Karriere ohne Karriereplan Moderator und „Rocket-Beans“-Mitgründer Nils Bomhoff im Porträt

Von Hendrik Steinkuhl | 02.02.2017, 07:30 Uhr

Seit 13 Jahren steht Nils Bomhoff vor der Kamera und macht seinen Job hervorragend - doch die meisten Fernsehzuschauer kennen ihn nicht. Höchste Zeit für ein Porträt des großartigen Moderators und Pionier des Internet-Fernsehens.

Ist es nicht schade, wenn man fast ausschließlich für Männer sendet und kaum Liebesbriefe von weiblichen Fans bekommt? „Ach, ich führe eine glückliche Beziehung. Das hätte mich nur unnötig in Versuchung geführt“, sagt Nils Bomhoff und lacht. Der 37-Jährige ist zufrieden mit seinem Job – und das, obwohl er seit über zehn Jahren vor der Kamera steht und nur einem Spartenpublikum bekannt ist. Gerecht ist das nicht, denn Nils Bomhoff macht seine Arbeit hervorragend und mit großer Leidenschaft.

Bomhoffs Fernsehlaufbahn begann 2004 bei NBC Giga. Dort moderierte er Videospielformate, News und gemeinsam mit Etienne Gardé die Late-Night-Show „Late Knights“. Nach dem Ende von Giga wechselte er gemeinsam mit Gardé zur Videospiel-Show „Game One“, die bei MTV ausgestrahlt wurde. Dort trafen die beiden die ehemaligen Giga-Kollegen Simon Krätschmer und Daniel Budiman, und zusammen gründeten sie im Jahr 2012 die Rocket Beans GmbH, die unter diesem Namen den ersten deutschen 24-Stunden-Internetsender startete. Was man seit zwei Jahren auf www.rocketbeans.tv zu sehen bekommt, ist eine kleine mediale Revolution: Ein TV-Programm, das ausschließlich im Netz übertragen wird.

Das wird mittlerweile auch honoriert, die Rocket Beans sind in diesem Jahr für den Grimme-Preis und für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Zu sehen ist auf Rocket Beans TV vor allem, wie junge Männer Videospiele spielen und darüber sprechen. Die jungen Männer spielen aber auch Brettspiele und lassen sich dabei filmen, oder sie imitieren Gameshow-Klassiker wie das auch häufig von Bomhoff moderierte „Chatduell“. Das Format ist die digitale Version der RTL-Show „Familienduell“, nur dass hier die Fragen nicht zuvor an hundert Leute gestellt wurden, sondern die Zuschauer im Chat ihre Einschätzungen abgeben.

Als „Familienduell“-Moderator Werner Schulze-Erdel unlängst in einer anderen Internet-Sendung das „Chatduell“ vorgeführt wurde, moserte der nur über die vermeintliche Unprofessionalität der Sendung; vor allem sei alles „viel zu dunkel“. Nils Bomhoff findet Schulze-Erdels Einlassungen deplatziert. „Das fand ich schon ziemlich schwach.“ Es ist nicht untypisch, dass das alte Fernsehen den Rocket Beans mit Arroganz begegnet – und dabei vergisst, mit welch geringen Mitteln die Pioniere arbeiten müssen.

Doch was bei der Ausstattung fehlt, machen die „Bohnen“ durch Leidenschaft und Cleverness locker wieder wett. Ein sehr gutes Beispiel ist das Format „Bohndesliga“, das ebenfalls Nils Bomhoff moderiert. Die Show ist eine Besprechung des aktuellen Bundesliga-Spieltags, im vergangenen Sommer gab es Spezialausgaben zur EM. Statt wie beim Sport-1-Doppelpass in bierseliger Runde Phrasen zu dreschen, ist „Bohndesliga“ ein Format, das den Fußball tatsächlich erklärt. Taktikexperte Tobias Escher und der Ex-Profi Ralph Gunesch erklären den Sport so kenntnisreich, dass man gefesselt vor dem Bildschirm hockt. Nils Bomhoff schließlich moderiert mit einer Mischung aus Lässigkeit und Emotionalität, und trotz seiner über zehnjährigen Erfahrung vor der Kamera ohne jede überheblich wirkende Abgeklärtheit.

Seine Qualitäten hat auch das traditionelle Fernsehen entdeckt, RTL Nitro engagierte ihn für die Sendung „Autoquartett“. Nils Bomhoff sagt, es mache ihm großen Spaß, auch mal außerhalb des Rocket-Beans-Universums zu arbeiten. „Man sammelt neue Eindrücke und lernt andere Leute kennen.“ Doch Bomhoff forciert nichts. „Ich freue mich über Angebote, aber bei den Rocket Beans ist auch hinter den Kulissen immer wahnsinnig viel zu tun.“ Einen Karriereplan hat Nils Bomhoff nicht. Und wahrscheinlich ist er auch genau deshalb so gut in dem, was er tut.