Lauterbach, Confurius und Nadja Uhl ZDF-Dreiteiler „Tannbach“ über Leben nach dem Krieg

04.01.2015, 10:04 Uhr

Das ZDF startet mit einem opulenten Dreiteiler ins neue Jahr: Alexander Held, Nadja Uhl und Heiner Lauterbach spielen in „Tannbach“ Menschen im Umbruch nach dem Zweiten Weltkrieg.

Was passierte eigentlich, während Deutschland in zwei Teile geteilt wurde? Wie lebten die Menschen in dieser Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg? Gut 25 Jahre nach dem Mauerfall und 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versucht das ZDF in dem Dreiteiler „Tannbach“ einen Blick in die Seele der Menschen zu werfen, die von einem politischen System ins nächste schlidderten.

Die Rolle der Caroline von Striesow ist vielleicht die kürzeste, die Natalia Wörner bislang gespielt hat. In der 17. Minute sinkt sie tot zusammen. Erschossen von deutschen Soldaten, kaum eine Sekunde, bevor die Amerikaner ihr Gut stürmen. Solche zu sehr auf Effekt gebastelten Szenen gibt es immer wieder in „Tannbach“. Ansonsten aber ist der Dreiteiler nach dem Buch von Josephin und Robert von Thayenthal durchaus differenziert aufgebaut.

Prominente Besetzung

Zudem lebt er von einigen überzeugenden Schauspielern wie Nadja Uhl, Henriette Confurius, Heiner Lauterbach, Martina Gedeck, Henriette Confurius , Ronald Zehrfeld – und Alexander Held .

Er verkörpert in dem Dreiteiler Franz Schober, einen zunächst überzeugt wirkenden Nationalsozialisten aus dem Dorf Tannbach, der, ohne mit der Wimper zu zucken, den Gutsherrn Georg von Striesow (Heiner Lauterbach) verrät. Als fahnenflüchtiger Major wurde der gesucht. Weil seine Frau ihn versteckte, wird sie erschossen. Es ist der Beginn des Dreiteilers, der in einem bayerischen Dorf nahe der tschechischen Grenze spielt, das zunächst von den Amerikanern besetzt und kurz darauf an die Russen abgetreten wird. Ende der 1940er-Jahre schließlich wird Tannbach geteilt – lange bevor in Berlin die Mauer errichtet wurde.

Realer Hintergrund

Ganz fiktiv ist die Geschichte nicht. Benannt ist sie nach dem Tannbach, einem Flüsschen zwischen Bayern und Thüringen, das nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich die Grenze durch ein Dorf markierte – Mödlareuth gehörte im Nordwesten zur DDR, im Südosten zur Bundesrepublik Deutschland. Heute verläuft hier die Landesgrenze Thüringens.

Gedreht wurde in der Tschechoslowakei, erzählt Alexander Held im Gespräch mit unserer Redaktion von den Dreharbeiten im Frühling dieses Jahres. Am Drehort sei viel eigens für den Film gebaut worden, zum Beispiel eine Brücke. Auf ihr befand sich die Kontrollstation, in der Grenzgänger nach der Teilung von Tannbach ihren Passierschein vorzeigen mussten, wenn sie in den anderen Teil des Dorfes wollten.

„Der Reiz für die Zuschauer ist, einer spannenden Geschichte zu folgen. Wenn sie zudem über Dinge nachdenken und diskutieren, haben wir viel erreicht“, sagt der Schauspieler und erwähnt einen Satz, den der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt kurz nach dem Fall der Mauer sagte: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört.“ „Wir sollten wissen, was davor war und wie es dazu gekommen ist“, meint Held.

Ein Wendehals

Seine Figur des Franz Schober jedenfalls bewegt sich wie auf Gleitern zwischen den politischen Systemen – immer auf der Spur des eigenen Vorteils. Erst gibt er den überzeugten Nazi, dann will er auf der anderen Seite gestanden haben und dient sich mit Unschuldsmiene den Amerikanern als Unterstützer an. Schließlich versucht er, seinen Vorteil aus dem Sozialismus zu schlagen.

Nur an sehr wenigen Stellen schimmert eine andere, verletzliche Seite Franz Schobers durch. Es reize ihn, Figuren, die auf den ersten Blick nicht so differenziert erscheinen, auf die Spur zu kommen und Gründe für ihr Verhalten zu finden. „Man muss dann im Film nicht alles offenlegen. Aber man kann es zeigen, dass es diese Seite gibt“, ergänzt Held, der stets mit großem Facettenreichtum seiner Figuren überzeugt, sei es im Film von Marc Rothemund als Gestapo-Beamter Mohr, der Sophie Scholl verhörte, oder auch aktuell als skurriler Kriminalhauptkommissar Ludwig Schaller in der Reihe „München Mord“ .

In „Tannbach“ spielt er nicht nur den verheirateten Vater von drei Söhnen. Er hat auch einen Sohn mit seiner ehemaligen Geliebten Hilde Völckler (Martina Gedeck), der ihn beim Verrat am Grafen unterstützt und der dafür später wiederum von seiner Mutter verraten wird.

 Henriette Confurius gibt Anna von Striesow, die nach dem Tod der Mutter und durch die Gefangenschaft des Vaters das große Gut allein leiten muss. In Friedrich Erler ( Jonas Nay ), der mit seiner Mutter Liesbeth (Nadja Uhl) als Flüchtling aufs Gut kam, findet Anna eine Stütze und einen Ehemann. Doch dann wird sie durch die DDR-Regierung enteignet, ihr ehemaliges Gut von Konrad Werner (Ronald Zehrfeld) verwaltet.

Das Paar arrangiert sich mit den Umständen, während Annas Vater nach West-Deutschland geht und Friedrichs Mutter Liesbeth für einige Jahre in die USA auswandert.

1952 endet der Dreiteiler, der zeitlich an „Unsere Mütter, unsere Väter“ anschließt und in einem Sinne ähnlich aufgebaut ist: Er zeigt Menschen in mehreren Dimensionen. Nicht nur als Täter oder als Opfer.