Leben für die Politik Kanzler-Duell: Raab findet zur wahren Bestimmung

Von Daniel Benedict | 31.08.2013, 09:30 Uhr

Am Sonntag debütiert Stefan Raab als einer von vier Moderatoren des TV-Duells von Peer Steinbrück und Angela Merkel. Kann er das?, fragt die Branche. Ein Blick auf seine Karriere beweist: Er kann! Er könnte sogar selbst Kanzler werden.

Herkunft: Schon als Kind macht der 1966 geborene Homo politicus alles richtig. Raab wächst in Köln-Sülz als Sohn eines Metzgers auf. Volksnäher geht’s nicht. Sein Abitur hat er von einem Jesuitenkolleg, als Bezirksbester der Handwerkskammer Köln sammelt der Metzgergeselle wertvolle Mittelstandserfahrungen. Für alle Volks- und Splitterparteien ist er damit in irgendeiner Weise vorgebildet. Mit dieser Geschichte nimmt ihn jeder.

Studium: Wie jeder Mann der Politik studiert auch Raab ein bisschen Jura, fünf Semester in Köln und Bielefeld. Schon das hätte für eine linientreue Karriere-Promotion mit anschließendem Plagiatsskandal gereicht. Aber Raab belässt es nicht bei Halbheiten. Er erschwindelt sich nicht nur einen Doktortitel, sondern gleich eine Habilitation: In den 90ern geht er als Professor Hase mit Telefonstreichen auf Sendung.

Sitzungsmarathon: Kein Problem für den Ausdauerkämpfer. Raab bohrt sich in seinen Shows durch mannshohe Blöcke aus Steckmoos und zieht in mehr als 30 Poker-Nächten so dubiose Gestalten wie Michael Wendler, Peyman Amin und Mario Basler über den Tisch. Der Unterschied zu Koalitionsverhandlungen ist offensichtlich minimal.

Diplomatie: Wie wichtig Sensibilität im Umgang mit dem politischen Gegner ist, lernt Raab gründlicher als jeder andere – vor Gericht. Zum Beispiel als er eine Mutter mit Schultüte als Under-Cover-Dealerin veralbert (Verletzung der Persönlichkeitsrechte, 20000 Euro). Oder als er die Schülerin Lisa Loch mit Zoten auf ihren Namen zum berühmtesten Mobbingopfer der Nation macht (schwerwiegende Verletzung der Persönlichkeitsrechte, 70000 Euro). Einen Rechtsstreit mit dem Musiker Moses Pelham gewinnt Raab zwar – allerdings erst, nachdem er zuvor selbst Lehrgeld zahlt. Pelham bricht Raab bei der Echo-Verleihung 1997 hinter den Kulissen das Nasenbein, weil der ihm den Spitznamen Möschen verpasst hatte.

Historische Reden: Worte, die das Volk ins Herz treffen, studiert Raab gründlicher als all seine Moderationskollegen. Bonmots seiner Leitfiguren vertont er sogar, sei es im Song zu Gerhard Schröders menschelnder Ur-Sentenz „Ho mir ma ne Flasche Bier“ oder beim Revolutionslied „Gebt das Hanf frei“, das seinem Idol Hans-Christian Ströbele ein Denkmal setzt.

Länderkompetenz: Als Föderalismus-Experte darf Raab seit dem Bundesvision Song Contest gelten, bei dem Gesangstalente für ihr Bundesland antreten. Im Osten hat er es trotzdem schwer. Noch nie hat ein Sachse gewonnen. Außerdem musste Raab sich beim Ministerpräsidenten für launige Bemerkungen über den Dresdner Luftangriff entschuldigen.

Brücken bauen: Mit dem Eurovision Song Contest bringt Raab sich nicht nur als Europa-Politiker ins Spiel; vor allem geht er mit dem Gemeinschaftsprojekt von ARD und Pro Sieben als Architekt einer Großen Koalition öffentlich-rechtlicher und privater Sender in die TV-Geschichte ein. Ministrabel!

Politischer Wettstreit: Als Raab in seinem Polit-Talk „Absolute Mehrheit“ ein Preisgeld auf die beste Performance aussetzt, ereifert sich Bundestagspräsident Norbert Lammert über den „absoluten Unfug“ . Beim TV-Duell kann Raab beweisen, dass noch gröberer Unfug nur im etablierten Format möglich ist – wenn vier Moderatoren auf vier Sendern peinlich vorgeplante Fragen stellen, zu denen sie alle Antworten schon wissen, wenn Politjournalisten zu Sportreportern werden und Haltungspunkte vergeben – und am Ende tatsächlich nur die Performance entscheidet.

Das TV-Duell. ARD, ZDF, RTL, Pro Sieben, Sonntag, 20.30 Uhr