„Mad Men“ zum vierten Mal mit Emmy für die beste Drama-Serie ausgezeichnet Durchgeknallt und unschlagbar

19.09.2011, 11:52 Uhr

Das große Drama um die durchgeknallten Mitarbeiter einer New Yorker Werbeagentur war bei den Emmy-Awards auch in diesem Jahr nicht zu schlagen: „Mad Men“ räumte bei der Preisverleihung in Los Angeles zum vierten Mal die Trophäe für die beste Drama-Serie ab.

Das Sittengemälde um die Werbebranche und die US-Gesellschaft der 60er-Jahre setzte sich gegen die ebenfalls hoch gehandelte Gangsterserie „Broadway Empire“ durch. Deren Regisseur Martin Scorsese erhielt immerhin den Emmy für die beste Regie und kann die Fernsehauszeichnung nun zu Hause zu seinem Oscar stellen, den er für den Kinofilm „Departed – Unter Feinden“ bekommen hatte. Auch Kate Winslet ist nun nicht nur Oscar-, sondern auch Emmy-gekürt: Sie erhielt den Emmy als Hauptdarstellerin der fünfteiligen Dramaserie „Mildred Pierce“.

Ein großer Gewinner war auch die Sitcom „Modern Family“, die mit gleichgeschlechtlichen und multiethnischen Liebespaaren das amerikanische Familienleben von heute porträtiert. Zum zweiten Mal heimste die Serie die Auszeichnung als beste Comedy und vier weitere Emmys für die besten Nebendarsteller (Ty Burrell und Julie Bowen), die beste Regie (Michael Spiller) und bestes Drehbuch (Steven Levitan und Jeffrey Richman) ein.

Produzent und Drehbuchautor Steven Levitan würdigte in seiner Dankesrede vor allem die Fans der Serie. Während der Dreharbeiten hätten sich echte homosexuelle Paare persönlich bei ihm bedankt, erklärte er. „Sie sagten: ,Du bringst die Leute nicht nur zum Lachen, sondern machst sie auch toleranter.‘“

Preisträgerin Bowen zeigte sich ebenso überrascht wie überglücklich. „Ich weiß nicht, worüber ich nächste Woche bei meiner Therapiesitzung sprechen soll“, sagte sie sichtlich geschockt. „Ich habe etwas gewonnen!“

Als bester Darsteller in der Kategorie Drama wurde Kyle Chandler für seine Rolle in der American-Football-Serie „Friday Night Lights“ ausgezeichnet. Beste Drama-Darstellerin wurde Julianna Margulies für ihre Rolle als Fernsehanwältin in „The Good Wife“. Bei den Emmy-Awards ist die 45-Jährige keine Unbekannte: 1995 erhielt sie einen Preis als beste Nebendarstellerin für ihre Darbietung in der Fernsehserie „Emergency Room“.

Als bester Hauptdarsteller in einer Comedy wurde Jim Parsons für seine Rolle in „The Big Bang Theory“ ausgezeichnet, zur besten Hauptdarstellerin Melissa McCarthy („Mike & Molly“) gekürt. Bester Hauptdarsteller einer Miniserie wurde Barry Pepper („The Kennedys“), bester Nebendarsteller Guy Pierce („Mildred Pierce“). Kate Winslet lobte ihren Kollegen in den höchsten Tönen und wartete mit einem überraschenden Bekenntnis auf. „Ich bin begeistert. Ich bin in Guy Pearce verknallt, seit ich elf Jahre alt bin“, erklärte sie. „Mit ihm in einem Raum zu sein, finde ich echt aufregend.“

Die Emmys wurden in einer turbulenten Show zum 63. Mal von der Amerikanischen Fernsehakademie verliehen. Durch das Programm führte die Schauspielerin Jane Lynch, die vor einem Jahr einen Emmy für ihre Rolle in der Musicalserie „Glee“ entgegengenommen hatte.

Zu den Promis, die die Gewinner bekannt gaben, gehörte auch Charlie Sheen. Er ließ es sich nicht nehmen, seinen Kollegen von der Sitcom „Two and a Half Men“ Erfolg für die bevorstehende Saison zu wünschen – und zwar „aus der Tiefe meines Herzens“. Ihm selbst war wegen Beleidigung des Produzenten der Stuhl vor die Tür gesetzt worden.

Für einen Eklat sorgte die Entscheidung des übertragenden Fernsehsenders Fox, einen Witz über die Verwicklung seines Mutterkonzerns News Corp in einen britischen Medienskandal zu streichen. Es handelte sich um einen aufgezeichneten Comedy-Beitrag des Schauspielers Alec Baldwin, der sich als fiktiver Präsident einer Fernsehakademie in einem Telefonat darüber Sorgen machte, dass jemand das Gespräch mithöre.

Baldwin reagierte über Twitter mit deftigen Worten auf die Absetzung. „Das ist bescheuert, weil ich denke, es hätte sie besser aussehen lassen“, twitterte er. Fox erklärte, es betrachte den Scherz als unangemessen, da das Unternehmen diese Sache sehr ernst nehme. Der Skandal hatte News-Corp-Besitzer Rupert Murdoch veranlasst, seine Londoner Boulevardzeitung „News of the World“ einzustellen.