Karl-May-Magazin im 33. Jahr Von Fans für Fans – Das Magazin „Karl May & Co.“

Von Marcel Kawentel, Marcel Kawentel | 07.03.2017, 14:53 Uhr

Wenige deutsche Autoren dürften eine so große Fangemeinde haben wie Karl May, dessen 175. Geburtstag im Februar gefeiert wurde. Seit über 30 Jahren geben einige dieser Fans ehrenamtlich ein Magazin heraus: „Karl May & Co.“

went. Osnabrück Das Cover der letzten Ausgabe „Karl May & Co.“ vom Dezember 2016 ziert – wie sollte es anders sein – der Winnetou aus der RTL-Neuverfilmung von Philipp Stölzl, dargestellt von Nik Xhelilaj. Die Fangemeinde stand dem Event-Dreiteiler im Vorfeld mit einer Mischung aus gespannter Erwartung und Skepsis gegenüber, wie das Magazin berichtete. Die Filmkritik fiel dennoch überraschend differenziert und professionell aus – ein Eindruck, der sich bei der Lektüre des Magazins insgesamt fortsetzt. Dabei hat alles ganz klein angefangen.

Die erste Ausgabe von „Karl May & Co“ hieß „Karl-May-Rundbrief“ und erschien im November 1984, eine Fotokopiensammlung, die nur wenige Seiten umfasste. Erst 1990 wurde daraus ein gedrucktes Heft, dann bereits mit dem Untertitel „Das Magazin für Fans“. Von Fans für Fans, möchte man ergänzen, denn eines hat sich seit der ersten Ausgabe nicht geändert: die Macher arbeiten ehrenamtlich.

Ehrenamtlich seit über 30 Jahren1994 gründeten sie in Borod im Westerwaldkreis den gemeinnützigen Verein „Mescalero e.V.“, benannt nach der Stammesgruppe der Apachen, der Karl Mays wohl berühmteste Figur Winnetou angehört. Nach eigener Aussage verfolgt man mit der Produktion des Magazins keine kommerziellen Interessen. Lediglich das Layout und die technische Endfertigung wurden an Medienprofis ausgelagert, als sie so aufwändig wurden, dass sie nicht mehr in der Freizeit bewältigt werden konnten.

Neben Interviews mit Beteiligten an Karl-May-Verfilmungen, wie eben dem neuen Winnetou Nik Xhelilaj oder dem Komponisten der Filmmusik aus den Harald-Reinl-Filmen der 60er Jahre, Martin Böttcher, liegt ein Schwerpunkt des Magazins auf den Freilichtspielen. Auf mittlerweile über zehn Bühnen im deutschsprachigen Raum werden Stücke nach Vorlagen von Karl May aufgeführt, der in Fankreisen ironisch-ehrfurchtsvoll „der Mayster“ heißt.

Freilichtbühnen und FilmklassikerMindestens ebenso wichtig wie die Freilichtbühnen sind für die Karl-May-Fans die als Klassiker geltenden Kinofilme der 60er Jahre, vor allem mit Pierre Brice und Lex Barker als Blutsbrüderpaar Winnetou und Old Shatterhand. So erinnerte „Karl May & Co.“ im vergangenen Jahr mit einer Fotostrecke und Interviewauszügen an die Auftritte des verstorbenen Götz George in den Winnetou-Filmen als Farmersohn Fred Engel, zuerst in „Der Schatz im Silbersee“ von 1962.

Doch auch der zweite Teil des Magazintitels „& Co.“ hat seine Berechtigung. Denn es gibt erstaunlich viele neue Publikationen, die ‚im Geiste‘ Karl Mays, in dessen Figurenkosmos, etwa dem Orient, oder auch nur lose daran angelehnt, Abenteuer- oder Fantasygeschichten erzählen. In „Karl May & Co.“ werden diese Neuerscheinungen dem genauen Blick der Experten ausgesetzt und ausführlich vorgestellt.

Kritische RezeptionDie Ernsthaftigkeit und Sorgfalt, mit der man Karl Mays Schöpfung hier behandelt, muss jeden Literaturwissenschaftler neidisch werden lassen. So findet auch die kritische Betrachtung von Mays Werk ihren Platz im Magazin, etwa unter Gesichtspunkten wie Rassen- und Geschlechterbildern oder der Rezeption im historischen Kontext der DDR.

Mit Features wie dem Online-Fanshop oder der Facebook-Präsenz ist „Karl May & Co.“ heute im digitalen Zeitalter angekommen. Das Heft erscheint vierteljährlich, ist online bestellbar, in ausgewählten Verkaufsstellen und im Abonnement erhältlich. Die Auflage betrug zuletzt 1300 Exemplare. In diesem Monat, 105 Jahre nach Karl Mays Tod, erscheint die 147. Ausgabe, unter Anderem mit einem Interview mit dem „Winnetou des Ostens“ Gojko Mitic .