Kohlendioxid-Endlager: RTL-Katastrophenfilm „Bermuda Dreieck Nordsee“ greift aktuelles Thema auf Fiktion und Wirklichkeit

Von Marie-Luise Braun | 23.09.2011, 12:29 Uhr

Das Thema ist hochaktuell: Das umstrittene Gesetz zur Errichtung unterirdischer Kohlendioxid-Endlager ist gerade gescheitert. Im Bundesrat fand der entsprechende Gesetzentwurf der Regierung am Freitag keine Mehrheit. RTL sendet am Sonntagabend den Spielfilm „Bermuda Dreieck Nordsee“, der dieses Thema aufgreift.

Schon die ersten Minuten des Films sind dramatisch. Eine Familie, die entspannt auf ihrem Katamaran den Urlaub genießt, wird mitsamt ihrem Schiff in die Tiefe gerissen. Zunächst sehen die fünf Bläschen an der Wasseroberfläche, dann sticht ihnen Gasgeruch in die Nase, sie werden ohnmächtig, und das Schiff versinkt im Strudel.

Später droht ein durch das Gas ausgelöster Tsunami ein Kreuzfahrtschiff zu zerstören. „Das ist völliger Blödsinn“, sagt Prof. Dr. Klaus Wallmann auf Anfrage unserer Zeitung. Der Geowissenschaftler setzt sich am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften mit den Folgen der Speicherung von Kohlendioxid (CO2 ) im Meeresboden auseinander.

In der Erdatmosphäre wirkt CO2 als Treibhausgas und trägt zum Klimawandel bei. Von der Einlagerung – der CO2-Sequestierung – erhofft man sich eine Verlangsamung dieses Prozesses. Hintergrund des Gesetzentwurfs ist eine Vorgabe der Europäischen Union.

Alle Mitgliedstaaten müssen eine Regelung zur Speicherung von CO2 vorlegen. Die Technik ist jedoch umstritten. Derzeit gibt es laut Wallmann keine konkreten Pläne, CO2 im großen Stil unter dem Meeresboden einzulagern. Allerdings betreibt die Firma Vattenfall in der ostdeutschen Lausitz eine Testanlage zur CO2-Abscheidung.

Im RTL-Film will die Energie-Firma Global Senergy CO2 im Meeresboden unter der Nordsee einlagern. Sie erprobt die Technik auf einer Plattform im Meer, an Land wachen Umweltschützer über die Aktivitäten. Allen voran Hannah (Caroline Eichhorn), die sich der Legende vom Hexenloch verschrieben hat: In einer Art Bermuda-Dreieck versinken seit Jahrhunderten Schiffe. Seit Global Senergy die Plattform betreibt, werden es mehr. Auf die Spur des verschollenen Schiffs vom Beginn des Films macht sich als erster jedoch Tom (Hannes Jaenicke), Hannahs Ex-Freund.

Der Hubschrauber-Pilot wird von der Küstenwache dafür engagiert und gerät in Not: Genau über der Unglücksstelle fällt die Technik des Helikopters aus, nur mit Mühe kann Tom ihn wieder auf Kurs bringen. „Auch das ist Blödsinn“, sagt Klaus Wallmann und erläutert mögliche Risiken der CO2-Sequestierung. „Das Schlimmste wäre ein sogenannter Blow-out.“ Dabei würde die Deckschicht am Meeresgrund aufreißen und CO2 als Gasblase an die Oberfläche kommen. Der Forscher vergleicht das mit Vorfällen in der Erdgas-Produktion. Allerdings seien die Auswirkungen weniger dramatisch – CO2 ist nicht brennbar. Würde tatsächlich ein Schiff in solch eine Blase hineingeraten, könnte es sinken, weil der Auftrieb fehlt. Das Gleiche gilt für Plattformen. „Die Gefahr ist aber sehr, sehr gering.“ Und: Die Besatzung der Plattform könnte sich retten, eine Explosionsgefahr bestehe nicht. Die Entstehung von Tsunamis hält Wallmann für völlig aus-geschlossen und: „Es wirdan der Küste niemand sterben.“

Für die Lebewesen im Wasser allerdings hätte der Austritt von CO2 Auswirkungen. Das Wasser wird sauer, Organismen wie Seesterne, Seeigel und Muscheln könnten ihre Kalkpanzer nicht mehr ausbilden. „Das Ökosystem würde sich nachhaltig verschieben.“

Wallmann sorgt sich um die Stimmung, die so ein Katastrophenfilm auslösen könnte. Er schüre Ängste, mache Stimmung gegen die CO2-Sequestierung. Derzeit wird wegen des Atomausstiegs vermehrt in Kohlekraftwerken Energie erzeugt. So erhöht sich der Ausstoß von CO2. „Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sollte die Einlagerung aber als Übergang eingesetzt werden.“

RTL jedenfalls hat sich für den Film nicht lumpen lassen und ein Budget von 5,7 Millionen Euro lockergemacht. Unter den Darstellern sind Bettina Zimmermann, Josefine Preuß und Gudrun Landgrebe.

Bermuda Dreieck Nordsee. Sonntag, RTL, 20.15 Uhr.