Literaturklassiker „Der kleine Prinz“ kehrt zurück – als 3-D-Animationsserie in 52 Teilen Glück für alle in der Galaxie

Von Elke Schröder | 30.09.2011, 17:00 Uhr

Der kleine Prinz, Titelheld des Literaturklassikers von Antoine de Saint-Exupéry, bricht fast 70 Jahre nach seinem ersten Erscheinen am Sonntag zu neuen Reisen auf: Eine aufwendig gestaltete 3-D-Animationsserie erzählt die weltweit bekannte Geschichte des jungen Planetenbummlers weiter.

Nach einem Streit mit seiner geliebten Rose verlässt der kleine Prinz seinen Asteroiden B612. Auf der Suche nach einem Freund trifft er schließlich auf der Erde den Erzähler, einen abgestürzten Piloten. Mit dem Biss der Schlange verschwindet der Junge am Ende. Sehnsuchtsziel: sein Planet und seine liebste Rose. So weit die literarische Vorlage von Antoine de Saint-Exupéry. In der 3-D-Animationsserie taucht der kleine Prinz nun als kleiner Superheld mit künstlerischer Ader und Schwert wieder auf: In 52 Folgen muss er 24 Planeten vor der intriganten Schlange retten, die nur Leid und Chaos anrichtet. Der TV-Titelheld hat magische Kräfte: Seine Skizzen kann er zum Leben erwecken. Er nutzt aber – als Verbeugung vor der Buchvorlage – ein altes Flugzeug, um durchs All zu fliegen.

Die Idee und die Umsetzung der Serie kommt aus Frankreich von der Erbengemeinschaft des 1944 verstorbenen Autors und der Filmfirma Method Animation. Die ARD ist hierzulande als Koproduzent „und Partner“ eingestiegen, betont Brigitta Mühlenbeck, Leiterin der zuständigen WDR-Redaktionsgruppe Kinder und Familie, im Gespräch. Das Motiv der Beteiligten dafür, das Wagnis einzugehen, um den Literaturklassiker weiterzuerzählen, erklärt sie so: „Die Geschichte des kleinen Prinzen ist fast 70 Jahre alt. Das Buch wird in den Schulen nicht mehr gelesen. Der kleine Prinz ist zwar nach wie vor unwahrscheinlich bekannt, aber die Frage ist, wie lange bleibt er das in der nachfolgenden Generation?“ Um das zu erreichen, wollte man nicht das Buch verfilmen, sondern neue Geschichten erzählen, die wiederum neugierig auf das Buch machen. Den Erben von Antoine de Saint-Exupéry ist es wichtig, „dass die gute Botschaft des kleinen Prinzen auch die Kinder des 21. Jahrhunderts erreicht“, sagt Olivier d’Agay, Enkel von Antoine de Saint-Exupérys jüngster Schwester Gabrielle. So spielen die zeitlosen Werte wie Toleranz, Wertschätzung und Lösungen finden in der TV-Serie eine große Rolle. Es geht, so Mühlenbeck, um „Glück für alle“.

Herausgekommen ist ein ansprechendes Weltenretter-Vergnügen. Die Sängerin Annett Louisan singt in der deutschen Version nicht nur den Titelsong, sondern spielt auch Rose. Zuckersüß sitzt diese unter einer Glaskuppel auf ihrem Asteroiden und liest aus den Briefen des kleinen Prinzen (gesprochen von Timmo Niesner) vor. So erfährt der Zuschauer von seinen Abenteuern als Planetenretter in der Galaxie und von seiner ungebrochenen Sehnsucht nach Rose. Volker Lechtenbrink leiht brillant der bösen Schlange seine Stimme.

Man nimmt der TV-Serie ab, dass sie sich der literarischen Vorlage verpflichtet fühlt. Das gilt vor allem für das Ende der Serie, das ebenfalls als „Verbeugung vor dem Buch zu verstehen ist“, verrät Mühlenbeck. Zugleich ist die Serie aber ein eigenständiges TV-Werk, das sich dramaturgisch, technisch und visuell den heutigen Sehgewohnheiten der jungen Zuschauer anpasst, inklusive 3-D-Version. Die Serie soll schließlich noch in ein paar Jahren technisch auf aktuellstem Stand sein: „Wir gehen davon aus, dass in vier bis fünf Jahren 3-D-Fernseher im Wohnzimmer Standard sind“, sagt Mühlenbeck.

Actionszenen gibt es ebenfalls, und die Botschaft der Mitmenschlichkeit wird – zumindest in der Auftaktfolge – etwas zu deutlich angesprochen. Als „ziemliche Abwandlung“ zur literarischen Vorlage bewertet Timmo Niesner, dass der Erzähler im Film wegfällt. Der kleine Prinz müsse so die Perspektive des Kindes und des Erwachsenen zugleich einnehmen, sagt der 39-jährige Schauspieler. Zugunsten einer vernünftigen Problemlösung trete da – so Niesners Eindruck von den ersten fertiggestellten Folgen – der naive Blick auf die Welt manchmal etwas in den Hintergrund. Das sei nur zu Beginn der Fall, um die Absicht der Figur deutlich einzuführen, sagt dazu Mühlenbeck. Im weiteren Verlauf werde der kleine Prinz aber wieder „kindlicher“.

Das wird Niesner freuen, denn er meint, gerade der Blick der literarischen Figur auf die Welt, „sich mit einfachen Dingen zufriedenzugeben und nur das Schöne zu sehen, ist doch sehr verlockend.“

Der kleine Prinz: „Der Planet des Feuervogels“, ARD, Sonntag, 10.03 Uhr. Montag folgt „Der Planet der Winde“, um 12 Uhr. Jeweils Doppelfolgen. Weitere Episoden im Frühjahr 2012.