Kanal produziert Hip-Hop-Formate Osnabrücker Youtuber 16barsTV haben 60 Mio. Aufrufe im Jahr

Von Benjamin Beutler | 07.02.2015, 00:45 Uhr

Hip-Hop ist, wie keine Jugendkultur zuvor, vom Underground im Overground, in den Charts angekommen. In Deutschland ist Hip-Hop mittlerweile Pop – Pop im Sinne von populär. Die Betreiber der Internetseite 16bars.de haben das Potenzial früh für sich genutzt. Die Osnabrücker betreiben mit Inhalten aus der Szene einen erfolgreichen Kanal auf Youtube.

Wir treffen uns mit 16bars-Geschäftsführer Ramon Diehl im Café Zimmer Nr. 4 in Osnabrück. Ein Song des US-Rappers Snoop Dogg läuft während des Gesprächs im Hintergrund.

Ramon Diehl hat mit der Gründung von 16bars.de ursprünglich ein anderes Ziel verfolgt. „Ich wollte eine Hip-Hop-Datenbank ins Leben rufen, mit deren Hilfe man nachvollziehen kann, welcher Produzent mit welchen Künstlern zusammenarbeitet“, sagt Diehl. Ursprünglich war 2005. Die Homepage stieß zu Beginn auf wenig Interesse. Der 31-Jährige fing daraufhin an, die Seite zusätzlich mit Nachrichten aus der Szene zu füttern. Anfangs nur von amerikanischen Acts, im Laufe der Zeit kamen Berichte aus der deutschen Szene hinzu. Zehn Jahre später ist das Konzept dasselbe. Hip-Hop aus Deutschland und den USA steht im Mittelpunkt.

Bei der Namenswahl der Homepage hat Diehl sich ebenfalls dem Fachjargon der Szene bedient. Der Name 16bars leitet sich von der Songstruktur eines Hip-Hop-Songs ab. Der klassische Hip-Hop-Text besteht meist aus zwei oder drei Rapstrophen (Parts) à 16 Zeilen (Bars), unterbrochen durch einen Refrain mit acht Zeilen (Hook).

Durch TV-Sparte etabliert

Erfolgreich als Hip-Hop- und Rapmedium in Deutschland wurde das Unternehmen mit eigenen Videoinhalten, die sich auf der Homepage und auf Youtube wiederfinden. Mit selbst produzierten Musikvideos, Interviews und Entertainmentformaten setzte sich 16bars.TV früh von anderen Medien der Szene ab. 2006 produzierte Diehl das erste Videointerview. „Der richtige Startschuss unserer TV-Sparte fiel allerdings erst im April 2007 mit dem Interview mit Sido bei seinem Konzert in Münster“, sagt Diehl. Der zu Beginn seiner Karriere umstrittene Rapper aus Berlin gehört zu den erfolgreichsten Künstlern des Genres. „Das Feedback auf das Video hat uns angespornt weiterzumachen, und so haben wir angefangen, vom Ruhrpott bis nach Berlin sämtliche Rapper zu interviewen.“

Eigene Formate ab 2008

2008 entstand das erste eigene Format „Streetrotation“. „Inspiriert vom amerikanischen Markt, haben wir 16 deutsche Rapper 16 Bars in die Kamera rappen lassen und die Videos sehr reduziert gefilmt und geschnitten“, sagt Diehl. Das Besondere daran sei, dass die Künstler nicht aufwendig in Szene gesetzt wurden, sondern in ihrem Kiez, im amerikanischen als „Hood“ bezeichnet, gefilmt wurden. „Wir wollten damit ein echtes Gefühl vom Künstler in seiner Hood vermitteln“, beschreibt Diehl die Idee von Streetrotation. Es folgten 2008 zur Fußballeuropameisterschaft ein EM-Studio, moderiert von einem Rapper aus dem Ruhrpott, und der Besuch der Erotikmesse Venus, bei dem ein Rapper und eine ehemalige Erotikdarstellerin über die Messe führten.

