 1954 erscheinenden Frauenmagazins.

„Wird mein Leben als Mutter besser oder schlechter?“, fragt die Zeitschrift durch das gesamte erste Heft hindurch. Ganz so nach einem Aufreger wie noch vor Jahren, als die Mutterschaft ein Zustand reiner Glückseligkeit sein musste, klingt diese Frage nicht mehr. Trotzdem ist sie Balsam für genervte Mütterseelen, die gemerkt haben, dass das Leben mit Kind nicht immer eitel Sonnenschein ist. Erfrischend dann auch die „50 ehrlichen Antworten“, die natürlich nicht eindeutig ausfallen: „Plus: In den Augen Ihres Zweijährigen sind Sie die Filmdiva in einer Welt ohne Kritiker. Minus: In den Augen Ihres Zwölfjährigen sind Sie die peinlichste Kreatur unter der Sonne.“ Wie wahr.

Überhaupt: Den Frauen im Magazin werden Wut und Witz zugestanden. So glänzt die Businessmodestrecke – die wie schon bei der „Brigitte“ nicht von einem professionellen Model präsentiert wird – mit dem schön geschminkten, aber verkniffenen Gesicht der Schauspielerin Elena Uhlig. Im Sportteil illustriert eine „Iron Mom“ mit Medizinbällen auf Kinderwagen und Rollern, wie schwer man als Mutter im Alltag trägt und damit automatisch Sport treibt. Das ist so lustig wie hübsch anzusehen – und damit genau das Konzept, das das Magazin von anderen unterscheiden soll.

„Die Zeitschrift ist das Magazin mit starken Nerven. Denn die brauchen Mütter, die Kinder, Beruf und Hobby unter einen Hut bringen wollen. Und sie brauchen eine gute Portion Humor“, ist sich Felix Friedlaender, Verlagsleiter der „Brigitte“-Gruppe, sicher. Wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Müttermagazinen sei auch, dass die „,Brigitte Mom‘ ohne problemorientierten Ratgeber und ohne Erziehungstipps“ auskomme, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Lebe lieber unperfekt“ lautet dementsprechend das Motto des ersten Heftes der „Brigitte Mom“. Der gleichnamige Artikel von Ildikó von Kürthy ist dann auch eine ebenso launige wie treffende Abrechnung mit dem Stress, eine perfekte Mutter sein zu wollen: „Da kann man schon mal durchdrehen und glauben, man könne Beruf, Nachwuchs, Beziehung, Fettverbrennung, Freundschaften und musikalische Früherziehung miteinander vereinbaren.“

Verstörend wie witzig auch der Erlebnisbericht einer Mutter, die ihre Kinder kurz allein im Auto gelassen hat – und stante pede Ärger mit der Polizei bekam. So etwas findet man in anderen Magazinen eher selten, jedenfalls nicht ohne den erhobenen Zeigefinger. Der Plan ist, laut Friedlaender, dass das Heft für drei Monate im Handel liegt. „Anschließend entscheiden wir, ob und wie der Titel in Serie geht.“

Denn Magazine für Mütter gibt es immer mehr: Von „Mamis Place“ bis zu „Mum“ wird den Mamas dieses Landes eine Mischung aus Styling- und Modetipps, Interviews und Erlebnisberichten geboten. Der Tenor: Mutter sein ist trendy – mit den richtigen Klamotten und der richtigen Einstellung. Und die geht weg vom erhobenen Zeigefinger zum Laisser-faire. Anders geht es aber auch gar nicht, sind heute in Deutschland zwei Drittel aller Mütter mit minderjährigen Kindern berufstätig und damit auch oft ein ertragreicher Markt – und die lassen sich nicht mehr nur mit Still-Tipps und Kochrezepten für Familienglück zum Kiosk locken.

Lockender ist da nun wirklich der Hauptpreis desGewinnspiels der ersten „BrigitteMom“-Ausgabe: eine Haushälterin für ein Jahr. Das ist nichts für Übermütter, die ihre Kinder und den Haushalt ungern aus der Hand geben, aber für alle anderen, die sich mehr Zeit für sich wünschen – und davon gibt es mehr, als man denkt.