Klingonisch in „Big Bang Theory“ Die Kunstsprache der Dothraki in „Game of Thrones“

Von Martin Weber | 19.01.2015, 07:48 Uhr

Fluchen wie ein Dothraki: Für TV-Serien wie den weltweit beliebten Fantasyhit „Game of Thrones“ werden ausgefeilte Kunstsprachen erfunden. Doch die Serie ist nicht die einzige, für die eine Sprache erfunden wurde.

Fußgänger geht gar nicht. „Die größte Beleidigung für einen Dothraki ist, ihn Fußgänger zu nennen, was in seiner Sprache ‚ifak‘ heißt“, lacht David J. Peterson. Der 33-jährige Sprachwissenschaftler aus Kalifornien, Typ ewiger Student, hat für die Fantasysaga „Game of Thrones“ eine fiktionale Sprache erfunden – und zwar für das wilde Reitervolk der Dothraki, das in der Fernsehserie eine wichtige Rolle spielt und dessen Zugehörige andere Menschen, die hauptsächlich zu Fuß unterwegs sind, für Warmduscher halten. Die weltweit erfolgreiche amerikanische Serie, die auch in Deutschland eine große Fangemeinde hat und im Bezahlfernsehen sowie bei RTL 2 läuft, punktet eben nicht nur bei Drehorten und Ausstattung mit enorm viel Aufwand, sondern auch bei Details, die auf den ersten Blick eher unwichtig erscheinen.

Mehr als 3800 Wörter und eine Grammatik

Wer jetzt allerdings glaubt, die vom Linguisten Peterson erfundene Sprache bestehe nur aus ein paar kehlig-knurrigen Lauten, die von den Dothraki-Darstellern mal eben so dahingekrächzt werden, der irrt gewaltig. Dothraki ist eine richtige Sprache, die aus mittlerweile mehr als 3800 Wörtern besteht und auf einer eigens entwickelten Grammatik basiert.

„Ich denke, das beste Mittel, eine Sprache realistisch klingen zu lassen, ist, sie so realistisch wie möglich zu machen“, sagt Peterson, der für die HBO-Serie „Game of Thrones“ auch die fiktionale Sprache Valyrian geschaffen hat. Als Spracherfinder müsse man sich genau anschauen, mit welcher Kultur und welchen Figuren man es zu tun habe, erklärt Peterson, der sich schon mehrere fiktionale Sprachen ausgedacht hat. „Du machst dir ein Bild von ihrem Leben und schaffst Schritt für Schritt ein Vokabular.“ (Weiterlesen: „Game of Thrones“: Fünfte Staffel beginnt am 12. April) 

Pferd heißt auf Dothrakisch „Hrazet“, das Wort „Zhavvorsa“ steht für Drache, das Verb „dothralat“ heißt reiten, „elzat“ bedeutet antworten, und das Wort Danke kommt in der Dothrakiwelt überhaupt nicht vor – finstere Krieger bedanken sich schließlich für nichts und bei niemandem.

Bei der Erfindung mancher Begriffe hat der 33-Jährige auch aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz geschöpft: So lautet die Übersetzung für das dothrakische Wort „erin“ nicht von ungefähr gut und freundlich, denn Erin ist der Vorname von Petersons Frau. Völlig klar, dass es bereits Wörterbücher und Grammatik-Lehrbücher für Dothraki gibt und die Sprache von „Game of Thrones“-Enthusiasten überall auf der Welt fleißig gebüffelt wird. Es soll in den USA auch schon bedauernswerte Kleinkinder geben, denen ihre Eltern den Vornamen „Khaleesi“ verpasst haben, was in der Welt der wilden Reiter Königin heißt. (Weiterlesen: Pepsi und Pumuckel: Ein Leben mit seltsamen Vornamen) 

Kunstsprache Klingonisch

Dothraki ist – zumindest was Fantasyfans betrifft – derzeit zwar in aller Munde, aber natürlich bei Weitem nicht die einzige Kunstsprache, die für fantastische Welten in Literatur, Film und Fernsehen erfunden wurde. So basiert sogar die gesamte Mythologie des Klassikers „Herr der Ringe“ auf fiktionalen Sprachen, die sich der britische Philologe und Schriftsteller J. R. R. Tolkien ausgedacht hatte.

Berühmt ist auch das kehlig klingende Klingonisch, das in den Filmen der Science-Fiction-Saga „Star Trek“ von den außerirdischen Klingonen gesprochen wird. Der amerikanische Sprachwissenschaftler Marc Okrand hatte die ausgefeilte Kunstsprache in den Achtzigerjahren im Auftrag der Filmgesellschaft Paramount für die Filme entwickelt und einen wahren Boom losgetreten: Es gibt nicht nur Wörterbücher, regelmäßig erscheinende Zeitschriften und Übersetzungen wie etwa Shakespeares „Hamlet“ auf Klingonisch, sondern sogar ein „Klingon Language Institute“ mit Sitz in den USA, dessen 2500 Mitglieder in mehr als 50 Ländern sich der Pflege und Erhaltung der klingonischen Sprache widmen.

Für frischen Wind hat in jüngster Zeit außerdem die auch in Deutschland beliebte Sitcom „The Big Bang Theory“ gesorgt: Die jungen Helden der Serie sind große Star-Trek-Fans und pflaumen sich schon mal auf Klingonisch an.

Game of Thrones – nächste Folgen am Dienstag, 20. Januar, um 20.15 Uhr auf RTL 2.