Rapquiz erstes Mammutprojekt

2010 investierte Diehl in professionelle Kameratechnik. Mit der neuen Technik kamen neue Formate hinzu. Zu den aufwendigsten bisher gehörte das Rapquiz, das 2011 zum ersten Mal in einem festen Set produziert wurde. Mit Sido und Kool Savas duellierten sich zwei der erfolgreichsten Deutsch-Rap-Acts in der Beantwortung von Fragen rund um das Thema Hip-Hop. Das Rapquiz wurde viermal produziert. Es war laut Diehl ein Meilenstein für 16bars. Jede Folge wurde bei Youtube mehrere Hunderttausend Mal aufgerufen. Da der Aufwand jedoch zu hoch war, stampften die Macher das Format ein. (Kool Savas: Osnabrück ist ein schöner Anfang ››) 

Das Team entwickelte weitere Formate, wie zum Beispiel „unterwegs mit ...“, bei dem verschiedene Rapper bei einem Streifzug durch eine Stadt begleitet wurden. „Hervorzuheben ist in der Reihe die Reise mit Kool Savas nach New York “, sagt Diehl.

Für die Moderation der Formate stand in den meisten Fällen Visa Vie vor der Kamera. Die Berlinerin kam 2010 zu 16bars und war fortan das Aushängeschild. Die anfängliche Skepsis, ob eine Frau in der Männerdomäne, in der frauenfeindliche Textinhalte keine Ausnahme sind, akzeptiert wird, legte sich schnell. „Visa Vie funktioniert, weil sie kompetent ist, gut aussieht und den Rappern Konter geben kann“, sagt Diehl.

Lukrativ nach fünf Jahren

Mittlerweile hat der Youtube-Kanal 16barsTV über eine halbe Million Abonnenten und 60 Millionen Videoabrufe im Jahr. Damit gehört der Channel zu den erfolgreichsten im Bereich Hip-Hop-Musik in Deutschland. Um einen schnelleren Kontakt zu den Künstlern herzustellen, mietete sich das in Osnabrück gegründete Unternehmen ein Büro in Berlin. (Hier geht es zur Themenseite über die Youtube-Stars ››) 

Die Geschäftsführung teilt sich Ramon Diehl mit Benjamin Staffe, der seit 2007 bei 16bars ist und bei vielen Musikvideos, Interviews und auch Entertainmentformaten als Kameramann federführend ist. Daneben gibt es weitere sechs Mitarbeiter, die sich um verschiedene Aufgaben kümmern.

Bis das Unternehmen sich derart aufstellen konnte, hat es allerdings eine Weile gedauert. Die ersten Werbeeinnahmen wurden Ende 2010 auf Youtube generiert. „Damals musste man sich noch bei Youtube bewerben, damit Werbung vor die Videos geschaltet wurde. Zwei Bewerbungen wurden abgelehnt, bevor wir die Zusage bekamen“, erzählt Diehl.

Nominierung für Deutschen Webvideopreis

Neben 16barsTV haben die Macher 2013 mit zqnce einen weiteren Youtube-Kanal ins Leben gerufen. Der Kanal für urbanes Unterhaltungsfernsehen im Internet entstand in einer Kooperation mit Youtube. Im Vergleich zu 16bars soll zqnce die Themenbereich Gesellschaft, Politik und Unterhaltung abdecken. „Ich würde es als eine Mischung aus ZDFneo und Arte auf Youtube beschreiben“, sagt Diehl. Die Zielgruppe ist dabei, nicht wie bei 16bars, nur auf Hip-Hop-Fans beschränkt.

Erstes Format auf zqnce war „Shore, Stein, Papier“. In dem Videoblog erzählt ein Ex-Junkie seine Lebensgeschichte. Die in dieser Form neue Art des Erzählens wurde 2013 für den Deutschen Webvideopreis nominiert. „zqnce ist noch nicht so etabliert wie 16barsTV“, sagt Diehl, „aber die mediale Aufmerksamkeit die „Shore, Stein, Papier“ bundesweit hervorgerufen hat, war auch für Youtube neu.“ (Videoblog „Shore, Stein, Papier“ rüttelt auf ››) 

Neben „Shore, Stein, Papier“ findet man unter anderem eine Dokumentation über ein Flüchtlingslager. Bei dem Dokumentarfilm „Süchtig nach Jihad – Der Film eines kleinen Jungen“ übernahm zqnce die redaktionelle Betreuung. „Unser Chefredakteur von zqnce plant in diesem Themenbereich weitere Inhalte, aber da gibt es noch nichts Konkretes.“

Konkretere Pläne gibt es hingegen bei 16bars. Demnächst soll, zum zehnjährigen Geburtstag, das „Rapquiz“ als App erscheinen. Vom Prinzip her ist es angelehnt an das „Quizduell“, ob es ebenso populär wird, bleibt abzuwarten.